BAHN

Zum Bericht "Überraschende Wende im Toilettenprozess - Landgericht sieht ,Probleme mit Schmerzensgeld’ im Rechtsstreit einer Kundin mit der Deutschen Bahn AG" (TV vom 30. Januar):

Hätte denn der Zug gewartet, wenn die Frau ein stilles Örtchen gefunden hätte (denn es hieß ja: "Alle Bahnhöfe sind zu")? Die Bahn sollte schon wissen, wenn die Toiletten nicht funktionieren, welche Kneipe im jeweiligen Haltepunkt neben dem jeweiligen Bahnhof wann geöffnet ist, damit dem anstehenden Malheur begegnet werden kann. Abstrus? Stimmt. Ich hätte da kein Problem, wenn die Toilette im Zug geschlossen wäre. Ich würde vor die Toilettentür meine Notdurft verrichten. Landgerichtspräsident Thomas Henrichs sollte bitte einmal realistisch und nicht weltfremd denken. Was würde er machen, wenn ihm genau das passieren würde? Bernd Lehmann, Trier Der Königlich Preußische Staats Anzeiger veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 5. Juni 1879, dass der Schnellzug 2 von Paris über Metz-Saarbrücken-Idar-Oberstein-Mainz nach Frankfurt/Main ab sofort einen Personenwagen mit Closet-Einrichtung mit sich führt. Es war schon eine Sensation für die damalige Zeit. Erstmals mussten die Reisenden nicht mehr auf Unterwegsbahnhöfen aussteigen, um ihre Geschäfte zu erledigen. Der Trierische Volksfreund übernimmt am 9. November 1896 eine Meldung der Rheinischen Blätter: Wie gerüchteweise verlautet, sollen Klosets der Eisenbahn-Wagenabtheile als Automaten eingerichtet werden und künftighin deren Benutzung nur gegen Entrichtung eines Nickels ermöglicht werden. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so würde der Bahnverwaltung eine sichere Einnahmequelle hieraus erwachsen, doch dürfte sich die neue Steuer nicht des Beifalls des reisenden Publikums erfreuen. - Diese hoffentlich bestätigende Nachricht erinnert an jenen römischen Kaiser, der bezüglich der Einnahmen aus der hohen Cloakensteuer sagte: "Non olet" (das Geld aus dieser Quelle "riecht nicht"). Der Anschlusszug von Metz nach Coblenz über Trier (rechtes Moselufer) führte übrigens kein Closet mit. Im gleichen Jahr gab es erstmals einen Courierzug von Berlin nach Trier - auch ohne Toilette. Helmut Schiffhauer, Konz Der Etat für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Bahn muss riesig sein - schon allein, um die Image-Schäden auszubügeln, die durch die Verweigerung eines Schmerzenssalärs in Peanutshöhe entstanden sind. Vielleicht hat die Klägerin ungewollt einen weiteren geplant ruhigen Rückzug der DB aus der Fläche ans Tageslicht gezerrt. Können wir doch unschwer beobachten, wie sie sich auf lukrative Hauptstrecken konzentriert und dort zig Millionen verpulvert, um Fahrtzeiten zwischen zwei großen Städten um wenige Minuten zu reduzieren, und wie sie mit kostenfreiem WLAN wirbt. Und sie will ernsthaft auf Toiletten verzichten. Hat irgendjemand in der Strategietruppe mal über das Wort Notdurft nachgedacht? Was wäre wohl im Fall der Fälle wichtiger - eine Toilette oder der Zugang ins Internet? An welcher Haltestelle, so fragt man sich bei den Äußerungen des Richters im aktuellen Fall, sollte jemand denn aussteigen in der Gewissheit, eine offene und funktionsfähige Toilette zu finden - auf der Strecke zwischen Köln und Trier, Koblenz und Trier, Saarbücken