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Aus Weinbergsbrachen wird Weideland

Aus Weinbergsbrachen wird Weideland

Der Steillagenweinbau, einst prägend für die Mosellandschaft, ist seit den 1990er Jahren auf dem Rückzug. Die Folge sind verwilderte und überwachsene Brachen an den Hängen. Die Verbandsgemeinde Schweich hält seit Jahren mit ihrem Flächenmangement dagegen. Wie das in der Praxis aussieht, wird in Fell demonstriert.

Fell. Schottische Hochlandrinder, Schafe und Ziegen statt Rebstöcke: Ehemalige Weinberge in den Steillagen von Fell werden in diesen Tagen von jahrzehntelang wild gewucherten Büschen und Bäumen befreit, um sie in Weideland für genügsames Vieh umzuwandeln. Im Einsatz ist schweres Spezialgerät der Klüsserather Fachfirma Willwert.
120 000 Quadratmeter Wiese



Nach Angaben von Gerhard Spieles, Bauabteilung der Verbandsgemeinde (VG) Schweich, werden allein auf der Gemarkung Fell rund 121 550 Quadratmeter alter Anbauflächen mit maschineller Hilfe in Weideland mit einzeln stehenden Obstbäumen verwandelt.
Gleiches ist mit kleineren Flächen bei Kenn (33 900 Quadratmeter), Schleich (57 300 Quadratmeter) und Ensch (9500 Quadratmeter) geplant. Die Gesamtplanung liegt in den Händen des Rioler Landschaftsarchitekten Egbert Sonntag.
Von November bis Februar sollen die genannten Flächen vom Wildwuchs befreit werden. Die Sträucher und Bäume werden dabei nicht einfach entfernt, sondern von den extrem geländegängigen Spezialmaschinen zerkleinert und auf das Areal verteilt (gemulcht). Horst Willwert und Sohn Johannes haben dazu einen 13 Tonnen schweren Großtraktor und eine auf Raupenketten fahrende Forstmulchmaschine im Einsatz. Ein zweiter Pflegeschritt folgt im Frühsommer 2013, um die Flächen für eine Beweidung vorzubereiten. Die aufgegebenen Weinberge wurden von der VG als gesetzliche Ausgleichsflächen für große Bauprojekte - etwa das Schweicher Baugebiet Ermesgraben - erworben.
Das Fernziel ist, durch Tausch und Zusammenlegungen größere Weinanbauflächen für interessierte Winzer zu schaffen. Daneben sollen an den Hängen große zusammenhängende Weideflächen das Landschaftsbild auflockern.

"Wir wollen die alten Weinbergslagen für den Blick offenhalten", sagt Spieles, "und ebenso freie und sonnige Wanderwege. Außerdem sichert die Entfernung des Wildwuchses den Bestand noch betriebener Weinanbauflächen in der Nachbarschaft." Nach der nun laufenden Erstpflege der Flächen sei der Weg frei für eine Dauerpflege durch Weidetiere, die den Bewuchs niedrig halten würden, erklärt Spieles. "Wir haben auch schon erste Pachtverträge mit Viehhaltern in Fell und Schleich abgeschlossen." f.k.

Extra

Ein Problem zeigt die bereits weiträumig gemulchte Brache in der Steillage in Fell: Der Anblick der freien Fläche im Eigentum der Verbandsgemeinde (VG) wird besonders an den Rändern von verwilderten Privatgrundstücken beeinträchtigt. In einem Schreiben an die Eigentümer der Brachen hat die VG den Kauf der Flächen zum Preis von 0,79 Euro/Quadratmeter angeboten. Verkaufsunwilligen wird angeboten, ihre Fläche für 0,40 Euro/Quadratmeter in das Pflegeprogramm mitaufzunehmen. Ein fertiger Antwortvordruck lag dem Angebot bei. Da im Schreiben außerdem die Rede ist von "einem erheblichen Kostenaufwand, der künftig auf die Eigner der Grundstücke zukommen könnte", sehen einige Feller darin die versteckte Androhung einer Zwangsenteignung. Gerhard Spieles von der VG weist dies zurück: " Niemand wird gezwungen zu verkaufen." f.k.