Aufbruch zurück in die Heimat

Seit Januar 2010 ist Lothar Schömann der Präsident der Trierer Polizei. Nach mehr als 20 Jahren in Mainz war die Rückkehr in seine Heimat an der Mosel für den 59-Jährigen ein Neuanfang. Der Chef von knapp 1400 Mitarbeitern bewegt sich gerne an der frischen Luft - besonders vor und nach seinem Arbeitstag.

So oft es mir möglich ist, laufe ich morgens von unserer Wohnung auf dem Petrisberg über den Kreuzweg in die Stadt und abends wieder zurück. Man taucht ganz langsam von oben in die Stadt ein. Das ist für mich ein schönes Entrée in den Tag und eine gute Vorbereitung auf meine Arbeit im Polizeipräsidium. TV-Serie Mein Zuhause

Unterwegs genieße ich vor allem den Wald, den Ausblick auf die Stadt und die Begegnungen mit den Menschen und der Natur. Neulich sind mir unverhofft sogar zwei Rehe über den Weg gelaufen. Solche Begegnungen hat man naturgemäß öfter, wenn man zu Fuß unterwegs ist und einen Blick dafür hat. Ich bin auf einem Bauernhof in Wittlich-Bombogen aufgewachsen - vielleicht erklärt das meine Nähe zur Natur und die Freude an der Bewegung. Seit ich im Januar 2010 die Position als Polizeipräsident angetreten habe, ist die Zeit eigentlich wie im Flug vergangen. Unser Umzug von Mainz nach Trier war ein richtiger Aufbruch. Weil unsere jetzige Wohnung auf dem Petrisberg noch nicht fertig war, haben wir übergangsweise in einer Wohnung im Herz-Jesu-Garten in Trier-Süd gewohnt. Auch da hat es uns gut gefallen: Es ist einfach praktisch, so nah an der Innenstadt zu wohnen. Natürlich war der neue Arbeitsplatz eine Herausforderung. Und auch privat mussten wir uns neu orientieren. Wo gibt es eine schöne Route für mich als Jogger, wo einen Biohofladen und wo kann man ein gutes Glas Wein trinken, waren die eher einfachen Fragen, die uns nach dem Umzug beschäftigt haben. Bei wichtigeren Fragen hält die Neuorientierung teilweise noch an.Nach so vielen Jahren hätte ich eigentlich nicht gedacht, dass es mich wieder hierhin zurückziehen würde. Aber als die Frage dann konkret wurde, habe ich emotional die Verwurzelung mit meiner Heimat wahrgenommen. Ich selbst bin hier in der Region aufgewachsen und unsere beiden erwachsenen Söhne sind in Trier geboren. Seit April leben meine Frau und ich auf dem Petrisberg. Hier glauben wir den Ort gefunden zu haben, von dem wir hoffentlich nicht mehr wegziehen wollen. Keine Selbstverständlichkeit bei mir: Berufsbedingt hatte ich schon etliche Wohnsitze in Rheinland-Pfalz. Das empfinde ich aber als Bereicherung. An unterschiedlichen Orten zu leben, erweitert den Blick. An Trier gefällt mir die Symbiose zwischen Alt und Neu besonders gut. Die Leute in Trier sind ehrlich (mit den Ausnahmen haben wir es dann beruflich zu tun) und bodenständig. Und ihre Stadt lieben sie offenbar über alles. Auch durch die Nähe zu Luxemburg hat Trier kulturell viel zu bieten. Wir fahren öfter mal ins Nachbarland. Unter den gemeinsamen Vorlieben sind vor allem das Kabarett, die Malerei und Musik von Händel die Favoriten. Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Leser. Ich habe immer ein Buch in Reichweite liegen. Sogar im Auto habe ich immer einen Roman zur Hand für den Fall, dass ich einmal im Stau stehe.Stau ist übrigens etwas, was mir an Trier negativ auffällt. Viele Straßen erscheinen mir - etwas zugespitzt - selbst im fließenden Verkehr eher zugeparkt als befahren. Ich jedenfalls möchte das Autofahren in der Innenstadt auf das Allernotwendigste beschränken. Deswegen hoffe ich, dass ich auch im Winter meinen Hin- und Rückweg zur Arbeit über den Kreuzweg so oft wie möglich zu Fuß antreten kann. Aufgezeichnet von Anke Scholz