Aus der Traum: Döge macht dicht

Und schon wieder geht eine Ära zu Ende. Nach Juwelier Lortz (der TV berichtete) verliert die Fleischstraße ein weiteres inhabergeführtes Traditions-Geschäft. Am 23. August schließt Schallplatten Döge.

 Die Rolling Stones können weitermachen, Theo Schend nicht: Ende kommender Woche schließt er das Phono-Fachgeschäft Döge. TV-Foto: Roland Morgen

Die Rolling Stones können weitermachen, Theo Schend nicht: Ende kommender Woche schließt er das Phono-Fachgeschäft Döge. TV-Foto: Roland Morgen

Trier. Das knapp 90 Quadratmeter große Plattengeschäft ist rappelvoll mit Kunden. Der Laden brummt. "Wenn es in der Vergangenheit immer so gelaufen wäre, dann könnten wir auch weitermachen", sinniert Inhaber Theo Schend (42). Aber was jetzt herrscht, ist der Ausnahmezustand: "Die meisten Leute kommen wegen der finalen Schnäppchen."

Endzeitstimmung bei Schallplatten Döge. Schend gibt sich trotzdem gefasst. Den Entschluss, aufzugeben, habe er schon zu Jahresbeginn gefasst - nach einem Weihnachtsgeschäft, "das keines war", und nach drastischen Umsatzrückgängen in den vorangegangenen Jahren. Dass er ein "Auslaufmodell" ist, wusste der aus Föhren stammende 42-Jährige: "Es zeichnete sich ab, dass wir gegen den Geiz-ist-geil-Trend auf die Dauer keine echte Chance haben würden. Aber es ist auch die zunehmende Digitalisierung der Musik, die uns den Rest gegeben hat. Heute kann man Stücke einfach und ohne Qualitätsverlust kopieren."

Schend hat sich lange erfolgreich mit einem Nischen-Angebot behauptet. Seinen erlernten Industriebuchbinder-Job hängte der "Schallplatten-Freak" an den Nagel, um sich mit einem 25 Quadratmeter großen Second-Hand-Plattenladen in der Zuckerbergstraße selbstständig zu machen. Als die heute 79-jährige Rosemarie Döge 1994 einen geeigneten Nachfolger für ihren 1953 gegründeten Familienbetrieb in der Fleischstraße 44 suchte, wurde sie sich mit Schend schnell einig. Bis 1999 arbeitete sie zusammen mit dem Junior-Partner, der seither die alleinige Regie führte, in einem weit und breit einzigartigen Plattenladen. Hier gaben sich Volksmusik- und Heavy-Metal-Fans die Klinke in die Hand, hier traf man sich auch gerne einfach nur auf ein Schwätzchen oder zum Fachsimpeln, hier erfüllte Schend aufgrund guter internationaler Beziehungen und hartnäckigen Recherchen auch die ausgefallensten Plattenwünsche. Nur CD-Neuerscheinungen zu Kampfpreisen, wie sie die großen Unterhaltungselektroniker bieten können, gab es nicht. 50 Prozent des Umsatzes machte Schend mit gebrauchten CDs und mit Vinyl-Scheiben, der Spezialität des einstigen Disc-Jockeys.

Ende nach 55 Jahren



Aus der "Traum, einen Beruf zu haben, der gleichzeitig Hobby ist". Schend und sein dreiköpfiges Mitarbeiterinnen-Team werden sich beruflich neu orientieren. Samstag, 23. August, ist der "definitiv letzte Döge-Geschäftstag". "Es tut mir sehr leid, dass nach 55 Jahren der Laden schließt. Aber ich habe Verständnis für Theos Entscheidung. Es geht einfach nicht mehr", sagt Rosemarie Döge. Einen Nachmieter für die Geschäftsräume in dem Haus, das der Erbengemeinschaft Theisen gehört, gibt es bereits: Ende September eröffnet dort ein "Skate- und Rock-Shop".

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