1. Region
  2. Trier & Trierer Land

B 51: Zweite Bergab-Spur muss noch warten

B 51: Zweite Bergab-Spur muss noch warten

Um den täglichen Stau vor der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Trier zu verkürzen, soll die B 51 (Bitburger Straße) ab der Fachhochschule künftig zweispurig bergab führen. Wegen unvorhergesehener Hürden verschiebt sich der Baubeginn mindestens bis Herbst 2010.

Trier. Seit jeher haben die Stadt Trier und ihre Besucher mit einem Nadelöhr zu kämpfen, das naturgegeben scheint. Ab Trierweiler-Sirzenich schlängelt sich der Verkehr auf der B 51 ins Tal und kommt vor der Ampel bei der Kaiser-Wilhelm-Brücke zum Stillstand. Der Rückstau reicht je nach Tageszeit und Wochentag mitunter den kompletten Berg hinauf bis zur A 64.

Einzig Bus- und Taxifahrer dürfen die zweite Bergab-Spur benutzen und sich in Höhe Fachhochschule (FH) wieder einfädeln. Hinter der engen Rechtskurve teilt sich die Fahrbahn auf dem letzten Teilstück in zwei Bergab-Spuren für alle.

Im Frühjahr 2009 schlug die Stadtverwaltung vor, diese Zweispurigkeit schon ab der FH zu ermöglichen. Dadurch soll der Verkehr an der Ampel geradeaus in Richtung Trier-West/Euren (Kölner Straße) besser abfließen, weil er nicht mehr im Stau der Linksabbieger in Richtung Innenstadt (Kaiser-Wilhelm-Brücke) stecken bleibt. Gegen die Stimmen der Grünen beschloss der Stadtrat Ende März das Projekt für 356 000 Euro einschließlich Sanierung der Napoleonsbrücke, über die die B 51 bei der scharfen Rechtskurve führt (der TV berichtete). Schon für Sommer 2009 war der Baubeginn angepeilt, doch es kam ganz anders. "Da im Umfeld der Napoleonsbrücke viele Bauwerke wie Stützmauern existieren, waren umfangreiche Untersuchungen nötig", erklärt auf TV-Anfrage Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf.

Überraschend stellten die Planer fest, dass der talseitige Gehweg (Blickrichtung bergauf links) abschnittsweise über eine sogenannte Kragplatte führt. Diese Betonplatte ragt wie ein Balkon seitlich einige Meter aus der Fahrbahntrasse hervor.

Das Problem: Wenn der Gehweg dort wie geplant zugunsten einer zusätzlichen Fahrspur entfällt (siehe Extra), müsste die Platte statt Fußgänger künftig Fahrzeugverkehr tragen. Ob sie dafür überhaupt stabil genug ist, wird derzeit untersucht. Anderenfalls müsste der Felsen auf der rechten Seite noch mehr als geplant abgetragen werden.

Fallen die Ergebnisse positiv aus, dann werden sie in den Planentwurf eingearbeitet und die Kosten neu berechnet. Darüber muss der Stadtrat erneut entscheiden.

"Sofern der Beschluss gefasst wird und das Land den Zuschussantrag bewilligt, kann von einem Baubeginn im Herbst 2010 ausgegangen werden", teilt Ralf Frühauf mit.

Das bedeutet: Die Autofahrer stehen erst mal weiter im Stau. Und die Studierenden müssen auf eine bessere Anbindung zur FH warten.

Meinung

Zu schön, um wahr zu sein

Alles klang so einfach: Für nur 356 000 Euro sollte das Nadelöhr Bitburger Straße deutlich geweitet werden. Zwar würden sich die Autos auch weiterhin schon vom Martinskloster an über die Kaiser-Wilhelm-Brücke zurückstauen. Aber wer geradeaus durch Trier-West will, käme schneller voran und bei Bedarf über die Römerbrücke auch in die Innenstadt. Doch leider lässt sich die Idee bei weitem nicht so einfach umsetzen wie gedacht. Offenbar haben die Planer zunächst recht oberflächlich hingeschaut. Als es konkret zur Sache ging, tauchten bis dahin unbekannte Bauwerke und Konstellationen auf. Es lässt sich fast absehen, dass es auch 2010 nichts wird mit dem Baubeginn. Das ganze Projekt ist gefährdet. Felswand an der einen Seite, steiler Abgrund an der anderen: Dazwischen drei Fahrspuren plus Rad- und Gehweg anzulegen wird aufwendig und teuer. Durch eine neue Querungshilfe eventuell mit Ampel drohen zudem sogar neue Staus. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Details zum Bauprojekt: Die zusätzliche Fahrspur braucht Platz. Deshalb entfällt in Blickrichtung bergauf auf der linken Seite ein langes Stück Gehweg. Auf der rechten Seite wird die Felswand auf 30 Metern Länge abgefräst. Im anschließenden Straßenabschnitt bis Höhe FH ist die Fahrbahn schon breit genug, um vier Spuren zu markieren: eine bergauf, zwei bergab und eine Busspur. Künftig soll ein Rad- und Gehweg bergauf rechts entlang der Straße führen. Er mündet in den alten Trampelpfad zur FH, der für Fußgänger und Radfahrer hergerichtet wird. An derselben Stelle können Fußgänger auch über eine neue Querungshilfe auf die linke Straßenseite wechseln und dort auf dem Bürgersteig weiter bergauf gehen, zum Beispiel ins Gillenbachtal. (cus)