Aufregendes von Zauberern und Zeitreisenden

Aufregendes von Zauberern und Zeitreisenden

Lesen ist Kino im Kopf, doch Vorlesen will geübt sein und erfordert Mut - vor allem vor einem größeren Publikum. Sechs, die dies gewagt und gewonnen haben, sind nun nach erfolgreichen Vorlesewettbewerben in ihren Schulen und Landkreisen zum Bezirksentscheid in Trier angetreten. Lina und Luca heißen die Sieger, die im Mai am Landesentscheid in Mainz teilnehmen.

Trier/Bitburg/Prüm. Quidditch ist ein gefährliches Spiel. Immerhin saust man auf Besen durch die Luft und muss harten verzauberten Bällen ausweichen. Kein Wunder, dass man sich da mal den Arm bricht. Aber kann Harry zulassen, dass ihn der unfähige Professor Lockhart heilen will?
Die Zeitreisende Gwendolyn versucht, Menschen aus vergangenen Jahrhunderten die Funktionen eines Handys zu erläutern. Unfassbar, was dieses Wunderding alles kann. Und der junge Goos muss seinem Vater verklickern, dass da eine echte Mumie in seinem Schrank sitzt.
Es sind spannende und witzige Situationen, die sich die sechs Sechstklässler ausgesucht haben, um sie beim Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs in der Mayerschen Interbook vorzulesen.
Im Februar sind sie alle als Sieger aus den Regionalentscheiden hervorgegangen, zuvor hatten sie sich bereits in ihren Schulen durchgesetzt. So gewann Lina Schlotter (11) den Wettbewerb im Gymnasium Saarburg und den Regionalentscheid Trier-Saarburg in Konz.
Bereits die erste Runde sorgte für Lampenfieber: "Alle sechs sechsten Klassen und alle Lehrer waren da", erinnert sich Lina an den Schulwettbewerb. Jedes Mal wird ein anderes Buch ausgewählt; so liest Lina beim Bezirksentscheid aus "Der Tag, an dem ich cool wurde" von Juma Kliebenstein. "Vorher habe ich noch ein paar Tipps bekommen, zum Beispiel die Rollen mehr zu betonen und die Stimme etwas zu verstellen", sagt sie. Gerne gelesen habe sie schon immer, ganz unterschiedliche Bücher, am liebsten Fantasy.
Genauso geht es Michel Rensch, der aus "Drachenreiter" von Cornelia Funke vorliest: "Fantasy- und Detektivgeschichten mag ich am liebsten", sagt der Elfjährige, der sich im Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und beim Stadtentscheid durchgesetzt hat. Beim Bezirksentscheid trägt er lebhaft vor, wie schwierig es ist, einem echten Drachen klarzumachen, dass Menschen nicht die kleinen schwachen Erdenwesen sind, nach denen sie aussehen.
"Wir bewerten nicht die schauspielerischen Fähigkeiten - und auch nicht die Zahl der Versprecher", sagt Julia Lehnertz. Sie ist Lehrerin für Fremdsprachen und Religion in Konz und bereits zum vierten Mal bei einem Vorlesewettbewerb als Jurorin mit dabei. Lesetechnik, Interpretation und Textauswahl seien entscheidend. "Wörtliche Rede ist zum Beispiel gut, weil man da Emotionen reinlegen kann." Für den zweiten Durchgang lesen die Schüler aus "Survivor Dogs" von Erin Hunter. Dann endlich stehen die Sieger fest: Lina Schlotter sowie Luca Eifler, Schüler des Gymnasiums Birkenfeld. Für beide geht es am 16. Mai nach Mainz zum Landeswettbewerb; das Bundesfinale steigt am 30. Juni in Berlin.
Extra

Den Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gibt es seit 1959; er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Ziele sind es, Leselust zu wecken und die Lesekompetenz von Kindern zu stärken. Mehr als 700 000 Kinder aller Schularten beteiligen sich jährlich am Wettbewerb. Die mehr als 600 Regionalwettbewerbe werden etwa von Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen organisiert. DQ

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