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Ausnahmezustand in den Flüchtlingsquartieren

Trier · 2500 Flüchtlinge leben in den beiden Aufnahmeeinrichtungen in Trier. Sie müssen zum Teil in Fluren und im Freien übernachten. Um die größte Raumnot zu beseitigen, wird nun auch die ehemalige Kasernenturnhalle in Euren genutzt. 150 Betten werden dort aufgestellt.

Wie viele Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres und sicheres Leben derzeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen in der Dasbachstraße in Trier-Nord und auf dem Gelände der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Euren leben, kann nicht genau gesagt werden. Die personelle Erfassung der Neuankömmlinge ist an manchen Tagen nicht zu bewältigen. Zudem variiert deren Zahl täglich.Keine genauen Zahlen


"Es sind etwa 2500 Menschen", schätzt Ulrich Radmer, Referatsleiter Soziales, Jugend und Familie bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). So lauten seine offiziellen Zahlen 1220 für die Hauptstelle Dasbachstraße und 1020 für die Außenstelle in Trier-Euren.
Deren stellvertretender Leiter, Bernd Hermesdorf, kann darüber eher schmunzeln. 1300 sei wohl eine treffendere Zahl. Und wer über das Gelände geht und die mit Stockbetten zugestellten Gebäude, Hallen und Großraumzelte sieht, wird daran kaum zweifeln. Nun sollen übergangsweise, so heißt es von offizieller Stelle, 150 weitere Betten hinzukommen. Sie wurden in der ehemaligen Turnhalle der Kaserne aufgebaut.
"Bei der Masse an Leuten, die wir hier haben, müssen wir sehr zufrieden sein, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist", sagt Hermesdorf, der von der Gelassenheit beeindruckt ist, mit der die Asylbewerber die beengten Zustände in der Einrichtung hinnehmen. "Ich bin sehr zufrieden mit den Menschen, mit denen wir hier zu tun haben."
Vier bis sechs Wochen verbringen die im Durchschnitt derzeit in den beiden Liegenschaften in Trier-Nord oder Euren, bevor sie auf die Kommunen des Landes verteilt werden, wo sie die Entscheidung über ihre Asylanträge abwarten müssen.
Ab August bis Ende des Jahres werden auch mindestens 400 der Migranten der Stadt Trier zugewiesen. Dabei wird die familiengerechte Unterbringung eine große Rolle spielen. Das war bislang auch in der AfA-Außenstelle Euren so. Das Familienhaus ist dort aber inzwischen längst belegt. Für die geplante Erweiterung gibt es angesichts der stetig steigenden Flüchtlingszahlen keine räumlichen Kapazitäten.
ADD-Referatsleiter Ulrich Radmer erhofft auch dafür Entspannung, wenn erst einmal die geplante Aufnahmeeinrichtung bei Hermeskeil eröffnet ist. "Das wird für Trier eine deutliche Entlastung von 500 plus X bringen. Dann ist es auch wieder möglich, Familien separat einzuquartieren." <u>Übergangsweise für zwei Monate sollen nun auch zwei Großzelte mit insgesamt 250 Übernachtungsplätzen in Bitburg Entlastung bringen.
Radmer spricht von einem Ausnahmezustand in Trier. Flüchtlinge müssten derzeit auf den Fluren und im Freien übernachten. Und das, obwohl in der Dasbachstraße sogar die Klassen- und Übungsräume der Kinder zu Schlafsälen umfunktioniert wurden. "Wir hatten bislang Glück mit dem Wetter und konnten im Freien arbeiten", sagt die Künstlerin Elke Reiter, die mit dem Projekt Kulturlabor Trier jungen Flüchtlingen hilft, Sprach- und Kontaktbarrieren abzubauen."Sehr belastende Situation"


Bernhard Jocher, Bereichsleiter Migration, Flucht und Asyl beim Caritasverband Trier, verwendet für ein offizielles Statement eine eher diplomatische Formulierung: "Die gesamte Flüchtlingssituation ist derzeit sehr belastend." Im Bezug auf die Turnhalle würde er den Hoffnungen der Caritas-Mitarbeiter in Euren sicher nicht widersprechen. Die Halle sei in jedem Fall besser als die Zelte. Denn die verfügen zwar über eine Belüftung. Eine Klimaanlage haben sie aber nicht. Dennoch gab es - auch dank ausreichender Wasserversorgung - in den extrem heißen Tagen der vergangenen Woche nur wenige gesundheitliche Problemfälle.