Bäcker, die keine mehr sind

Sie sind Kaufleute, Beamte oder Bauingenieure. An den eigentlichen Gründungsgrund erinnert nur noch ihr Name. 14 Trierer halten als Bäckerquartett Trier-Saarburg die Tradition der eigenen Vereins-Vergangenheit und des berufsständischen Chorwesens lebendig.

Trier. (cofi) Vorbei die Jahre, als die Bäckerbälle auf dem Petrisberg Anziehungspunkt für Jung und Alt waren, vorbei die rege Gemeinschaft eines Handwerkszweiges, dessen Mitglieder sich auch außerhalb von Arbeit, Ausschuss- und Kammer-Engagement zu einem Teil gemeinsamen Tuns trafen. Fast. Denn es gibt sie noch, die wackeren, traditionsbewussten Herren, die zwar keinen Mehlstaub mehr atmen, aber mit vollen Kehlen im Namen der Bäcker-Innung singen.Die Geschichte des Bäckerquartetts Trier-Saarburg geht auf das Jahr 1922 zurück. Damals gründete der Trier-Süder Bäckermeister Stefan Sudbrack mit zwölf weiteren befreundeten Bäckern den Chor. 1949 erlebte die Gruppe ihre Hochzeit, 82 Bäcker tauschten Backrezepte mit Notenblättern und widmeten sich der gemeinsamen musikalischen Freizeitbeschäftigung. Doch bereits ein paar Jahrzehnte später sangen in dem Chor nur noch sechs Sänger. Das mag ein Grund gewesen sein, dass die Aufnahmeregeln für das Bäckerquartett gelockert wurden. Fortan durften dort nicht nur Bäcker und Konditoren ihre Stimmen bilden. "Heute darf jeder Mitglied werden, der Brot isst", sagt der Vorsitzende Heinz Haag. "Aber wer eintritt, muss wenigstens singen können", fügt Bäckerquartett-Bass Horst Schmidt hinzu. Neuzugänge konnten die 14 Mitglieder allerdings lange nicht verzeichnen. Deren Durchschnittsalter liegt bei 68 Jahren. Ältester Sänger ist Matthias Schuh mit 82 Jahren. "1947 bin ich aufgenommen worden", sagt Schuh. "Wir haben aber großes Durchhaltevermögen. Weil wir gerne singen, machen wir weiter", sagt Haag. Innungsfeste, Jubiläen, Geburtstage und Lossprechungsfeiern stehen auf ihrem Programm. Etwa zehn Auftritte absolvieren sie so im Jahr. 1996 stieg Stefan May, Lehrer am Hindenburg-Gymnasium, als Chorleiter in die Quartett-Arbeit ein und studiert mit dem Chor in den wöchentlichen Proben Stücke von Schubert bis zu den Comedian Harmonists ein.Mit den Bäckerchören des Rheinlands ist das Trierer Quartett freundschaftlich verbunden und trifft sich mit ihnen jedes Jahr zu einem Freundschaftssingen. Und dabei zählt nicht der Wettbewerb, sondern die Geselligkeit - auch ein Grund für die Mitgliedschaft beim Bäckerquartett. Extra Gastgeber: Das Bäckerquartett der Bäckerinnung Trier-Saarburg ist am Sonntag Gastgeber für fünf weitere Bäckerchöre aus Köln, Essen, Düsseldorf, Moers und Duisburg. Anlass sind die Verbandstage der Rheinischen Bäckerinnungen. In der Aula des Angela-Merici-Gymnasiums treten die Chöre um 11 Uhr zum Freundschaftssingen an. Jeder Verein steuert drei Stücke bei, alle sechs singen ein Lied gemeinsam. Der Männerchor Kölner Bäcker gestaltet zuvor um 9.30 Uhr das Festhochamt in St. Gangolf mit, der Patronatskirche der Trierer Bäcker.

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