B-51-Sperrung: Umland und Stadt im Clinch

Trier/Welschbillig/Kordel · Das Land ist bereit, den Ausbau der B 51 in Trier-Pallien mit 1,2 Millionen Euro zu fördern (siehe Extra). Unterdessen erwarten Orte an den Ausweichstrecken während der zehnwöchigen Vollsperrung im Sommer eine große Zunahme des Verkehrs. Die Gemeinde Trierweiler möchte einen Feldweg ausbauen, um Fahrzeuge aus dem Ort fernzuhalten.

Trier/Welschbillig/Kordel. Die viel befahrene B 51 soll zwar erst ab Anfang Juni für zehn Wochen voll gesperrt werden (der TV berichtete), doch bereits jetzt läuten die Alarmglocken entlang der Ausweichstrecken. Viele Gemeinden rechnen damit, dass der Verkehr sich nicht nur über die offizielle Umleitung (A 64/B 52/A 602) erstrecken wird, sondern sich auch bei ihnen breitmacht. Aach, Kordel, Igel und Trierweiler sind solche Orte, aber auch die Stadtteile Trier-West und Euren sind betroffen. Dort münden die serpentinenartigen Sträßchen ins Stadtgebiet, die ortskundige Autofahrer heute schon nutzen, um Staus oder Unfälle auf der B 51 zu umfahren.
"Wir werden im Sommer wesentlich mehr Verkehr bekommen", befürchtet Matthias Daleiden. Der Ortsbürgermeister von Trierweiler rechnet damit, dass während der Sperrung viele Kraftfahrer in Neuhaus die "Bitburger" verlassen und über die L 43 nach Trierweiler fahren. Vom Ort aus sind die beiden A-64-Unterführungen zu erreichen - Startpunkte der Schleichwege über den Markusberg und nach Euren. Um Trierweiler vom Verkehr zu entlasten, will die Gemeinde einen etwa 400 Meter langen, von Schlaglöchern übersäten Feldweg entlang der A 64 auf eigene Kosten mit Bitumen ausbauen lassen. Obwohl nur für landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen, duldet die Gemeinde die Durchfahrt.
Dieser Weg verbindet die beiden Straßen, die ins Oberzentrum führen. Erreichbar ist er über die Kreisstraße 10 in Sirzenich. In Trierweiler selbst soll laut Daleiden während der B-51-Sperrung auf der L 43 und der K 1 Tempo 30 eingeführt werden. Auch fordert der Ortsbürgermeister, dass die Stadt Trier ihre Straßen zum Markusberg und nach Euren ausbaut. Es müsse auf jeden Fall sichergestellt sein, dass sich keine Lastwagen auf den engen und kurvigen Straßen festfahren könnten. Dies sei in der Vergangenheit wiederholt passiert.
In Trier ist man von den Plänen der Trierweilerer nicht begeistert: "Offenbar hat der Kollege nur den Vorteil seiner eigenen Gemeinde im Blick", sagt Horst Erasmy, Ortsvorsteher von Trier-West/Pallien. Schließlich würde der ausgebaute Wirtschaftsweg auf Höhe des Cafés Mohrenkopf auf eine enge Kreisstraße führen, die sich dann nicht nur durch den Ortsteil Markusberg schlängelt, sondern auch entlang der Katholischen Akademie und durch die enge Römerstraße. Diese Sträßchen würden ohnehin wohl etliche Autofahrer als Umfahrung der gesperrten Bitburger Straße nutzen. "Den Schleichweg jetzt aber durch einen Ausbau des Wirtschaftswegs noch attraktiver zu machen und so noch mehr Autos auf diese Strecke zu locken ist eine Zumutung gegenüber den Anwohnern", sagt Erasmy.
Eine Idee, wie allzu dichter Verkehr auf dem Schleichweg verhindert werden könnte, hat er allerdings nicht. "Es handelt sich um eine klassifizierte Kreisstraße, die für den Verkehr geöffnet bleiben muss und nicht gesperrt werden darf", sagt auch Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Sie setzt darauf, dass viele Autofahrer aus Vernunft und Rücksicht die offiziellen, größer ausgebauten Umleitungen fahren werden.
Doch mehr Verkehr sei auch für die Anwohner der Ausweichstrecke B 53, die die Ehranger Brücke mit Trier-West verbindet, nicht zu verkraften, sagt Erasmy. Zwar entlastet die Umgehung die Trie rer Ortsteile Ehrang und Biewer, aber in Pallien führt die Alternative zur Bitburger Straße unmittelbar am Wohngebiet entlang. Der Straßenaufbau ist so schlecht, dass bei starkem LKW-Verkehr durch das Gerüttel in den Häusern schon mal der Putz von den Wänden fällt. Deshalb und wegen der starken Lärmbelastung gilt auf der Strecke seit Jahren Tempo 30.
"Das Mindeste, was ich tun werde, ist, bei Polizei und Stadt darauf zu drängen, dass es auf den Ausweichstrecken und Schleichwegen häufig und regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen geben wird", sagt Erasmy. Der Ortsvorsteher rechnet allerdings auch mit dem Widerstand der Anwohner.

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