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Auf sich ganz allein gestellt die Wand bezwingen

Trier. Einheimische und Flüchtlinge tüfteln gemeinsam Boulderrouten aus und lernen sich so kennen: Wie aus der fixen Idee eines Einzelnen ein dauerhaftes Projekt wird. Pascal Kimmich

Trier Arm strecken, Knie anwinkeln, bloß nicht unnötig viel Kraft verbrauchen: Gespannt hören die vier Jungs ihrer Trainerin zu, die ihnen gerade zeigt, worauf es beim Bouldern ankommt.
In der Boulderhalle Blocschokolade in Trier-Nord kommen jede Woche Flüchtlinge und engagierte Kletterer zusammen, um einander besser kennenzulernen. Der Spaß ist bei Betreuern und Teilnehmern gleichermaßen groß. "Es ist schön, dass wir in der Gruppe zusammen bouldern können. Ich habe große Fortschritte gemacht", berichtet ein Junge afghanischer Herkunft, der seit einem Jahr in Trier lebt und fast jede Woche zum Treffen kommt.
Auch wenn das Bouldern und der Spaß an gemeinsamer Bewegung im Mittelpunkt stehen - den ehrenamtlichen Betreuern geht es vor allem darum, einen Ort der Zusammenkunft anzubieten. Wer einmal in einer Boulderhalle gewesen ist, weiß um die integrative Kraft dieses Sports. Anders als beim normalen Klettern geht es beim Bouldern nicht darum, in großer Höhe auf sich selbst gestellt die Wand zu bezwingen. Vielmehr müssen sogenannte "Boulder-Probleme" gelöst werden: Eine vorgegebene Route muss erarbeitet und technisch verstanden werden, bevor man sie meistern kann.
In Boulderhallen wie der Trierer Blocschokolade stehen Gruppen von Menschen immer wieder gemeinsam vor der Kletterwand, beraten sich und versuchen abwechselnd immer wieder, Aufgaben an der Wand zu lösen.
Diese gemeinschaftsfördernden Eigenschaften des Bouldersports kennt Manuel Karger, Initiator des Boulderns, mit Flüchtlingen aus jahrelanger eigener Erfahrung. Anfang 2016 beschloss er, den Sport auch für Trierer Flüchtlinge zugänglich zu machen. Was als fixe Idee begann, wurde mit Hilfe der Betreiber der Blocschokolade, den Koordinatoren der Erlebniswerkstatt Saar und dem Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Trier schnell Realität.
"Ich bin begeistert, wie positiv die Idee von Anfang an aufgenommen wurde. Ohne die Unterstützung der Stadt und der Blocschokolade wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen", freut sich Karger. "Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob das Angebot auch angenommen wird und ob sich genügend Engagierte finden, um wirklich jede Woche ein Treffen durchzuführen. Diese Befürchtungen haben sich schnell in Luft aufgelöst."
Inzwischen läuft das Projekt seit einem Jahr. Ein Höhepunkt war der Besuch von etwa 30 jungen Flüchtlingen im Hochseilgarten in Taben-Roth vergangenen Oktober. Bei den wöchentlichen Treffen helfen so viele Boulderbegeisterte mit, dass das Projekt vorerst weiter gesichert ist.
Wer sich in die Gruppe einbringen möchte, kann sich per E-Mail an folgende Adresse wenden: fluebo_ trier@posteo.de