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Ausstellung "Dialog im Dunkeln" soll in Trier dauerhaft weitergehen

Inklusion : Der Dialog soll weitergehen

Blinde führen Sehende durch die Welt der Dunkelheit: Dieses Projekt in der Pauluskirche soll dauerhaft in Trier angesiedelt werden. Allerdings müssen dazu ein neuer Träger und ein neuer Standort gefunden werden.

Eine Ausstellung, in der es nichts zu sehen gibt, entwickelt sich zum Renner. Seit Dezember haben mehr als 3300 Besucher den „Dialog im Dunkeln“ in der Trierer Pauluskirche erlebt. Das Besondere daran: Blinde führen Sehende durch die Welt der Dunkelheit – ein Rollentausch inklusive spannender Erfahrung für die übrigen Sinne derer, die sich darauf einlassen (der TV berichtete).

Die „Entdeckung des Unsichtbaren“, so der Untertitel der Ausstellung, wird in der als Gotteshaus ausrangierten Pauluskirche angeboten – ermöglicht durch das Zusammenspiel höchst unterschiedlicher Institutionen. Veranstalter ist der Hamburger Verein Dialog im Dunkeln, der gemeinsam mit dem Ausstellungsgestalter Dialogue Social Enterprise GmbH das Konzept realisiert hat. Die Trierer Nikolaus-Koch-Stiftung und das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung unterstützen das Social-Franchise-Projekt finanziell; weitere Sponsoren sind die Globus-Stiftung und das Hotel Park Plaza.

Normalerweise würde der Dunkel-Dialog am 31. Juli enden. Doch das will keiner der Beteiligten: „Wir möchten, dass es weitergeht“, betont die Mainzer Sozial- und Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (44) beim Besuch der Ausstellung, die sie als „ganz auf der Linie das Landes“ sieht: „Wir unterstützen Inklusionsbetriebe nach Kräften. Das ist keine Bezuschussung, sondern eine volkswirtschaftlich sinnvolle Investition, denn wir bekommen ganz viel zurück.“

Im Zuge der Ausstellung in Trier sind 20 Arbeitsplätze entstanden: 13 Blinde oder Sehbehinderte, davon fünf in Vollzeitbeschäftigung, fungieren als Guides; weitere sieben Frauen und Männer besorgen das Drumherum wie den Kassen- und Empfangsdienst. Hinzu kommen die Unterstützer von Dialogue Social Enterprise wie Projektmanagerin Estelle Bolin. Die 31-Jährige erwartet einen weiteren Anstieg der Besucherzahlen: „Die Kurve geht nach oben. Uns liegen Vorbuchungen für mehr als 1000 Personen vor.“

Vor allem sind das Schüler. Die Nikolaus-Koch-Stiftung erleichtert die Entscheidung zur Klassenfahrt nach Trier: „Wir übernehmen auf Antrag die Fahrt- und Eintrittskosten zu 80 Prozent“, erläutert Stiftungsvorstand Manfred Bitter (67). Bis 31. Juli läuft die Förderung. Dann sieht die Bildungsstiftung, die den „Dialog im Dunkeln“ zum Leuchtturmprojekt aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens (2018) deklariert hat, ihre Mission als erfüllt an: „Wir wollten Starthilfe geben und sind guter Dinge, dass die Ausstellung fortan auf eigenen Füßen stehen und in Trier bleiben kann.“

Dazu müssten zwei Voraussetzungen erfüllt werden. Zum einen wird ein neuer Standort benötigt – in der Pauluskirche kann die Ausstellungsinstallation mit dem Segen der Kirchengemeinde Liebfrauen (siehe Info) noch bis zum Spätherbst bleiben. Für die Zukunft wird eine 500 Quadratmeter-Fläche (davon 200 Quadratmeter barrierefrei) gesucht . Und zum anderen braucht es einen Träger. Laut Ministerin Bätzing-Lichtenthäler werden bereits Gespräche geführt, um den nach Hamburg (dem Gründungsstandort) und Frankurt dritten dauerhaften „Dialog im Dunkeln“ in Deutschland zu ermöglichen.

Zu den potentiellen Kandidaten zählt nach TV-Informationen die gemeinnützige Bürgerservice GmbH Trier. Auf Anfrage bestätigt Geschäftsführer Gregor Schäfer (61) das Interesse: „Wir  können uns eine Fortführung dieser interessanten Ausstellung durchaus vorstellen, damit dieses innovative Projekt der Sinneswahrnehmung der Stadt und Region Trier erhalten bleibt. Mehr aber noch deshalb, weil wir als Inklusionsunternehmen den dort jetzt beschäftigten beeinträchtigten Menschen eine längerfristige berufliche Perspektive bieten möchten. Voraussetzung ist natürlich, dass die Fortführung auf einem tragfähigen Finanzierungskonzept aufgebaut werden kann.“

Wie es mit dem Dialog in Trier weitergeht, dürfte sich in  den nächsten Wochen zeigen.

 „Ein Gewinn für alle Beteiligten“: Die rheinland-pfälzische Sozial- und Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Mitte, mit Manfred Bitter, Vorstand der Nikolaus-Koch-Stiftung, und Guide Vivian Hösch) besucht die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in der Trierer Pauluskirche.
„Ein Gewinn für alle Beteiligten“: Die rheinland-pfälzische Sozial- und Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Mitte, mit Manfred Bitter, Vorstand der Nikolaus-Koch-Stiftung, und Guide Vivian Hösch) besucht die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in der Trierer Pauluskirche. Foto: Roland Morgen

Infos unter www.dialog-trier.de und www.nikolaus-koch-stiftung.de