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Aus 50 Zimmern werden 15 Wohnungen

Aus 50 Zimmern werden 15 Wohnungen

Investieren statt kassieren: Auf dem Gelände des Josefsstifts nahe der Porta Nigra wird ein untypisches Projekt realisiert. Die Josefsschwestern bauen ihr ehemaliges Exerzitienhaus zu einem Wohnhaus um und geben dafür 3,3 Millionen Euro aus. Bei einem Verkauf hätte der Orden einen Millionenbetrag erlösen können.

Trier. Das Klostergelände hinter den Mauern am Simeonstiftplatz ist ein städtebauliches Filetstück. Schon Anfang der 1990er Jahre machten Baugesellschaften und Projektentwickler den Josefsschwestern Avancen und lockten mit viel Geld für den kleinen Park und den Klosteranbau, der doch mittlerweile viel zu groß sei.
Voll ausgelastet war ihr 1957 eröffnetes Diözesan-Exerzitienhaus tatsächlich selten. Längst vorbei die Zeiten wie 1961, als das Kurs-, Exerzitien- und Einkehrtage-Angebot mehr als 1800 Teilnehmer verzeichnete. 30 Jahre später waren es nur noch halb so viel, und die blieben meist nur noch übers Wochenende.
Verkauf nie ein Thema


Doch das Haus verkaufen und sich womöglich auch vom Klosterpark mit der rund 100 Jahre alten Zeder trennen - "Das kommt für uns nicht infrage. Auch wenn wir schon lange wissen, dass es so nicht mehr weitergeht", betont Generaloberin Remigia Ternes (72).
Zwei wesentliche Gründe sprechen gegen eine Veräußerung: Zum einen wolle man das 1894 von Ordensgründerin Schwester Gertrud (geborene Gräfin Josephine von Schaffgotsch) von ihrem privaten Geld gekaufte Areal zusammenhalten. Zum anderen, um auch Ordensprinzipien zu erfüllen. Die seit 1891 bestehende "Kongregation der Schwestern vom heiligen Josef" will Menschen nicht nur auf ihrem Glaubensweg begleiten und Glaubensvertiefung ermöglichen. "Wir sehen unsere Aufgabe auch auf sozialem Gebiet. Wir wollen Not lindern", sagt die Ordenschefin. In Trier herrsche Wohnraumnot: "Da sind wir gefragt!"
Bis Frühjahr 2015 läuft der Umbau des verwaisten Exerzitienhauses nach Plänen des Architekten Christian Ewald (51) vom Institut Martiner Hof (Trier). Das Erdgeschoss mit zwei Seminarräumen wollen die Schwestern weiterhin nutzen. Aus den insgesamt 50 Zimmern der Obergeschosse werden 15 Wohnungen, überwiegend mit Balkon. Sie sind 40 bis 76 Quadratmeter groß und "schwellenlos". Ewald: "Wir können aufgrund des Gebäudezuschnitts und der Fenstergrößen nicht alle Din-Normen für ,barrierefrei\' erfüllen." Die Schwestern investieren 3,3 Millionen Euro in das Umbauprojekt und sehen sich damit in guter eigener sozialer Tradition. Ihr 1962 auf dem Klostergelände erbautes Ex-Altenheim nutzen sie seit 2006 als Wohnheim für Studenten und Auszubildende.
Laut Remigia Ternes herrscht bereits große Nachfrage, "doch wir sammeln weiterhin Bewerbungen". Als künftige Mieter sehen die Schwestern "eher die alleinerziehende Mutter und ihre Kinder als Doppelverdiener". Gleichwohl steht der Quadratmeterpreis noch nicht fest. Interessierte können sich melden unter Telefon 0651/9981563 oder per E-Mail ( josefsstift@ewald.org).
An ihrem Begegnungstag (Samstag, 6. September) wollen die Josefschwestern ihre Baustelle zur Besichtigung öffnen.