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Aufbruch im Kloster St. Matthias

Aufbruch im Kloster St. Matthias

Der langsame Verfall der Klosteranlage St. Matthias ist gestoppt: 1,2 Millionen Euro haben Trockenlegung und statische Sicherung gekostet. Nach dem ersten Bauabschnitt soll es in diesem Jahr unter anderem mit der Restaurierung des West- und Südflügels weitergehen. Abt Ignatius Maaß wartet derweil auf die Zusagen für Zuschüsse.

Trier. Der Kreuzgang im Kloster St. Matthias ist ein trostloser Ort: Das einsame Grab des früheren Abtes Eucharius Zenzen ragt aus der braunen Erde im Kreuzgarten. Ein Bauzaun versperrt das Ende des Nordflügels, und der Putz an den Wänden bröckelt. Regnet es, bildet das Wasser auf dem Boden riesige Pfützen. Besucher, die sich hier umschauen, wundern sich.

1,2 Millionen Euro sind bereits in der Klosteranlage versickert, aber nichts scheint passiert zu sein. Irrtum. Drei Jahre lang wühlten Bagger die Erde auf, verlegten Bauarbeiter Entwässerungsleitungen, um die Klosteranlage trockenzulegen, sicherten Fachleute die Statik der Gebäudeteile im Ostflügel mit Verklammerungen aus Stahl. Schließlich begutachteten und sicherten Ärchäologen die Fundamente des Brunnenhauses. Phase eins der Bauarbeiten ist somit abgeschlossen. Teil zwei soll in diesem Jahr folgen, Teil drei in den Jahren 2018 bis 2019. Dafür sind insgesamt weitere 2,2 Millionen Euro veranschlagt.

Ein Mammutprojekt. Doch Abt Ignatius Maaß freut sich. Es geht voran. "Wir wollen in diesem Jahr die Fassade des Südflügels herrichten und den Westflügel restaurieren. Wenn wir dort die Böden aufbrechen, können wir archäologische Funde machen", sagt er. Die Pläne unter den Arm geklemmt führt er durch den Nordflügel und schiebt am Ende des Ganges, der in den Westflügel mündet, einen Bauzaun beiseite. Verschiedene Bodenbeläge sind dort verlegt worden, um zu testen, welcher trocken bleibt. Gerade der Kreuzgang ist extrem dem Wetter ausgesetzt, und ohnehin sind die Gebäude zwischen Mosel und Mattheiser Weiher stark feuchtebelastet. Dafür muss der Unterbau erneuert werden, was bedeutet, "dass wir 90 Zentimeter tief ausschachten müssen. Die Frage ist, was wir da unten finden", sagt Abt Ignatius. Und Alt-Oberbürgermeister Helmut Schröer, Vorsitzender des Kuratoriums, ergänzt: "Das ist ein höchst sensibler Bereich." Ein Loch gähnt dort bereits. Quasi eine Probegrabung. "Wir haben einen gotischen Originalboden und einen Fußboden aus dem zehnten bis zwölften Jahrhundert gefunden. Daher rechnen wir fest damit, dass wir Reste der Vorgängerbauten des Klosters entdecken", berichtet der Abt.

Ein El Dorado für Archäologen. Der wissenschaftliche Beirat, dem so namhafte Experten wie der Archäologe Professor Winfried Weber, langjähriger ehemaliger Direktor des Dom- und Diözesanmuseums, angehören, berät kontinuierlich und macht Vorschläge für die denkmalpflegerische Arbeit. So auch in Sachen Mauerwerk. An den Gewölben klebt zwar noch der originale Kalkputz, an den Wänden haben Handwerker jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts zementhaltigen Mörtel angebracht. Da der keine Feuchtigkeit transportiert, werden die angrenzenden Natursteine stärker durch Nässe belastet. Und so muss das falsche Baumaterial vorsichtig wieder entfernt und durch Kalkputz ersetzt werden. Auch wer auf die bizarre Idee kam, die originale Freskomalerei aus dem Mittelalter über dem Zugang zur Sakristei überputzen zu lassen, weiß heute niemand mehr. Übersät mit zahlreichen Löchern, damit das Material besser am Untergrund haftet, ist die Mariendarstellung nur noch schemenhaft zu erkennen. Ein Jammer.

