Auf Wunsch der Stadt

TRIER. Weil die Pläne zu schlecht seien, wird das Grundstück an der Ecke Wechselstraße/Gervasiusstraße nicht an die Trihaus verkauft. Der Trierer Investor klagt dagegen: "Wir haben uns an alle Vorgaben der Stadt gehalten." Jetzt wird zunächst ein Parkplatz gebaut.

Obwohl es offenbar zwei Interessenten an dem Grundstück Ecke Wechselstraße/Gervasiusstraße gibt, will die Stadt das Anwesen im Dezember auf eigene Kosten abreißen und dort einen Parkplatz errichten. Dabei hat Investor Trihaus seit Sommer 2004 mehrfach Pläne für eine Wohnbebauung beim Stadtplanungsamt eingereicht. Trotzdem sagte Baudezernent Peter Dietze in der April-Sitzung des Bauausschusses: "Es ist uns leider nicht geglückt, einen geeigneten Investor zu finden." Ein Abriss auf Stadtkosten würde das Gelände für Käufer attraktiver machen, begründete Dietze den Antrag der Verwaltung. Der Bauausschuss folgte der Vorlage und bewilligte 120 000 Euro für Abbruch und Übergangslösung (der TV berichtete). Dass es einen Investor gibt, mit dem man sich nicht einig über die Pläne ist, und mittlerweile auch das Trierer Bauunternehmen gbt laut Baudezernent Dietze "allgemeines Interesse" angemeldet hat, wurde dem Bauausschuss nicht mitgeteilt. "Wir entscheiden verwaltungsintern, ob ein Entwurf vernünftig ist. Erst dann stellen wir ihn dem Ausschuss vor", sagt Dietze. Die Trihaus-Pläne hätten "weder architektonisch noch städtebaulich überzeugen können". Investor Trihaus ist verärgert: "Wir haben uns an alle Ausführungs-Vorschläge der Stadt gehalten", sagt Joachim Atzorn, Geschäftsführer der Trihaus. Städtische Vorgaben zu Lage und Fassade seien in den Plänen der Trihaus berücksichtigt gewesen. "Dann hat der Architektur- und Städtebaubeirat gerade wegen der von der Stadt vorgeschriebenen Form unsere Planung abgelehnt - und wir sind jetzt die Dummen." Francois Valentiny, prominentes Mitglied des Architektur- und Städtebaubeirates (ASB), bestätigte dem TV: "Das Planungsamt hat Vorgaben gemacht und den Investor ins offene Messer laufen lassen."Klage auf Erstattung der Planungskosten

Alles ein Missverständnis, beteuert Dietze: "Um zu helfen, haben wir der Trihaus Vorgaben gemacht. Aber für die Ausgestaltung dieser sind die Architekten des Investors alleine verantwortlich." Im Juli teilte Dietze der Trihaus mit, dass die Stadt von einer "Veräußerung des Grundstücks an Trihaus" absehe. Ein Architektenwettbewerb, wie der ASB vorgeschlagen hatte, sei jedoch "aus Zeit- und Kostengründen" nicht umsetzbar. Erstmal solle das Gebäude abgerissen werden, um "in Ruhe neu beplant" werden zu können. Die Trihaus legte Widerspruch ein: "Anders als in unserer Besprechung vereinbart, waren ihre Vorgaben in keiner Weise mit dem ASB abgesprochen", heißt es in dem Brief vom August. "Ihr Vorgehen ist für uns ein untragbarer und unnötiger Kostenfaktor." Eine Antwort aus dem Stadtplanungsamt hat die Trihaus, die nach eigenen Angaben ausschließlich mit Firmen aus der Region arbeitet, bisher nicht erhalten. Dafür hat die Stadt es sich - drei Monate nach der Ablehnung eines Wettbewerbs - mittlerweile anders überlegt: "Die Stadt wird die Bebauung im Rahmen eines Wettbewerbsverfahren klären", teilte Dietze dem TV auf Anfrage mit. Verhandlungen mit nur einem Investor werde es daher nicht mehr geben. Die allgemeinen Vorgaben, die für die Trihaus gegolten haben, würden dabei übernommen. "Die Stadt hätte von uns jede Bebauung haben können, die sie sich gewünscht hätte", sagt Trihaus-Mitinhaber Ralf Lieser enttäuscht. "Jetzt schreibt sie einen teuren Wettbewerb aus und muss erstmal selbst Geld investieren." Ob sich die Trihaus an dem Wettbewerb beteiligt, steht noch nicht fest. Für ihren Rechtsanwalt Josef Ting sei klar, dass sie zumindest Anspruch auf Erstattung ihrer bisherigen Planungskosten in Höhe von 80 bis 90 000 Euro hätten. "Schließlich hat die Stadt uns die Vorgaben gemacht, die der ASB dann abgelehnt hat", sagt Atzorn. Im Dezember reißt die Stadt das ehemals auf der Liste des Denkmalamtes stehende Gebäude ab. Auf dem Gelände soll zunächst ein Parkplatz entstehen. Wann der Wettbewerb ausgelobt wird, stehe noch nicht fest.