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Aus für wilde Tiere in der Manege?

Aus für wilde Tiere in der Manege?

Eine Art Wildtierverbot im Zirkus rückt in Trier erstmals in Reichweite. Über eine entsprechende Liste mit bestimmten Tierarten diskutieren die Fraktionen allerdings noch. Das bevorstehende Gastspiel des Trierer Weihnachtscircus bleibt davon unberührt - der Vertrag läuft bis 2019/20.

Trier. Beim Thema Wildtiere im Zirkus deutet sich im Trierer Stadtrat eine Trendwende an, hinter der allerdings noch große Fragezeichen stehen.

Die Petition: Gut 3000 Menschen haben in diesem Jahr eine "Kampagne gegen Wildtiere im Zirkus" des Tierschutzvereins Trier und Umgebung unterzeichnet. Dezernent Thomas Egger (SPD) skizzierte im Sommer im Stadtrat die Option, in Zukunft keine städtischen Flächen an Zirkusse mit Wildtieren mehr zu vergeben (der TV berichtete am 10. Juli).

Die Skeptiker: Jörg Reiffenberg (CDU) sagt: "Die Tendenz geht in unserer Fraktion derzeit mehrheitlich gegen ein Wildtierverbot in Trier. Wir halten eine bundeseinheitliche Lösung für sinnvoll." Da auch andere Fraktionen skeptisch eingestellt sind, drohte das erstmals 2009 von der FDP vorgebrachte Anliegen weiter im Ansatz stecken zu bleiben.

Die Liste: In einer nichtöffentlichen Sitzung des Dezernatsausschusses III kam nach TV-Informationen eine sogenannte Negativliste ins Spiel. Darauf sollen genau diejenigen Tierarten stehen, die in Trier nicht mehr im Zirkus auftreten sollen. Auch der Bundesrat hatte sich 2011 mit dem Thema befasst und gefordert, Zirkussen die Haltung von Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden zu verbieten.

Die Fraktionen: Susanne Kohrs (Die Linke) sagt: "Lange Fahrten in motorisierten Vehikeln, enge Käfige und Kunststücke in voller Manege sind nicht artgerecht. Wildtieren darf man solche Verhältnisse nicht zumuten." Detlef Schieben (SPD) schränkt ein: "Wir sind nicht für ein generelles Wildtierverbot, sondern schlagen als Lösung eine Ausschlussliste vor. Über den Inhalt müssten wir auch mit den anderen Fraktionen sprechen."
Vor diesem Hintergrund ergreifen die Grünen die Initiative. Zur Stadtratssitzung am Dienstag, 15. Dezember, um 17 Uhr stellen sie den Antrag "Keine Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren" und nennen darin fast 30 Tierarten und -gruppen. Die Liste enthält auch Pferde, Esel und Kleinkatzen, die gewöhnlich nicht zu den Wildtieren gezählt werden. Grünen-Fraktionssprecherin Petra Kewes: "Eine Minimallösung mit einer kleinen Liste wäre nicht gut, daher machen wir diesen Vorschlag. Auch bei Pferden kann die Haltung im Zirkus nicht artgerecht sein, denn sie leben normal mit Artgenossen zusammen und brauchen Auslauf." Kewes hofft, dass viele Unterzeichner der Petition in die Ratssitzung kommen, um das Anliegen symbolisch zu unterstützen.
SPD, Grüne, Linke und FDP verfügen im Stadtrat über 29 von 56 Sitzen - diese theoretische Mehrheit würde also reichen.

Der Weihnachtscircus: Vom 22. Dezember bis 3. Januar gastiert der Trierer Weihnachtscircus im Messepark (siehe Extra). Zum Programm gehören diesmal Dressuren mit Pferden und Hunden. Die Zirkus-Homepage verspricht außerdem "Europas größtes und artenreichstes Exoten-Tableau: Antilopen, Watussirinder, ein schottisches Hochlandrind, Bison, Büffel, Kamele, Lamas, Esel, afrikanische Strauße und vieles mehr". Die Gastspiele des Weihnachtscircus sind vertraglich bis 2019/20 gesichert. Von einem Verbot wäre dieser Zirkus bis dahin also nicht betroffen.

Der Tierschutzverein: Vereinsvorsitzende Sonja Müller spricht sich klar für ein komplettes Wildtierverbot im Zirkus aus. Die Tiere spielten dort die Rolle von Gladiatoren im alten Rom. Gerade Kinder bekämen ein falsches Bild von der Lebensweise: "Tiere sind nicht dazu da, um Menschen zu belustigen. Die Haltung im Zirkus führt oft zu typischen Verhaltensstörungen."Extra

Weihnachtscircus-Pressesprecher Oliver Häberle zählt mehrere Gründe gegen ein Wildtierverbot in Trier auf. "Ein Verbot könnte nur auf nationaler Ebene greifen, sonst gäbe es einen Flickenteppich. Es müsste zumindest eine Auslauflösung geben, einen Bestandsschutz für schon vorhandene Tiere im Zirkus. Es ist fraglich, ob Tiere noch als Wildtiere zu bezeichnen sind, die seit Generationen im Zirkus leben. Studien beweisen, dass Zirkustiere nicht unter verstärktem Stress stehen. Bei Kontrollen des Weihnachtscircus durch das Trierer Veterinäramt gab es keine nennenswerten Beanstandungen. Erst käme das Verbot im Zirkus, dann ginge es um private Tierhaltung, wo sicher weniger kontrolliert wird." cus