Aulbrücke: Der Beton trägt

Der Beton, in dem die tragenden Eisenteile der Brücke in der Aulstraße befestigt sind, ist nicht marode. Das hat eine Laboranalyse ergeben. Technisch steht der beschlossenen Sanierung des Brückenüberbaus damit nichts mehr im Wege.

Trier. Laut Brücken-Gutachten sind "Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit" der Aulbrücke gefährdet. Zahlreiche zusätzliche Schäden der Bausubstanz haben dazu geführt, dass die Brücke nach einer Sonderprüfung Anfang April kurzfristig voll gesperrt werden musste (der TV berichtete).Bei der Begutachtung wurden auch Bohr-Proben der Betonwände genommen. Denn vom Zustand des Betons hängt ab, ob der Brückenoberbau - wie vom Stadtrat beschlossen - tatsächlich saniert werden kann. Druckfestigkeit und Rohdichte des Betons, in dem die den Brückenüberbau tragenden Widerlager und Auflagerbänke befestigt werden müssen, wurden untersucht. Mittlerweile liegt das Labor-Ergebnis vor: "Gemäß Prüfbericht und Aussage des Statikers sind die Werte des Widerlagerbetons sehr gut. Somit ist die Tragfähigkeit der Widerlager gegeben", berichtet der städtische Pressesprecher Ralf Frühauf auf TV-Anfrage. Laut städtischem Bericht, der im März zum Sanierungsbeschluss des Stadtrats geführt hat, soll die Neuerrichtung des Brückenüberbaus die Stadt rund 670 000 Euro kosten. Nicht eingerechnet wurde dabei allerdings die Erneuerung der direkt an die Auto-Brücke angebauten Fußgänger-Brücke, die zwar noch nutzbar, aber ebenfalls dringend erneuerungsbedürftig ist. Ebenfalls unklar ist bisher, wie die Sanierung durch Haushaltsumlagen oder -einsparungen finanziert werden soll. Trotzdem: Ende 2009 sollen die Sanierung abgeschlossen und die Stadtteile Feyen/Weismark und Heiligkreuz wieder ohne weiträumige Umleitungen an Triers Süden angebunden sein. Parallel zur Sanierung plant die Stadt den Neubau der Brücke. Das hatte der Stadtrat mehrheitlich so beschlossen. "Schritte in Bezug auf den für einen Neubau vorzubereitenden Bebauungsplan für den Bereich oberhalb der Brücke sind eingeleitet", informiert Frühauf. Die Gesamtkosten für den Neubau werden von der Stadt auf rund 3,9 Millionen Euro geschätzt, davon soll das Land 2,8 Millionen Euro übernehmen. Nach Auskunft von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani könnte der Neubau inklusive Vorlaufzeit bis 2012 fertig sein. "Wenn alles gut geht, zum Beispiel beim dafür notwendigen Grundstückserwerb", betonte Kaes-Torchiani bei einem Pressegespräch anlässlich der Aulbrücken-Sperrung Anfang April. Meinung Chance aufs Schwarzbuch Besonders ärgerliche Fälle von Verschwendung öffentlicher Mittel prangert der Bund der Steuerzahler jährlich in seinem "Schwarzbuch" an. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Trierer Aulbrücke in einer der nächsten Ausgaben der Klageschrift erwähnt wird. Sanierung und Neubau einer Brücke parallel voranzutreiben, ist schon fraglich genug. Nähern sich jedoch die Kosten für die Sanierung - zurzeit geschätzte 670 000 Euro - durch noch nicht kalkulierte Summen dem Preis für den Neubau der Brücke - geschätzter städtischer Anteil: 1,9 Millionen Euro - an, wird's absurd. Ob sich die Trierer eine solche Provinzposse ohne Protest gefallen lassen? c.wolff@volksfreund.de