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Aus Rücksicht vorerst keine Gedenkveranstaltungen

Trauer : Aus Rücksicht vorerst keine Gedenkveranstaltungen

Eine Lichterkette aus Menschen durch die Innenstadt – das hatten sich Mitglieder der Facebook-Gruppe „Wir für Trier #TR0112“ in Gedenken an die Opfer der Amokfahrt überlegt. Jeder hätte dabei eine Kerze oder ein Licht mitgenommen, so wäre die Lichterkette durch die Stadt entstanden.

In Absprache mit dem Ordnungsamt wurde dafür ein Konzept entwickelt, erzählt Ali Ismail, Gründer der Facebook-Gruppe. Um die Veranstaltung umzusetzen, hätten mehrere Organisatoren viel Zeit investiert, so Ismail. Eine davon ist Laura Kläs. Nachdem am Sonntag 447 Menschen in der Facebook-Gruppe dafür abgestimmt hatten, die Lichterkette durch die Stadt zu machen, hat sie sich mit dem Ordnungsamt in Verbindung gesetzt. Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund erzählt sie, wie die Planung abgelaufen ist. „Bei der Umfrage war die Lichterkette eindeutig auf Platz eins. Mit 68 Stimmen, also einem großen Unterschied zu den Stimmen für die Lichterkette, war ein Dankesbanner auf Platz zwei. Montags habe ich mich direkt beim Ordnungsamt erkundigt, wie wir die Lichterkette umsetzen könnten“, erzählt Kläs. Dabei wurde ein Konzept erarbeitet, mit dem die Veranstaltung hätte durchgeführt werden können.

Die Stadt wäre in fünf Blöcke aufgeteilt worden, mit fünf separaten Eingängen, damit Menschenansammlungen vermieden werden könnten. Dabei hätten Ordner sich auch um die Einhaltung von Abständen und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gekümmert. Dafür hätten sie zwanzig freiwillige Helfer gefunden. „Zusammen mit drei weiteren Mitgliedern, Christina, Jeanine und Felicia, habe ich in der Woche viel telefoniert und organisiert, damit wir die Lichterkette am Samstag machen können. Das wurde auch alles mit dem Ordnungsamt abgesprochen“, so Kläs weiter. Bis Donnerstagnachmittag hätten sich Menschen, die teilnehmen möchten, sich anmelden können, damit das Ordnungsamt einen Überblick über die Teilnehmerzahl bekommen hätte.

Am Donnerstag habe sich das Ordnungsamt allerdings wieder gemeldet, um zu sagen, dass sie es den Organisatoren nach Absprache mit der Stadt und Oberbürgermeister Wolfram Leibe ans Herz legen würden, die Lichterkette nicht zu machen. Kläs: „Wir haben diese Bitte ernst genommen und uns deshalb dagegen entschieden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Auch Ismail, der derzeit mehrere Projekte organisiert, stimmt ihr dabei zu: „Für mich ist die Priorität, niemandem mit solchen Veranstaltungen auf die Füße zu treten.“ Es sei gerade jetzt wichtig, Zeichen des Zusammenhalts und nicht gegeneinander zu setzen. „Es hätte uns alle treffen können“, sagt er weiter. Derzeit sei es schön zu sehen, wie viele Menschen helfen wollen und welche Solidarität entstanden ist. „Das ist alles nicht selbstverständlich. Die Menschen wollen helfen und jeder kann das auf seine Art und Weise machen.“

Die Entscheidung der Stadt, eine dringende Bitte gegen die Veranstaltung zu äußern, beruht auf zwei wesentlichen Punkten. Einerseits sei das die coronabedingte Lage, sagt Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier. Zwar hätte die Veranstaltung unter erheblichen Auflagen genehmigt werden können. Allerdings „hätte diese Lichterkette angesichts der derzeitigen großen gemeinsamen Trauer in Trier mutmaßlich viele Hundert, womöglich Tausende Menschen aus Solidarität in die Innenstadt angelockt. Eine solche Massenansammlung von Menschen sollte aus Sicht der Stadtverwaltung angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen unbedingt vermieden werden“, sagt Schmitz.

Der andere Aspekt ist die Perspektive der Opfer beziehungsweise der Angehörigen. Diese Woche habe es das erste Treffen eines Runden Tischs mit Vertretern von Organisationen gegeben, die bei der Betreuung von Opfern und Angehörigen mitarbeiten. Schmitz: „Darin sind Experten vertreten, die große Erfahrung aus ähnlich gelagerten Fällen mitbringen. Die Experten sind sich mit der Stadtverwaltung einig, dass bei allem, was in Sachen gemeinsame Trauer, Gottesdienste, kurz- und längerfristiges Gedenken an die Amoktat geplant wird, die wichtigste Perspektive die der Opfer und deren Angehörigen ist.“ Aus diesem Grund solle es vor großen Gedenkveranstaltungen eine Abstimmung mit den Angehörigen geben. Bei der Stadtverwaltung gibt es einen Koordinierungsstab für Fragen, die sich aus der Amokfahrt ergeben. „Sowohl der Opferbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, als auch der Verwaltungsstab des Rathauses stehen in Kontakt mit den Angehörigen der Opfer und Verletzten“, so Schmitz.

Die Stadt Trier bittet Menschen, die Ideen für Gedenk- oder Trauerveranstaltungen haben, diese eng mit dem Stab der Stadtverwaltung abzusprechen. Dieser ist erreichbar per Mail an trierstehtzusammen@trier.de oder telefonisch unter 0651/7182062.