Auf Spurensuche in Afrika

Jutta und Heinz Stöck leben als Nachfahren des ehemaligen Trie rer Rechtsanwaltes und Politikers Christian Stöck im afrikanischen Namibia. Auf ihrer Farm hüten sie Schätze der Trierer Geschichte.

 Heinz und Jutta Stöck präsentieren einen Zehn-Millionen-Mark-Schein aus der Heimat ihrer Vorfahren. TV-Foto: Silke Steuer

Heinz und Jutta Stöck präsentieren einen Zehn-Millionen-Mark-Schein aus der Heimat ihrer Vorfahren. TV-Foto: Silke Steuer

Windhoek. Die Straße wird zu einem Schotterweg, hier und dort stehen ein paar dürre Dornenbüsche, riesige Berge erheben sich aus der sonst so flachen Landschaft Namibias. Roter Sand wirbelt unter den Autoreifen auf.

In der Einsamkeit steht ein kleines gemütliches Haus im Kolonialstil. "Farm Frauenstein" steht auf dem Begrüßungsschild am Tor. Ein älterer großer Herr mit dichtem weißen Haar tritt aus dem Haus. "Kommen Sie herein, Trie rer sind hier immer willkommen!"

In der endlosen Steppe Afrikas scheint nichts auf Trier hinzuweisen. Doch der Mann, Heinz Stöck, und seine Frau Jutta erzählen auf ihrer Farm Geschichten über Trier, die wenig bekannt sind. Denn Heinz Stöck ist ein Enkel des Rechtsanwaltes Christian Josef Anton Stöck, der 1923 stellvertretender Bürgermeister Triers wurde. Heinz Stöck nimmt einen kleinen braunen Bilderrahmen von der Wohnzimmerwand ab. Darin ist ein Geldschein zu sehen: zehn Millionen Mark. Er stammt aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Der Großvater, Christian Stöck, hat ihn unterzeichnet.

Ein größerer Bilderrahmen umfasst das Gemälde einer Burg. Es ist die Burg Falkenstein an der Our. Sie war damals im Besitz der Familie Stöck. Erst nach dem Tod von Christian Stöck wurde das Erbe verkauft. "14 Kinder brachte Stöcks Frau zur Welt", erzählt Jutta Stöck und deutet auf ein Schwarz-Weiß-Bild, das eine hübsche und stolze Frau zeigt.

Einer ihrer Söhne, Hubert Stöck, studierte Kunst und wurde Leutnant bei Verdun. 1926 wanderte er nach Namibia aus. Dort heiratete er auf die Farm Ongeama ein. Als Sohn von Hubert Stöck wuchs Heinz Stöck mit seinen Geschwistern auf dem Hof auf. Seine Gattin Jutta wurde auf der Nachbarfarm groß. Auch ihr Vater war um 1925 nach Namibia ausgewandert, um dort die Farm "Frauenstein" zu kaufen.

"Wie sieht es denn heute in Trier aus?", fragt Heinz Stöck. Seit mehr als 50 Jahren war er nicht mehr in der Heimat seiner Vorfahren. Zuletzt flog er 1959 mit seiner damals frisch angetrauten Gattin in den Urlaub an die Mosel. Dort haben sie sich die Thermen, den Hauptmarkt und die Kirchen angesehen. "Trier ist schon eine sehr schöne Stadt", ist sich das Ehepaar einig. Gerne denkt es an die Heilig-Rock-Wallfahrt zurück. Dann hängt Heinz Stöck die Bilder zurück an die Wand seines Farmhauses in Namibia - Andenken an eine Gegend, in die er altersbedingt wohl nicht mehr reisen wird.