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Gedenken: Aus Überzeugung ins Kloster – Ermordet in Auschwitz

Gedenken : Aus Überzeugung ins Kloster – Ermordet in Auschwitz

Anlässlich des 80. Jahrestages der Ermordung von Schwester Mirjam Else Michaelis eröffnet das Josefsstift eine Ausstellung.

 Es ist keine Flucht vor der Welt, sondern tiefe Überzeugung, die Michaelis ins Kloster führt. Dabei gäbe es viele Gründe für sie, Schutz zu suchen. Weltkriege, die industrielle Revolution und die dadurch entstehenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme. Doch Michaelis trotzt all diesen Umständen und wird gegen den Willen ihres Vormundes Kauffrau. Als sie sich im Alter von 30 Jahren in Berlin taufen lässt, wenden sich auch ihre Geschwister von ihr ab. Da sie sich während ihrer Arbeitslosigkeit nicht ins Kloster „flüchten“ will, wartet sie aufgrund der Inflation und der wirtschaftlichen Verhältnissen in Deutschland ab. Weitere neun Jahre vergehen, bevor sie in Trier den Josefsschwestern beitritt. Bis dahin hat sie sich aus ihrer finanziellen Lage herausgekämpft und steht auf eigenen Beinen. Sie liebt ihren Beruf und ihre Unabhängigkeit, aber der Eintritt ins Kloster ist die konsequente Umsetzung ihrer spirituellen Überzeugungen. Das übliche Alter, um ins Kloster einzutreten, ist 25 Jahre – das hatte Michaelis weit überschritten. Dennoch lässt sie sich von ihrem Wunsch nicht abbringen und realisiert ihn auch.

Sie ist eine Kämpferin, eine starke Frau und Jüdin, die zum Katholizismus konvertiert ist. Inwiefern sie den jüdischen Glauben zuvor praktizierte, ist nicht klar. Als sie ins Kloster eintritt, erhält sie den Ordensnamen „Mirjam vom heiligen Josef“. Ihr Leben danach ist geprägt von Rastlosigkeit: Zunächst wird sie in Trier und im Saarland eingesetzt, dann wird sie nach Berlin geschickt. Vielleicht würde sie in der Masse einer Großstadt nicht als Konvertierte auffallen. Um der Verfolgung der Nazis zu entgehen, geht sie schließlich in die Niederlande nach Rotterdam-Overschie. Doch auch hier ist sie nicht sicher. Als die Deutschen die Niederlande besetzen, müssen alle Juden weg von den Küsten hinein ins Landesinnere ziehen. Die Rachsüchtigkeit der Nazis kostet sie schließlich das Leben. 1942 lassen die katholischen holländischen Bischöfe in allen Kirchen verlesen, dass sie sich öffentlich gegen die Deportation der holländischen Juden stellen. Das kann der Reichskommissar nicht auf sich sitzen lassen und reagiert mit einer Verhaftungswelle der vom Judentum konvertierten Katholiken. Wenige Tage später wird Michaelis verhaftet. Eine Woche später, am 9. August 1942, ist sie tot – ermordet in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.

Heute, 80 Jahre später, gedenkt das Josefsstift seiner ermordeten Mitschwester. „Aus Bescheidenheit haben die Schwestern Else Michaelis’ jedes Jahr im Stillen getrauert“, erzählt Petra Hauprich-Wenner, Geschäftsführerin des Josefsstifts. Auf ihrem Weg zum Büro gehe sie jeden Tag an der Gedenktafel, die Michaelis zu Ehren im Kloster hängt, vorbei. Die tägliche Erinnerung an Michaelis’ Tod brachte sie schließlich auf die Idee, ihr in Form einer Ausstellung zu gedenken.