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Aufwertung für zentrale Innenstadt-Ecke

Aufwertung für zentrale Innenstadt-Ecke

Die Ecke Rindertanz-/Sichelstraße in Trier soll aufgewertet werden. Zwei Stelen werden an das Schicksal der Juden erinnern, die dort ab 1939 interniert wurden. Der Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld hat der Planung zugestimmt. Vom Rat gewünschte Änderungen des Begleittextes hat die Stadt umgehend erledigt.

Trier. Grundsätzlich hätte der Ortsbeirat Trier-Mitte-Gartenfeld in seiner jüngsten Sitzung Grund zur Freude gehabt, denn die von ihm initiierte vorläufige Umgestaltung der Ecke Rindertanz-/Sichelstraße am Ende der Glockenstraße ist in greifbare Nähe gerückt. Seit Jahren hat der Ortsbeirat um dieses Projekt gerungen und ist bereit, es mit einer erheblichen Summe aus seinem Budget mitzufinanzieren.
Kern der Gestaltung sind zwei Stelen, die in würdiger Weise an die von diesem Areal aus deportierten Trierer Juden erinnern sollen. Vor ihrer Deportation waren jüdischen Frauen und Kinder von der Gestapo dort im Bischof-Korum-Haus interniert worden. Das ursprünglich für die kirchliche Jugend errichtete Gebäude wurde in den 70er-Jahren abgerissen. Die Fläche an der Rindertanzstraße wird heute weitgehend als Parkplatz genutzt.
In der jüngsten Sitzung lag dem Ortsbeirat die fertige Planung des Tiefbauamtes als Vorlage zur Abstimmung und Weitergabe an den Dezernatsausschuss IV vor. Der Ausschuss soll noch in dieser Woche den Baubeschluss fassen. Im Dezember folgt die Ausschreibung, und im Frühjahr 2017 können die Arbeiten beginnen.
Doch die Stimmung im Ortsbeirat wurde durch Formulierungen im Begleittext der Vorlage getrübt. Dazu Ortsvorsteher Dominik Heinrich (Die Grünen): "Ich habe mich über diese Vorlage geärgert." Der Grund seien sachliche Fehler und eine verdrehte Darstellung der Entstehungsgeschichte des Projekts. Schon die Überschrift "Eckgestaltung Rindertanzplatz" sei falsch, denn es gebe keinen Rindertanzplatz, sondern nur einen Parkplatz auf dem einstigen Bischof-Korum-Grundstück an der Rindertanzstraße. Außerdem habe der Ortsbeirat seit Jahren auf das Projekt hingearbeitet, was in der Vorlage aber verdreht dargestellt sei. Laut Vorlage habe sich stattdessen seit 2014 ein vom ehemaligen Oberbürgermeister Klaus Jensen eingesetztes Gremium mit dem Konzept befasst, worauf der Beirat quasi aufgesprungen sei.
Grundsätzlich stimmte der Ortsbeirat der Planung zu. Tenor: Wo wir kurz vor der Verwirklichung stehen, sollte man unnötige Komplikationen vermeiden. Allerdings korrigierte Ortsvorsteher Heinrich auf Antrag von Ratsmitglied Dorothee Bohr (CDU) den Begleittext entsprechend und reichte ihn so an die Verwaltung. Heinrich zum TV: "Wir machen hier nicht auf beleidigte Leberwurst, sondern wollen die Fakten in der Vorlage - und damit die Arbeit unseres Gremiums - korrekt wiedergegeben sehen."
Die Antwort aus dem Rathaus folgte schnell: Einen Tag später reagierte die Verwaltung mit einer korrigierten Fassung nach der Vorgabe des Ortsbeirats. f.k.
Extra

Die mit 55 000 Euro veranschlagte Umgestaltung der Ecke Rindertanz-/Sichelstraße ist als Übergangslösung gedacht. Dies gilt auch für die dort geplanten Erinnerungsstelen zu den Nazigräueln an Trierer Juden. Die Stelen sollen lediglich mehr (und korrigierte) Informationen enthalten als die derzeit am Haus Fetzenreich angebrachte Tafel. Aus Sicht des Ortsbeirats Trier-Mitte-Gartenfeld kann erst dann eine endgültige Gedenkstätte geschaffen werden, wenn Klarheit über die noch offene städtebauliche Entwicklung des gesamten Areals besteht. Bei der nun geplanten Umgestaltung des südlichen Parkplatzbereichs sollen die Bürgersteige (Hauptfußweg Innenstadt/Bahnhof) auf zwei Meter verbreitert werden. Außerdem sind im Bereich der Stelen Sitzgelegenheiten und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorgesehen. Von den vorhandenen Parkplätzen werden nur vier Stellflächen durch die Umgestaltung entfallen. f.k.