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Bahn meldet Reparatur der defekten Schranke in Trier-Euren – Ex-Eisenbahnunternehmer kritisiert Konzern hart

Bahn meldet Reparatur der defekten Schranke in Trier-Euren – Ex-Eisenbahnunternehmer kritisiert Konzern hart

An der Schrankenanlage in Euren droht keine Gefahr mehr, sagt eine Sprecherin der Bahn. „Das Problem wurde behoben.“ Parallel meldet sich ein ehemaliger Eisenbahnunternehmer und Lokführer aus der Region und spricht offen über Nervosität im Cockpit.


Wenn ein Zug sich einem Bahnübergang nähert, schließt sich die Schranke - dieses selbstverständlich scheinende Prinzip war in der Eurener Eisenbahnstraße offenbar monatelang außer Kraft gesetzt. Ein Anwohner filmte vergangene Woche, wie ein Güterzug bei offener Schranke durchfuhr (der TV berichtete). Bereits im April war ein Transporter beinahe mit einem Zug zusammengestoßen, weil die Schranke offen war.

Diese Störung sei erkannt und behoben worden, erklärt Bahn-Sprecherin Ursula Eickhoff am Montag auf Anfrage des TV. "Die Anlage funktioniert wieder einwandfrei." Der Defekt habe in der Meldeanlage gesessen, die der Schranke den nahenden Zug ankündigt.

Monatelang bestand ständig die Gefahr, dass sich am Übergang Euren die Schranke nicht schließt, wenn ein Güterzug kommt. Das hat die Bahn selbst eingeräumt. Die Lokführer seien deshalb instruiert worden, "auf Sicht" zu fahren, hatte ein Sprecher des Konzerns erklärt. Doch kann der Lokführer eines Güterzuges tatsächlich noch rechtzeitig bremsen und den Zug zum Stillstand bringen, wenn er Autos oder Menschen auf dem Bahnübergang sieht? Nein, sagt ein Experte aus der Region.

Bernd Heinrichsmeyer saß schon zahllose Male im Führerhaus einer Lok und fuhr über die Gleise der Region. Er war Geschäftsführer der Hochwaldbahn-Gesellschaft (HWB), die bis zur Insolvenz 2012 im Güter- und Personenverkehr aktiv war. Außerdem war er Vorsitzender und Betriebsleiter des Hunsrückbahnvereins. Der Verein hatte 2003 die Strecke Hermeskeil-Türkismühle von der Deutschen Bahn (DB) Netz AG gepachtet. Er war das verantwortliche Infrastrukturunternehmen für diese Linie, auf der bis Sommer 2012 Güterzüge und Schienenbusse für Ausflugsfahrten rollten. Als dann aber die Betriebsgenehmigung auslief, wurde sie vom Land nicht mehr verlängert.

"Es stimmt vermutlich, dass die Lokführer das Problem in Euren kennen und im Sinne des Selbsterhalts auch vorsichtig sind", sagt Heinrichsmeyer. Der Übergang in Euren sei besonders problematisch. "Als Lokführer sieht man früh den noch kreuzenden Autoverkehr und starrt gebannt darauf, dass sich endlich die Schrankenbäume senken, die Hand am Bremsventil und die Leistung der Lok bereits abgeschaltet." Er selbst sei oft über diese Strecke gefahren.

Das alles würde wahrscheinlich nichts nutzen, sagt der erfahrene Eisenbahner. "Selbst wenn der Lokführer von sich aus auf 60 Stundenkilometer herunter geht, kann er wegen des langen Bremsweges einen schweren Güterzug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen. Fährt er zu langsam, hält er den Zugverkehr auf und bekommt deswegen Ärger."

Das Sicherheitsproblem in Euren hätte niemals so lange bestehen dürfen, erklärt Heinrichsmeyer. "Die DB Netz AG betreibt die Bahnstrecken. Sie ist laut allgemeinem Eisenbahngesetz (AEG) verpflichtet, den Eisenbahnbetrieb sicher zu führen." Wenn sich eine Schrankenanlage gar nicht schließt, obwohl sich ein Zug annähert, dann sei der Betrieb der Eisenbahn nicht mehr sicher, sagt er. "Das Eisenbahninfrastrukturunternehmen muss jedenfalls sofort Abhilfe schaffen." Ein Sicherungsposten, der das Schließen der Anlage überwacht, wäre in Euren Pflicht gewesen.

Die Anweisung, "auf Sicht zu fahren", sei eine unzulässige Verlagerung der Sicherheitspflicht auf die Lokführer gewesen. "Die DB Netz ist für die Sicherheit verantwortlich, sonst niemand. Sie muss einfach nur ihren Betrieb sicher führen, und schon sind die Probleme gelöst."