Aufbruchstimmung zum Semesterstart an der Uni Trier

Campus : Aufbruchstimmung zum Semesterstart an der Uni Trier

200 zusätzliche Studenten im April sind ein Rekordwert an der Uni Trier. Nicht jeder freut sich über neue Forschungsschwerpunkte.

Die Entscheidung, den Einstieg ins Studium zum Sommersemester für mehr Fächer anzubieten, zeigt Wirkung. „Wir haben für den Start am 8. April 200 Neueinschreibungen“, sagt Unipräsident Michael Jäckel. „Das sind etwa doppelt so viele wie bisher. Zudem haben wir mit 88 die höchste Anmeldezahl bei ausländischen Studierenden.“ Erstmals konnten sich junge Frauen und Männer vor dem Sommersemester zu 40 Bachelor-Studiengängen neu anmelden. Nur die Numerus-Clausus-Fächer sind noch von dieser Regel ausgenommen. Mehr als 40 Master-Studiengänge standen ebenso zur Auswahl. Jäckel: „Dass durch diese neuen Angebote auch deutlich mehr Studienwechsler in Trier bleiben, ist auch für uns ein neuer Aspekt.“

Angesichts der 2072 Studienanfänger zum Wintersemester 2017/2018 nimmt sich die Zahl der aktuellen Einsteiger zwar bescheiden aus. Sie ist dennoch ein Signal an die größeren Universitäten des Landes: Wir überlassen Euch auch im Frühjahr nicht mehr tatenlos das Feld! Knapp 13 000 Studierende an der Universität; viel weniger sollen es nicht werden, zumal Land und Bund ihre Mittelzuwendungen an dieser Zahl messen.

Anfang Mai will Wissenschaftsminister Konrad Wolf erste Entwürfe für Zielvereinbarungen zum von ihm aufgelegten Hochschulzukunftsprogramm vorlegen. Mit neuen Forschungsschwerpunkten will die Uni Trier dann zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat.

Neue Angebote Zu den neuen Angeboten gehört das Forschungszentrum Mittelstand, das eine enge Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsbetrieben der Region pflegen soll, ebenso wie das neue Institut für angewandte Geoinformatik. „Die Anwendungsorientierung ist für uns wichtig“, macht Unipräsident Jäckel deutlich. Im konkreten Fall sind das zum Beispiel sehr verlässliche Daten zum Waldzustand und Boden in Rheinland-Pfalz, möglich durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit den Landesforsten und die permanente Auswertung von Satellitendaten. „Das Lebenswerk von Joachim Hill wird in ein Institut gegossen.“

Neu ist auch das Institut für Recht und Digitalisierung Trier (IRDT), mit dem die Universität auf den wirtschaftlichen und kulturellen Wandel reagiert. Neben den etablierten Professoren Timo Hebeler (Sozialrecht) und Peter Reif (Versicherungsrecht) sollen besonders die neu an die Uni Trier berufenen Antje von Ungern-Sternberg (Digitalisierung und Datenschutz) und Benjamin Raue (Recht der Informationsgesellschaft und des geistigen Eigentums) aktuelle Forschungsschwerpunkte setzen und das IRDT zu einem Leuchtturm der Universität Trier machen.

Konflikte Nicht mehr geben wird es nach Aussage von Unipräsident Jäckel nach fast 30-jähriger Geschichte das Institut für Umwelt und Recht (IUTR). „Nachdem ein tragender Kollege aus diesem Bereich uns in Richtung Hamburg verlassen hatte, haben wir uns entschieden, das Technikrecht auszugliedern und weiterzuentwickeln.“ Das Umweltrecht sei damit aber nicht tot, versichert Jäckel.

Vor allem Professor Ekkehard Hoffmann, einer der bisherigen Direktoren des IUTR, will das nicht hinnehmen. Im Januar hatte er in einem Konzeptpapier eine Neuorientierung des Instituts mit Konzentration auf das Klimaschutzrecht vorgeschlagen. Er bat befreundete Wissenschaftler und forschungsnahe Einrichtungen, sich für den Erhalt des Instituts einzusetzen. Auch die Fraktionen im Mainzer Landtag haben Schreiben erhalten. Doch alle Appelle und Protestnoten – der Mailverkehr liegt unserer Redaktion vor – an die Universitätsleitung und an Wissenschaftsminister Wolf haben nichts an der Entscheidung geändert.

Unipräsident Michael Jäckel ist verärgert, will aber über Details zum Zerwürfnis mit Ekkehard Hoffmann nichts sagen. Nach Informationen unserer Zeitung ist auch ein Rechtsstreit anhängig. „Ich habe dem Hochschulrat zugesagt, dass ich mich um den Fortbestand des Umweltrechts kümmere. Möglicherweise werden wir das Agronym IUTR in einem neuen Forschungsbereich nutzen. Aber welche Rolle Herr Hoffmann dabei spielen wird, ist noch offen.“

Bauprojekte Ein Jahr vor dem 50. Geburtstag der Universität sollen auch andere Dinge im Mittelpunkt stehen. So soll im Sommer endlich mit dem millionenschweren Bau der Bibliothekserweiterung begonnen werden. Auf dem Campus werden im Bereich der Weiher die ersten „learning garden“ entstehen. Geplant ist eine besondere Sitzmöblierung, die Studenten zum gemeinsamen Lernen in der Natur motivieren soll. Nachdem das Land mobile Labore genehmigt hat, soll im Herbst auch die lange geplante Sanierung von Campus II beginnen, dem ehemaligen französischen Krankenhaus auf dem Petrisberg. „Das Jubiläumsjahr wird von Bautätigkeiten geprägt sein“, blickt Michael Jäckel voraus.

Einführungswoche für neue Studenten an der Universität Trier. Erstsemester, Audimax, studieren, Studium, Mensa Ve./Foto: Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter

Aber natürlich wird 2020 auch reichlich gefeiert, festlich und fröhlich. Keine schlechte Perspektive für die 13 000 Studierenden, die nun wieder die Vorlesungen besuchen.

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