Bachsche Klassik, umkomponiert

Bachsche Klassik, umkomponiert

TRIER. Hoher Besuch in der St.-Antonius-Kirche Trier: Professor Clemens Ganz, früherer Domorganist in Köln, gab ein Orgelkonzert und bot den Zuhörern Stücke mit oft außergewöhnlichen Interpretationen.

Zehn Jahre steht sie, die Tzschökelorgel in der katholischen Pfarrkirche St. Antonius am Viehmarkt. Ebenso seit zehn Jahren gibt es immer in der Winterzeit eine ganze Reihe von Konzerten, in denen die insgesamt 38 Register der Orgel teils sanft und lieblich, teils auch lauter und mächtiger ihre Stimme erheben. Kein Zweifel, dass das Instrument dieses Gotteshauses für die ohnehin schon reiche Orgellandschaft in Trier eine Bereicherung ist.Von Schroeder bis Pachelbel

Tradition ist das Konzert, das in jedem Jahr zum Patronatsfest der Pfarrei stattfindet. In diesem Jahr hatte Kirchenmusiker Christian Braun einen Kollegen als Solisten eingeladen, der lange Jahre einen der bedeutendsten Organistenposten in der Bundesrepublik innehatte. Es war der ehemalige Domorganist von Köln, Professor Clemens Ganz. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 spielte Ganz 16 Jahre lang die Orgel der deutschen Metropolitankirche und erwarb sich dabei als Musiker sowie Lehrer einen internationalen Ruf. Das Programm, mit dem der gebürtige Saarländer vom Rhein an die Mosel gekommen war, bot auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Es war Standardliteratur, die einen weiten Bogen vom 17. Jahrhundert bis zum ehemaligen Trierer Domorganisten Hermann Schroeder spannte. Seine Spielweise aber war es, die dem Abend seinen eigenen Reiz verlieh. An den Anfang hatte Ganz die Ciacona von Johann Pachelbel gesetzt. Sie gehört zu den bekanntesten Orgelkompositionen des Meisters und bietet dem Interpreten die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Klangfarben einer Orgel zu präsentieren. Ganz machte davon ausführlich Gebrauch. Es folgte die Passacaglia in C-Moll von Johann Sebastian Bach. Häufige Registerwechsel machen das Werk mit dem immer gleichbleibenden Bass lebendig. Diese Wechsel befolgte Ganz jedoch nicht, sondern betonte Bachs Stück durch selbst hineinkomponierte Akzente, was ihm durchaus glückte. Nach einer sehr ausdrucksstark dargestellten Orgelsonate Nummer sechs von Felix Mendelssohn Bartholdy, der so genannten Vater unser Sonate hatte Ganz den Choral Nummer zwei in H-Moll von César Franck auf seinem Programm. Dort führte er, wenngleich technisch gesehen tadellos gespielt, das Instrument an seine klanglichen Grenzen. Die Orgel ist für die französische Musik dieser Epoche nur bedingt geeignet, da die grundtönige, von kräftigen Zungenregistern geprägte Basis nicht genügend ausgeprägt ist.Zum Dank "In paradisum"

Nach Schroeders Marianischer Antiphon "Ave, Regina coelorum" beendete Ganz den Abend mit einem orgelmusikalischen Schmankerl. Die "Variations on America" von Charles Ives gehören nicht zu den bedeutendsten Werken des Komponisten, sind aber für die Erheiterung des Publikums hervorragend geeignet. Dies kann jedoch nur dann gelingen, wenn sie mit der Leichtigkeit, wie Ganz sie interpretierte, vorgetragen werden. Für den langen und herzlichen Applaus bedankte sich Ganz mit dem "In paradisum" von Theodor Dubois.

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