und Trier - alles Regionalstrecken. Versuchen Sie mal gegen 22 Uhr an einem ganz normalen Werktag in einer Landeshauptstadt (180 000 Einwohner), im Hauptbahnhof eine zugängliche Toilette zu finden. Oder vielleicht eine Bahnhofskneipe. Züge haben Verspätung, das wird trotz verbesserter Technik, die leider nicht immer zuverlässiger oder noch nicht ausgereift ist, immer passieren. Aber dass es keinen Ort außer dem zugigen Bahnsteig gibt, den man zum Beispiel bei minus 5 Grad aufsuchen kann, das wäre vermeidbar oder wieder rückgängig zu machen. Ein paar Vorschläge: 1. Beim Kauf einer Fahrkarte erhält man auf Wunsch eine Windel kostenfrei. 2. Regionalzüge halten an ausgewählten Orten auf der Strecke für fünf Minuten zum allgemeinen Austreten. 3. Regionalzügen wird eine kostengünstige Freisitz-Vorrichtung angehängt, die Passagiere auf eigene Gefahr nutzen dürfen, wenn's pressiert. Unterstützen wir die Bahn bei der Lösungssuche. Claudia Winter, Trier Ich habe volles Verständnis für die Klägerin, dass sie nicht persönlich in die Öffentlichkeit tritt, und möchte sie darin bestärken, dass sie nicht aufgibt. Ich hatte 2009/2010 einen ähnlichen Streit mit der Bahn, als ich in einem verschmutzten Waggon ausgerutscht bin und mich erheblich verletzt habe. Während des Verfahrens durfte ich mir drei Mal sagen lassen, dass ich wohl zu dämlich sei, eine Eisenbahn zu besteigen. Ich habe mich seinerzeit auf einen windigen Vergleich eingelassen. Nicht lange darauf wurde der Bahn dann aber in einem anderen Verfahren in die Bücher geschrieben, dass sie doch eine Verkehrssicherungspflicht habe, auch wenn ihre Einrichtungen täglich von Zigtausenden benutzt und beschmutzt würden. Ich finde den Streit um funktionstüchtige Toiletten wegen der Position der Bahn-Verantwortlichen und des Richters nur schändlich. Der Gang zur Toilette gehört zum Leben dazu wie Essen und Schlafen: Ohne geht es nicht. Und das lässt sich - unabhängig von körperlichen Gebrechen - nicht immer steuern. Aus gutem Grund haben wir in unseren Wohnungen, an unseren Arbeitsplätzen, in Reisebussen, Krankenhäusern und Gaststätten Toiletten. Wir sammeln Spenden, um in Dritte-Welt-Ländern Toiletten bauen zu können, um die Würde der Menschen und die hygienischen Verhältnisse zu verbessern. Und die Bahn und der Richter halten es für überflüssig, in einem Zug, der fast zwei Stunden (zwischen Koblenz und Trier) unterwegs ist, eine einzige Toilette bereitzuhalten? Und sie halten es für zumutbar, bei einem Halt die Bahn zu verlassen, um dann mit dem nächsten Zug eine Stunde später weiterzureisen (was nur bis zum Zeitraum zwischen 22.18 und 0.12 Uhr möglich ist; danach kommt bis zum nächsten Morgen kein Zug mehr). Unser "Hauptbahnhof" in Wittlich(-Wengerohr) hat keine Toilette (ich erinnere an die Debatte mit der Bahn um diesen Umstand). Nach 23 Uhr bleiben da nur die Büsche (Wildpinkeln kostet 50 bis 75 Euro). Gastronomie? Zeitweise vorhanden. Ich wünsche mir, das die Redakteure des TV die Fahrt nachvollziehen und darüber berichten (Gilt es eigentlich auch als Wildpinkeln, wenn man auf der Straße in die Hose macht?). Ich wünsche der Klägerin, dass sie durchhält und gewinnt. Werner Marx-Zepp, WittlichExtra

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