Ausstellung: Die Rolle der Gestapo in Luxemburg

Ausstellung: Die Rolle der Gestapo in Luxemburg

Eine Ausstellung zum systematischen Terror der Nazipolizei in Luxemburg kann im Foyer der Stadtbibliothek am Domfreihof besichtigt werden. Als Luxemburger Honorarkonsul begreift Klaus Jensen sie vor allem als Mahnung, sich in der Gegenwart für Frieden und Verständigung einzusetzen.

Trier. "Ich weiß, dass Zahlen individuelles Leid nur schlecht wiedergeben können", sagt Klaus Jensen vor 50 Zuhörern im Vortragssaal der Volkshochschule (VHS) am Domfreihof, als die Ausstellung "Gestapo-Terror in Luxemburg" eröffnet wird.
Die Daten, die der Trierer Alt-Oberbürgermeister und Honorarkonsul Luxemburgs dann doch referiert, lassen aber erahnen, wie stark die Nachbarn unter der deutschen Besetzung gelitten haben: So starben 5700 Luxemburger im Zweiten Weltkrieg - zwei Prozent der damaligen Bevölkerung. 791 Menschen wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern ermordet.
Welche Rolle die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Luxemburgs dabei gespielt hat, die eng mit der Trierer Niederlassung verbunden war, schildert die Ausstellung in der VHS auf 25 Text- und Bildtafeln. Das skrupellose Wirken begann im September 1940, etwa ein halbes Jahr nach dem deutschen Einmarsch.
"Eine Besonderheit ist, dass […] alle Repressionsmaßnahmen innerhalb einer kurzen Zeitspanne parallel durchgesetzt wurden", beschreibt der Katalog zur Ausstellung den Horror, der sich Bahn bricht, als die von den Besatzern betriebene "Germanisierung" und Nazifizierung aller Lebensbereiche auf beharrlichen Widerstand trifft. Als 1942 etwa die Ankündigung der Wehrpflicht mit einem landesweiten Streik beantwortet wird, ermorden die Deutschen 20 Beteiligte und drucken ihre Namen zur Warnung auf Plakate. Weitere 125 Festgenommene weist die Gestapo in Konzentrationslager ein.
25 Text- und Bildtafeln


Weitere Themen der Ausstellung sind besondere Opfergruppen wie Juden und Kommunisten, das System der Spitzel, das besondere Schreckensinstrument des Lagers in Hinzert oder der Umgang mit Tätern und Kollaborateuren nach der Befreiung Luxemburgs.
Die Entstehung der 25 Text- und Bildtafeln ist eng mit dem Forschungsprojekt der Uni Trier zur Trierer Gestapo verbunden, das der Historiker Thomas Grotum 2012 auf Anregung der Trie rer Staatsanwaltschaft begründet hat (der TV berichtete) - aber auch mit der unerschrockenen Tatkraft einer Laien-Historikerin: Im Frühjahr 2012 begann Katrin Raabe in Göttingen ihre persönliche Spurensuche zur Vergangenheit ihres Großonkels Friedrich Schmidt, der als Gestapo-Leiter in Luxemburg an Mord und Folter beteiligt war.
Grotum würdigte in seiner Einführung das große Engagement Raabes, das schließlich zur Gründung einer Forschergruppe führte - die dann wiederum in Zusammenarbeit mit dem luxemburgischen Résistance-Museum die aktuell zu sehende Ausstellung konzipiert hat. Dass die viel mehr bedeutet als nur den aufklärenden Blick in die Vergangenheit, stellt Klaus Jensen fest.
So werde er in jüngster Zeit in Luxemburg immer wieder gefragt: "Was passiert da bei euch in Deutschland?", wo mit "Lügenpresse", "Gutmensch" und "Volksverräter" gleich reihenweise Unworte des Jahres gekürt wurden, die auch die Gestapo regelmäßig genutzt hat.
Doch trotz andauernder Angriffe auf Flüchtlingsheime und weit über 100 Neonazi-Morde seit der Wiedervereinigung gebe es Silberstreifen am Horizont: Demokratische Parteien verzeichneten wieder Zuwächse und jüngste Umfragen sähen auch wieder stärkeren Rückhalt für die europäische Idee, sagte Jensen - und erinnerte daran, dass gerade Luxemburg nach dem Krieg sich für die Völkerverständigung starkgemacht habe.
Extra

Die nächste Veranstaltung zur Ausstellung und den Holocaust-Gedenktag (27. Januar) findet am Donnerstag, 19. Januar, um 19 Uhr in der VHS statt: Katrin Raabe hält dann ihren Vortrag "Der Wahrheit auf der Spur - Mein Großonkel war bei der Gestapo". fgg

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