Bahn berät Reisende per Video

Bahn berät Reisende per Video

In Schweich und Saarburg tut sich was - für Reisende: Die Bahn will dort in den Bahnhöfen ein Video-Reisezentrum einrichten.

Schweich. Seit einem Jahr testet die Bahn sogenannte Video-Reisezentren. Fahrgäste können dort über Bildschirm, Mikrofon und Lautsprecher mit einem Bahnmitarbeiter in Kontakt treten, sich von ihm beraten und ein Ticket ausdrucken lassen. Die Tests an mehreren Bahnhöfen in Baden-Württemberg seien von Reisenden positiv aufgenommen worden, sagt die Bahn. Nun will sie auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland Video-Reisezentren einrichten. Vorreiter sind Schweich, Saarburg, Mettlach und St. Ingbert.
Schweichs Stadtbürgermeister Otmar Rößler freut sich über die Neuerung. Damit würden Schweich und der Bahnhof weiter aufgewertet. Die Stadt ist Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes, die Bahn ist Mieter. Bereits vor einigen Jahren ist der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet worden, es wurden Parkplätze und ein Kreisverkehr angelegt.
Im nächsten Schritt soll ein Ringverkehr von der Ortsentlastungsstraße zum Bahnhof eingerichtet werden (der TV berichtete). Dazu benötigt die Stadt aber noch einen Streifen Land, der in Privatbesitz ist. Später sollen Busse, die derzeit noch in der Bahnhofstraße halten, bis zum Bahnhof vorfahren können.
Am Schweicher Bahnhof gibt es schon seit Jahren keine Beratung mehr am Schalter. Fahrkarten müssen am Automaten gezogen werden. Nun soll also die Videoberatung kommen. Voraussichtlich im Mai seien in Schweich die Umbauarbeiten dafür abgeschlossen, sagt eine Bahnsprecherin. Die Kabinen seien auch für Rollstuhlfahrer geeignet.
Und so funktioniert\'s: Der Fahrgast betätigt eine Ruftaste und nimmt so Kontakt mit der Zentrale des Video-Reisezentrums in Saarbrücken auf. Der Reiseberater schaltet sich auf den Bildschirm im Schweicher Bahnhof. Berater und Kunde sind über eine Webkamera und eine Sprachschaltung miteinander verbunden. Auf einem zweiten Bildschirm kann der Kunde die Arbeitsschritte des Reiseberaters, wie die Suche nach einer passenden Verbindung oder einem günstigen Fahrpreis, verfolgen. Der integrierte Fahrkartenautomat druckt Tickets, Reservierungen, Informationen zu Bahn- und Verbundangeboten oder Bahn-Cards aus. Der Kunde zahlt in bar oder mit Kredit- oder EC-Karte.
Nicht nur die Kunden in den Testregionen sind mit der neuen Leistung zufrieden. Auch die Bahnkunden-Organisation "Pro Bahn" äußert sich positiv: "Das zeigt, dass die Bahn nicht nur auf den Verkauf im Internet und an Automaten setzt, sondern auch das Beratungsgespräch wieder ermöglicht." Die geplanten Öffnungszeiten des Video-Reisezentrums sind: montags bis freitags von 7.30 bis 17.30 Uhr und samstags von 7.30 bis 12.30 Uhr. alfMeinung

Menschlicher Zug der Bahn
Einen Schritt zurück zu gehen, kann ja manchmal ein Fortschritt sein. So ist das auch bei den neuen Video-Reisezentren der Bahn. Der Kundenberater sitzt zwar nicht mehr leibhaftig vor einem, so wie das früher selbst in kleineren Bahnhöfen der Fall war. Aber man kann ihn wenigstens am Bildschirm sehen und mit ihm sprechen. Zwar ist immer noch ein Automat im Einsatz, aber wenigstens einer mit menschlichen Zügen und kein seelenloser Fahrkartenkasten, der wegen seiner komplizierten Bedienung vielen Reisenden immer noch suspekt ist. Mit den Service-Zentren via Bildschirm könnte es der Bahn gelingen, ihr angeknackstes Image aufzupolieren. Allerdings müssten sie dazu flächendeckend eingesetzt werden - und das geht nur bei entsprechendem Personaleinsatz. a.follmann@volksfreund.de