Baby in Telefonzelle ausgesetzt: Triererin gesteht Verzweiflungstat

Trier · Das Rätsel um das in einer Trierer Telefonzelle aufgefundene Neugeborene ist gelöst: Eine 20-jährige Triererin hat gestanden, das Mädchen ohne fremde Hilfe zur Welt gebracht und ausgesetzt zu haben – ein Akt der Verzweiflung.

 In dieser Telefonzelle in Trier-Nord wurde das ausgesetzte Neugeborene gefunden.

In dieser Telefonzelle in Trier-Nord wurde das ausgesetzte Neugeborene gefunden.

Foto: Friedemann Vetter

Ein anonymer Hinweis brachte die Ermittler der Kriminalpolizei auf die Spur der seit über einer Woche gesuchten Mutter. Dabei waren die Personalien der jungen Frau der Polizei sogar bekannt: Sie selbst hatte am frühen Montagmorgen vergangener Woche einen Passanten auf das in einer Trier-Norder Telefonzelle abgelegte Neugeborene aufmerksam gemacht.

Der Mann hatte daraufhin Polizei und Rettungsdienst alarmiert, die sich dann um das erst wenige Stunden alte Mädchen kümmerten. Es ist kerngesund und vom Trierer Jugendamt inzwischen bei einer Pflegefamilie untergebracht. Nun steht fest, wer die leibliche Mutter des Kindes ist: eine 20-jährige Triererin, die nach Angaben des Oberstaatsanwalts Ingo Hromada bereits ein kleines Kind hat und alleinerziehend ist.

Kind kam in der Wohnung zur Welt

"Sie lebt von der Hand in den Mund, verdient sich als Tellerwäscherin ein kleines Zubrot", sagt Hromada. Als die Polizei die junge Frau befragte, habe sie sofort ein volles Geständnis abgelegt. "Sie hat das Kind am Sonntagmorgen alleine in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und in der folgenden Nacht dann in der Telefonzelle ausgesetzt", sagt der Staatsanwalt.

Das Motiv: Wegen ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation habe sich die Alleinerziehende ein zweites Kind nicht mehr zugetraut. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt wird die Frau jetzt psychologisch betreut. Über das Schicksal des kleinen Mädchens soll erst später entschieden werden.

Ermittlungsverfahren ist vom Tisch

Möglich, dass es bis auf weiteres in einer Pflegefamilie untergebracht oder zur Adoption freigegeben wird. Das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Kindesaussetzung ist nach Angaben Hromadas vom Tisch. Weil die 20-Jährige sich darum gekümmert habe, dass ihr Neugeborenes auch gefunden wird, muss sie nicht mit einer Bestrafung rechnen.