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Aussichtsreicher Außenseiter

Aussichtsreicher Außenseiter

Der Tourismus spielt im Hunsrück und an der Nahe als Wirtschaftsfaktor eine immer stärkere Rolle. Mehr als 900 000 Gäste haben im vorigen Jahr knapp 980 Millionen Euro ausgegeben und damit circa 26 000 Arbeitsplätze in der Region gesichert. Das sind die zentralen Aussagen einer aktuellen Studie, die gestern in Kell am See vorgestellt wurde.

Kell am See/Morbach. (ax) Selbst für Fachleute wie Jörn Winkhaus, Chef der Hunsrück-Touristik, sind es "erstaunliche Zahlen". Im Auftrag der Industrie- und Handelskammern (IHK) Trier, Koblenz und Saarland hat ein Forscherkreis der Trierer Uni den Fremdenverkehr im Hunsrück und an der Nahe mit besonderem Blick auf seine wirtschaftlichen Effekte unter die Lupe genommen. Obschon das große Gebiet - es umfasst Teile der Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Rhein-Hunsrück, Birkenfeld und Bad Kreuznach sowie Merzig-Wadern und St. Wendel im Saarland - eher zu den kleineren, nicht so bekannten Urlaubszielen in Südwestdeutschland gehört, belegt die Studie: "Die landläufige Meinung, dass nur Hotellerie und Gastronomie vom Tourismus profitieren, ist falsch", so Bertram Weirich von der IHK Koblenz. 900 000 Gäste und 3,2 Millionen Übernachtungen haben die Statistiker 2007 im Hunsrück und an der Nahe gezählt. Die Urlauber und Tagesausflügler haben dort fast 980 Millionen Euro ausgegeben.

Statistik sagt: Jeder Gast gibt pro Tag 29 Euro aus



Ein Tagesgast gibt im Schnitt 29 Euro aus. "Vor allem der Einzelhandel profitiert von diesen Ausgaben. Knapp die Hälfte landet in dessen Kassen", betont Albrecht Ehses von der IHK Trier. Die Forscher haben daraus eine Wertschöpfung von jährlich 447 Millionen Euro errechnet.

Das entspricht einem Anteil von 4,34 Prozent an der Gesamtwertschöpfung in der Region. Weil der Tourismus in andere Wirtschaftsbereiche ausstrahlt und zum Beispiel Handwerkern Aufträge verschafft, sichert er 26 000 Menschen den Arbeitsplatz - so eine weitere zentrale Aussage der Studie.

Für die IHK, aber auch für die Touristiker zeigt dies, dass sich gerade im Hunsrück die Investitionen der öffentlichen Hand in den zurückliegenden Jahren gelohnt haben. Exemplarisch nennt Winkhaus den Ruwer-Hochwald-Radweg und vor allem den Premium-Wanderweg Saar-Hunsrück-Steig, "der wie eine Bombe eingeschlagen hat". Auf das große naturräumliche Potenzial und die Attraktivität für Aktivurlauber soll auch in Zukunft gesetzt werden. Ausgehend vom Steig sollen nach und nach weitere "Traumpfade" entstehen. Mit diesen circa 15 Kilometer langen Runden sollen vor allem Tagesausflügler angesprochen werden, die fast drei Viertel aller Gäste in der Region stellen. Wünschenswert wäre aus Winkhaus' Sicht jedoch, wenn die privaten Leistungsträger noch stärker an der Service-Qualität in ihren Betrieben arbeiten. "Das ist der Schlüssel für das zukünftige Bestehen jedes Einzelnen."

Als "Dorn im Auge" bezeichnet Eberhard Noll von der IHK-Bezirksstelle in Simmern die Tatsache, dass die meisten Fluggäste, die auf dem Hahn landen, schnell wieder weg sind. "Sie erst am Flughafen zu empfangen, reicht nicht aus, um sie länger zu halten. Wir müssen mit der Werbung für unsere Region deshalb mehr in die Quellgebiete gehen."

Meinung

Gut angelegtes Geld

Im Vergleich zur Mosel, der Eifel oder anderen Regionen im Land kommt dem Tourismus im Hunsrück unbestritten eine Außenseiterrolle zu. Das hat teils zu einer stiefmütterlichen Behandlung von politischen Entscheidungsträgern geführt, weil Investitionen in den Fremdenverkehr zu freiwilligen Luxus-Ausgaben degradiert wurden. Das Gezänk um die Vermarktungskosten für den Saar-Hunsrück-Steig in Kell am See und Thalfang ist dafür ein Beispiel, das noch bestens in Erinnerung ist. Mit der IHK-Studie haben die Touristiker für künftige Diskussionen nun schwarz auf weiß gute Argumente parat: Wenn die öffentliche Hand in Vorlage geht und in die touristische Infrastruktur investiert, schöpfen später nicht nur ein paar Hoteliers den Rahm davon ab. Von Urlaubern und Ausflüglern profitieren hierzulande viele wirtschaftliche Akteure. Sie lassen Geld in Form von Steuereinnahmen an die Kommunen zurückfließen, und sie tragen - gerade in Krisenzeiten - dazu bei, dass in nicht unwesentlichem Maße Arbeitsplätze erhalten bleiben. a.munsteiner@volksfreund .de