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Autoren arbeiten Ende des Zweiten Weltkriegs im Osburger Hochwald und im Ruwertal auf

Autoren arbeiten Ende des Zweiten Weltkriegs im Osburger Hochwald und im Ruwertal auf

Sieben Jahre haben Hermann Bonert (67) und Tobias Blasum (43) für ihr Buch recherchiert. Es behandelt die Besetzung des Osburger Hochwalds und des Ruwertals durch US-Truppen im März 1945. Die Autoren aus Osburg und Berlin haben 200 Zeitzeugen befragt, Tagebücher ausgewertet und sich in US-Militärarchiven schlaugemacht.

Es gibt unzählige Bücher über den Zweiten Weltkrieg. Die meisten haben das große Ganze im Auge wie den Eroberungsfeldzug von Hitlers Armee, die entscheidenden Schlachten, die Landung der Alliierten in der Normandie oder die Kapitulation. Dass Publikationen sich auf wenige Kriegstage in einer eng umgrenzten Umgebung beschränken, dürfte die Ausnahme sein.

Ungewöhnlich ist auch, Aussagen von Zeitzeugen zur besseren Einordnung in einen Zusammenhang zu politischen und militärischen Ereignissen zu stellen. Diese Herangehensweise hatten die Autoren Hermann Bonert und Tobias Blasum für ihr Buch "Gefallene Festungen" zunächst nicht beabsichtigt.Wertvolle Zeitzeugen

"Wir wollten ein Osburger Buch schreiben und als Grundlage Zeitzeugen befragen", berichtet Hermann Bonert. Es habe sich jedoch schnell herausgestellt, dass der historische Kontext für die Leser besser in der Betrachtung mehrerer Dörfer deutlich werde. Daher seien die wichtigen amerikanischen Vorposten Korlingen und Gutweiler einbezogen worden, ebenso das schwer umkämpfte Waldrach, der Panzer-Sammelpunkt Kasel und Orte im Osburger Hochwald. Auch sollte die Pubikation mehr sein als eine Aneinanderreihung von Gesprächsprotokollen.

Zusammen mit bereits veröffentlichten Forschungsergebnissen und Infos aus bislang unveröffentlichtem Archivmaterial sollte ein umfassendes Bild der Märztage 1945 im vorderen Hochwald und im Ruwertal entstehen.
Der Osburger Bonert und sein Mitautor Blasum recherchierten zunächst eigenständig, fanden dann aber durch Zufall heraus, dass sie am gleichen Thema arbeiten. Blasum, dessen Mutter Christel eine geborene Mergens aus Osburg ist, hatte schon seine Verwandten befragt, während Bonert Zeitzeugen aus Osburg interviewte. Mittlerweile arbeiten sie seit sieben Jahren gemeinsam am Buch "Gefallene Festungen", das nun ab dem 9. Dezember erhältlich ist.

Finanzielle Erwägungen - das machen schon die Dauer der Recherche und die wissenschaftliche Herangehensweise offensichtlich - haben für die Autoren keine Rolle gespielt. "Viele waren so dankbar, dass ihnen jemand zuhört und ihre Geschichten aufschreibt", sagt Bonert. Einige hätten nach mehr als siebzig Jahren zum ersten Mal über ihre Kriegserlebnisse gesprochen - über die Luftangriffe, das Kellerleben oder die Waldverstecke.

Damit die Leser das Buch besser einordnen können, haben die Autoren ein Kapitel "Hintergrundinformationen" vorgeschaltet. Die Herangehensweise an das Buch wird ebenso erläutert wie die Quellenlage. Es gibt Infos zu den Zeitzeugen und zu den strukturellen Voraussetzungen, die in den "Festungsdörfern" geherrscht haben. Weitere Kapitel behandeln den Nationalsozialismus in der Region, die militärische Ausgangslage im Frühjahr 1945 und die amerikanischen Streitkräfte.

Ausführlich geht das Buch auf den Volkssturm im Gau Moselland ein, auf den Vormarsch der Amerikaner an der Ruwer, die Kämpfe im Ruwertal und im vorderen Osburger Hochwald, die Schlacht von Waldrach und die Besetzung von Osburg. Die beiden letzten Kapitel befassen sich mit den ersten Kontakten zur Besatzungsmacht, seien es positive (Süßigkeiten für Kinder) oder negative (Übergriffe von Soldaten). Auch Altlasten durch Minen und Munition werden thematisiert.

In ihrem Grußwort bezeichnet Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Buch als wichtige Mahnung für die Zukunft. Viel zu oft würden wir schweigen, wollten uns nicht erinnern oder alte Geschichten nicht erzählen. Dreyer: "Aber wer die Erinnerung verliert, der verliert auch das Ziel aus den Augen, dass sich so etwas nie wiederholen darf."

Gefallene Festungen" ist ab dem 9. Dezember zum Preis von 29,90 Euro in Geschäften im Ruwertal und im vorderen Osburger Hochwald erhältlich. Es sind jene Gemeinden, die auch in dem Buch vorkommen.
Das Buch in Zahlen: 550 Seiten, 400 Abbildungen, 1400 Quellennachweise, 200 befragte Zeitzeugen, sieben Jahre Recherche. Bücherbestellungen sind über die E-Mail-Adresse festungen@kieselkaul.de und bei den Buchautoren Hermann Bonert und Tobias Blasum möglich.