Aus Heimweh nach der alten Heimat

Aus Heimweh nach der alten Heimat

Was hat eine gebürtige Odenwälderin, die zudem schon viele Jahre in den USA lebt, mit Trier zu tun? Im Falle von Hilde Horchler recht viel: Die in die USA ausgewanderte 75-Jährige gilt diesseits wie jenseits des großen Teichs als "die Mutter" der Städtepartnerschaft zwischen Trier und dem texanischen Fort Worth.

Trier. Viele Male hat Hilde Horchler in den vergangenen Jahren Trier besucht und ist immer wieder "hin und hergerissen" von der Stadt, in erster Linie aber von ihren Bewohnern: "Bei meinen vielen Begegnungen habe ich sehr liebenswerte Menschen getroffen und kennengelernt." Dabei denkt sie nicht in erster Linie an die offiziellen Treffen, sondern vielmehr an die zwanglosen Begegnungen im kleinen Kreis "unter Freunden".
Menschen ganz nah


Seit 27 Jahren kümmert sich die agile 75-Jährige um die Städtepartnerschaft zwischen Trier und Fort Worth. Mehr noch: Hilde Horchler gilt als "Mutter" dieser Verbindung zwischen zwei nicht sonderlich gleichen Städten. Ohne ihr großes ehrenamtliches Engagement hätten die beiden Städte wahrscheinlich überhaupt nicht zueinander gefunden.
Mit Hannover, Nürnberg oder Wiesbaden waren hochkarätige Kaliber im Städtepartnerschafts-Rennen. Was Fort Worth fehle, sei eine "Sister-City" in Deutschland, hatte sie dem damaligen Mayor (Bürgermeister) von Fort Worth, Bob Bolen, ans Herz gelegt und dabei auch ein kleines bisschen an sich selbst gedacht: "Ich hatte ganz schön Heimweh, das ich mit Kontaktarbeit abmildern wollte", gibt die gebürtige Odenwälderin zu.
Grünes Licht aus Fort Worth


Die Reaktion kam prompt: "Work for it!", hieß es von offizieller Seite in Fort Worth, was so viel bedeutet wie: "Alles klar, grünes Licht". Und Hilde Horchler ließ sich das nicht zweimal sagen. Noch ganz auf sich allein gestellt und ohne den Segen von Internet, E-Mail und Smartphone nur mit Schreibmaschine ausgestattet, legte sie sogleich los mit den Vorbereitungen. Bald gesellten sich Gleichgesinnte hinzu im neu gegründeten Trier-Komitee von Fort Worth und auch ein offizielles Büro (Sister City Office) nahm später seine Arbeit auf.
Die einstige Cowboy-Hochburg hatte damals nur eine Partnerschaft mit einer Stadt in Italien, und die habe mehr auf dem Papier bestanden. "Total begeistert" kehrte Hilde Horchler von ihrem ersten Kennenlern-Besuch aus Trier nach Texas zurück. Zwischen ihr und dem damaligen Trierer Oberbürgermeister Felix Zimmermann habe auf Anhieb die "Chemie gestimmt" (Das gelte ausnahmslos aber auch für die OB-Nachfolger). "Wenn es nach uns gegangen wäre, hätte der Partnerschaftsvertrag sofort unterzeichnet werden können." Doch auch die offiziellen Urkunden ließen nicht lange auf sich warten: Am 13. Juli 1987 wurde sie in Fort Worth feierlich unterschrieben und am 23. Juli 1988 die Füller für das Gegenstück in Trier gezückt. Ihre Bemühungen galten immer dem Austausch von jungen Menschen, damit diese "ihren Horizont erweitern können", denkt Hilde Horchler gerade in diesen Tagen, da das Trierer Pendant, die Fort Worth Gesellschaft, ihr 25-jähriges Bestehen feiert, zurück.
"Jedesmal wenn ich in Trier bin, entdecke ich Neues, selbst wenn es so unscheinbare Dinge sind wie das Moos an einem gepflasterten Weg oder der Geruch von frischem Grün in einem Garten. So etwas kennen wir in Fort Worth überhaupt nicht." Dort existierten neben Hochhaustürmen hauptsächlich Prärie, Steppe und Bohrtürme.
Um den Fortbestand der transatlantischen Freundschaft sei es ihr überhaupt nicht bang, sagt die 75-Jährige. Dafür sorgten engagierte Leute auf beiden Seiten und auch die zahlreichen Freundschaften. Und auch sie werde immer ein Auge darauf werfen und mithelfen, wo sie nur könne, sagt das Fort-Worth-Gesellschaft-Ehrenmitglied: "Mein Pass ist mittlerweile zwar amerikanisch, aber mein Herz schlägt nach wie vor deutsch."

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