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Auszubildende aus Tunesien, arbeiten für die Brommenschenkel GmbH Trier

Projekt : Zum Lernen aus Tunesien an die Mosel

Mit Hilfe eines deutschlandweiten Projekts bildet die Brommenschenkel GmbH fünf Tunesier in Küche und Gastronomie aus.

In ein neues Land ziehen, dessen Sprache man erst lernen muss, die Familie verlassen, einen neuen Job beginnen und sich eine eigene Existenz aufbauen. Was für viele Menschen kaum vorstellbar ist, haben fünf junge Menschen aus Tunesien nun gewagt, die nun in Trier einen Beruf erlernen. Sie sind über das deutschlandweite Projekt namens THAMM zu Unternehmer Peter Brommenschenkel gekommen.

Das Programm soll die reguläre Arbeitsmigration- und mobilität zwischen nordafrikanischen Ländern wie Marokko oder Tunesien und Europa unterstützen. Zusammen mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) hat die Brommenschenkel GmbH die fünf Tunesier als Auszubildende in seinen Restaurants eingestellt. Drei der Azubis arbeiten im Restaurant Glocke, zwei im Oechsle. Zwei werden dabei als Restaurantfachfrau/ -mann und drei als Köche/- innen ausgebildet.

Die Azubis sind im Vergleich zu deutschen Azubis vergleichsweise alt: „Während man in Deutschland schon mit ungefähr sechszehn seine Ausbildung startet, sind die Auszubildenden schon zwischen 25 und 27 Jahre alt, haben Abitur und zum Teil sogar schon eine Ausbildung absolviert“, sagt Brommenschenkel.

Das THAMM-Projekt bietet eine Lösung für eine deutschlandweite Herausforderung: Der Bedarf an Festangestellten in der Gastronomie und Küche ist deutlich größer als das Angebot auf dem Arbeitsmarkt. In Nordafrika gilt das Gegenteil. Viele gut ausgebildete junge Menschen finden dort keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten für einen Job auf dem Arbeitsmarkt. Das Projekt versucht  deshalb zwischen beiden Ausgangssituationen zu vermitteln.

Zwischen sieben- und achthundert Tunesier bewarben sich bei der Ausschreibung des Projekts, nur 70 kamen in die engere Auswahl. Auf Grundlage von Profilen, die einen Lebenslauf und Sprachkenntnisse beinhalteten, wurde dann eine Vorauswahl getroffen. Brommenschenkel führte daraufhin via Skype Gespräche mit zehn Bewerbern. Letztendlich wurden fünf ausgewählt. „Dabei waren alle sehr gut“, sagt Brommenschenkel.

Sobald die Verträge unterschrieben waren, ging dann alles ganz schnell. Aus der Ferne wurde ein Visum beantragt, ab Januar lernten die Azubis bereits Deutsch. Obwohl sie erst so kurz Deutsch lernen, sind die fünf Auszubildenden bereits auf dem Sprachniveau B 1- mittlerweile sogar schon auf dem Weg zu B 2. Zum Vergleich: C2 gilt als Muttersprachniveau.

Mitte September wurden die neuen Azubis vom Flughafen abgeholt. Familie Brommenschenkel wurde von einer französischsprachigen Mitarbeiterin begleitet, was allerdings gar nicht notwendig gewesen sei: „Alle sprachen so gut Deutsch, wir konnten uns sogar richtig unterhalten“, sagt Brommenschenkel.

Nach einem Pflicht-Corona-Test verbrachten sie die Zeit bis zum Ergebnis in häuslicher Quarantäne. Aber auch dort gab es bereits viel zu tun. Miriam Peetzen arbeitet seit dem 15. Oktober für die Brommenschenkel GmbH und half den neuen Auszubildenden bei der Beantragung eines Kontos, der Anmeldung bei einer Krankenkasse und beim Ummelden. Auch Kollege Jean-Paul Pohl unterstützt die Azubis.

Mittlerweile ist die Arbeit in Deutschland für die fünf Tunesier schon Alltag geworden. Ichrak Mtiraoui, Houssemeddine Zorgui, Youssef Ben Ghzaiel, Mariem Ghorbel und Rahma Rebhi gefällt alles „sehr gut“ in Trier. Am besten sei die billige Kleidung hier in Deutschland und die verschiedenen Kulturen, die sie bei der Arbeit kennenlernen. „Wir wohnen zusammen in einer Wohnung. Es ist schon jetzt wie eine kleine Familie“, sagt Ichrak Mtiraoui.