Ohnehin hat die Abtei St. Matthias in den langen Jahrhunderten ihrer Existenz so einiges mitmachen müssen. "Es gibt Vorgängerbauten aus romanischer und vorromanischer Zeit", erklärt Abt Ignatius Maaß. "Wir haben aber keine Pläne davon, und so wissen wir nicht, wo diese Gebäude genau standen." Dafür ist die jüngere Geschichte genau dokumentiert. 1802 vertrieb der französische Kaiser Napoleon, der fast alle Klöster seiner eroberten Gebiete auflöste, die Mönche aus Trier. Allein die Tatsache, dass die Abteikirche zur Pfarrkirche wurde, rettete sie vor der Zerstörung.
Das einst so stolze Kloster wandelte sich in einen Gutshof mit Ententeichen und Viehställen, die Arkaden des Kreuzganges ließen die neuen Besitzer - die Familie von Nell - zumauern. Im Kreuzgarten erhob sich ein riesiger Misthaufen, im heutigen Speisesaal kauten Kühe ihr Stroh.

Erst 1920 kehrten die Benediktiner in ihre "alte" Heimat zurück. Doch der Schaden war angerichtet und darauffolgende Restaurierungen eher behelfsmäßig als fachmännisch. Ein riesiger Sanierungsstau blieb zurück. Bis heute.
Abt Ignatius, die Stiftung, das Kuratorium und Ehrenamtliche arbeiten jedenfalls intensiv daran, eben diesen abzubauen. Helmut Schröer plant bereits die nächste Marketing-Maßnahme. "Der Kreuzgang und St. Matthias sind eine Herzensangelegenheit der Trierer. Diese Anlage ist einfach einmalig", schwärmt er. Daher will er am Sonntag, 7. Mai, mit dem Kuratorium einen Tag der offenen Tür organisieren, um spendierfreudigen Besuchern den Kreuzgang zu präsentieren. Vorausgesetzt, die nächsten Baumaßnahmen laufen wie gewünscht. Mündliche Zusagen für Zuschüsse vom Land gebe es bereits, der Bund wolle sich anteilsmäßig beteiligen. Die Stiftung Denkmalschutz sitzt definitiv im Boot, und Eigenmittel der Stiftung stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Geschichte der Abtei St. Matthias geht also weiter.

Extra

Aufbruch im Kloster St. Matthias
Foto: (h_st )
Aufbruch im Kloster St. Matthias
Foto: (h_st )
Aufbruch im Kloster St. Matthias
Foto: (h_st )
Aufbruch im Kloster St. Matthias
Foto: (h_st )

Die Benediktinerabtei St. Matthias existiert seit dem 5. Jahrhundert. Wie St. Maximin liegt auch St. Matthias auf einem römischen Gräberfeld. Die beiden ersten Trierer Bischöfe Eucharius und Valerius sind in der Krypta der Kirche bestattet (Ende 3./Anfang 4. Jahrhundert). Im Jahr 1127 entdecken Benediktinermönche bei Bauarbeiten die Gebeine des Apostels Matthias und taufen das Gebäude Basilika St. Eucharius/St. Matthias. Der Steinsarkophag lockt bis heute Pilgerströme zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen. 1803 wird das Kloster im Zuge der Säkularisierung (Trennung von Kirche und Staat) aufgehoben und teilweise zerstört. Nur weil die Abteikirche kurzerhand zur Pfarrkirche St. Matthias umfunktioniert wird, bleibt sie erhalten. Erst seit 1922 ist sie gleichzeitig wieder Abteikirche. Heute gehören noch 18 Brüder der Gemeinschaft an, wobei sieben von ihnen auf der Huysburg in der Nähe von Halberstadt in Sachsen-Anhalt leben. Die Basilika St. Matthias ist für Besucher geöffnet, das Kloster kann nach Voranmeldung besichtigt werden. red/vk