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Auf vielen bunten Tellern liegen in den Weihnachtstagen Spekulatius, doch die von Albert und Marga Hanck aus Trier sind etwas ganz Besonderes.

Weihnachtsbäckerei wie anno dazumal : Filigrane Kunst  zum Vernaschen

Auf vielen bunten Tellern liegen in den Weihnachtstagen Spekulatius, doch die von Albert und Marga Hanck aus Trier sind etwas ganz Besonderes.

Die Wände bei Albert und Marga Hanck erzählen Geschichten. Dort hängen Bretter in vielen Größen, in die von Hand detailreich Figuren eingeschnitzt wurden. Diese sogenannten Model dienten früher als Formen für Spekulatius und Printen. Doch was heißt früher – Albert und Marga verwenden auch heute noch diese besonderen Formen zum Backen.

Mitte der 1990er Jahre hat Albert Hanck angefangen, sich für Spekulatius- und Springerle-Backformen zu interessieren, nachdem in einem Fernsehbeitrag davon berichtet wurde. Inzwischen hat er 110 dieser Model vor allem über das Internet erworben. Begeistert zeigt der 83-Jährige seine Schätze und weiß zu jedem der Exemplare etwas zu erzählen.

Die Motive sind äußerst detailliert und fein geschnitzt, sie reichen von lieblich bis ganz schön derb. Neben zahlreichen biblischen Darstellungen sind auch ungewöhnliche Szenarien zu sehen: Kinderbringer, Männer, die auf Ziegen reiten und Leute mit übergroßen Nasen. Letztere hatten vor allem in der Region Niederrhein Tradition, weiß Albert Hanck. Er weist ein großes Wissen über die hölzernen Kunstwerke auf, aus denen das Gebäck entsteht, das fast zu schade zum Essen ist. Zahlreiche Bücher darüber hat er in seinem Schrank, in denen Bedeutung und Herkunft erklärt werden.

Doch die Formen, für die er Beträge zwischen zehn und 500 Euro ausgegeben hat, bleiben nicht alle nur an der Wand. Das Ehepaar ist ein eingespieltes Team in Sachen Weihnachtsgebäck. Dabei haben sie sich erst vor sechs Jahren bei einem Englischkurs in Trier kennengelernt. Seit anderthalb Jahren sind sie verheiratet. „Wir flittern noch“, sagt sie lachend und drückt den Spekulatius­teig in einen Holzmodel. Anschließend schneidet sie mit einem Gerät, das einer Laubsäge ähnelt, den überschüssigen Teig ab. „Das nennt sich Harfe“, erklärt sie.

Nun gilt es, den im Model verbliebenen Spekulatius-Rohling vorsichtig herauszulösen und auf ein Backblech zu legen, ohne dass der Teig im Model hängenbleibt. „Im ersten Jahr habe ich gesagt, ich mache das nie wieder – wir sind fast verzweifelt!“, erzählt die 79-Jährige. Viele Rezepte mussten ausprobiert werden, bis es den Eheleuten gelang, die ersten detailreichen Spekulatius erst aus dem Model und später unverformt aus dem Ofen zu bekommen. Vom passenden Mehl („Instantmehl“, sagt Marga Hanck) bis zum perfekten Triebmittel („Wir verwenden kein Hirschhornsalz“, ergänzt Albert Hanck)  – alles haben sie durchprobiert.

Viel Arbeit ist es immer noch, doch über industriell hergestellte Spekulatius befindet Albert Hanck: „Der Liebreiz ist weg.“ Und wenn man sich die fertigen Spekulatius ansieht, die aus dem Hanck‘schen Ofen kommen, versteht man, was er meint. Die kleinen und großen Kunstwerke der Hancks sind begehrte Mitbringsel in der Adventszeit – gern teilen sie ihr Wissen mit Interessierten, wie sie betonen.

Albert und Marga Hancks Anliegen ist es, auch andere Menschen für das Backen mit alten Holzmodeln zu begeistern. „Das soll nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Albert Hanck.

Noch während die schön anzusehenden und leckeren Kunstwerke abkühlen, macht er sich daran, den eben noch verwendeten Model (es heißt tatsächlich der Model) sorgfältig zu säubern, bevor er wieder einen Platz an der Wand bekommt. „Das macht er immer selbst“, sagt Marga Hanck schmunzelnd, während sie das abgekühlte Gebäck in einer der vielen Blechdosen verstaut.