Bald geht’s in Schweich mit dem Aufzug zum Zug

Verkehr : Bald geht’s in Schweich mit dem Aufzug zum Zug

Der barrierefreie Ausbau des Schweicher Bahnhofs soll noch 2018 über die Bühne gehen.  Die Stadt kommt mit 100.000 Euro sehr günstig davon.

 Markus Lauerburg aus Mehring fährt üblicherweise mit dem Auto zur Arbeit. An diesem Morgen nimmt er den Zug, denn er hat dienstlich in Berlin zu tun. Seine Reise quer durch die Republik beginnt auf dem Schweicher Bahnhof. Der soll noch in diesem Jahr barrierefrei ausgebaut werden. Eine Maßnahme, die Lauerburg außerordentlich begrüßt: „Ein Aufzug ist nicht nur für Behinderte eine große Erleichterung, auch Reisende mit schwerem Gepäck haben es dann viel einfacher.”

Bereits im Juni sollen die Baumaschinen anrücken. Den Ausbau möglich macht das „Zukunftsinvestitionsprogramm Herstellung der Barrierefreiheit kleiner Schienenverkehrsstationen” (Zip) der Bahn. Zwischen 2016 und 2020 werden bundesweit etwa 130 Bahnhöfe ausgebaut, die weniger als 1000 Reisende pro Tag haben. Die Kosten von rund 160 Millionen Euro teilen sich Bund und Länder. In der Region Trier sind die Bahnhöfe Schweich und Trier-Pfalzel in dem Zip-Programm berücksichtigt.

Kürzlich hat der Stadtrat Schweich dem Vertrag mit der DB Station & Service AG zugestimmt. Vertragsgegenstand sind: der Neubau des vorne am Bahnhofsgebäude liegenden  Bahnsteigs inklusive Wetterschutz, Treppenüberdachung, Fahrgastinformation und Beleuchtung, die Verlängerung des Mittelbahnsteigs, die Ertüchtigung der Personenunterführung und der Rückbau nicht mehr benötigter Bahnsteige. Nach heutigem Planungsstand sollen die Arbeiten etwa 1,22 Millionen Euro kosten.

Die nicht im Zip-Vertrag enthaltenen beiden Aufzüge, mit denen man künftig den Mittelbahnsteig erreichen kann, schlagen  mit 1,44 Millionen zu Buche. Der Kostenanteil der Stadt Schweich beträgt insgesamt 315 000 Euro. Weil sich die Verbandsgemeinde Schweich bereit erklärt hat, für die Ertüchtigung des Verknüpfungsbahnhofs Schweich zwei Drittel des kommunalen Anteils zu übernehmen, muss die Moselstadt nur etwas mehr als 100 000 Euro beisteuern. „So günstig kommen wir nie wieder an einen neuen Bahnhof”, so Stadtbürgermeister Lars Rieger. Die Stadt plant im Umfeld auch den Bau einer Straße (siehe Info).

Zunächst sollte der Anteil von Stadt und VG Schweich lediglich 240 000 Euro betragen. Dieser Betrag erhöhte sich jedoch wegen des Abrisses der Bahnsteige um 75 000 Euro. Allerdings hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) auch für diese Summe eine Förderung in Aussicht gestellt.

Ursprünglich wollte die Bahn nur Stationen ausbauen, an denen mindestens 1000 Menschen täglich verkehren. Schweich weist nach einer Zählung (aus dem Jahr 2015) 750 Ein- und Aussteigende bei 38 Zugstopps im Regionalverkehr auf. Dass das 8000-Einwohner-Städtchen dennoch berücksichtigt wurde, liegt daran, dass die Bahn einen erhöhten Bedarf an Barrierefreiheit durch Seniorenheime und andere soziale Einrichtungen erkannte. Dass Schweich als Pflege- und Schulstadt eine Sonderstellung einnehme, darauf hatte insbesondere die Schweicher Bundestagsabgeordnete und neue Justizministerin Katarina Barley (SPD) hingewiesen.

Meinung

Wichtiger Meilenstein für die Stadt Schweich

Der bevorstehende barrierefreie Ausbau des Bahnhofs und seines Umfelds ist ein bedeutender Meilenstein für die Stadt Schweich. Und in Anbetracht der furiosen Entwicklung, die der Ort in den vergangenen Jahren genommen hat, sind die Investitionen der Bahn und der Kommune absolut notwendig und berechtigt.

Mittlerweile besuchen 2700 Schüler Schweicher Schulen, das ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl von 8000 ein Spitzenwert in Rheinland-Pfalz. Hinzu kommen drei Kindergärten, zwei Altenheime sowie Fördereinrichtungen der Lebenshilfe und des Schönfelderhofs. Gut, dass die Bahn über ihren Schatten gesprungen ist und den Bedarf an Barrierefreiheit nicht ausschließlich an der Zahl der Reisenden festgemacht hat.

Treppenstufen ade: Bald geht es mit dem Aufzug zum Mittelbahnsteig. Foto: Albert Follmann
Auch dieser Bahnsteig am Gleis 1 wird behindertengerecht ausgebaut. Foto: Albert Follmann

a.follmann@volksfreund.de