Bald nur noch Tempo 30 in der City?

Bald nur noch Tempo 30 in der City?

Tempo 30 innerhalb des Alleenrings: Das ist ein grundsätzliches Ziel der Trierer Verkehrspolitik. Auf die zügige Umsetzung drängen nun die Grünen. Losgehen soll’s in der östlichen City. In der Weberbach könnte ein Brunnen für mehr Aufenthaltsqualität und weniger Autodominanz sorgen - mitten auf der Straße.

Trier. Grundsätzlich gilt im Trie r er Stadtgebiet - wie innerorts üblich - Tempo 50. Was nicht heißt, dass allerorts, wo keine rigidere Begrenzung ausgewiesen ist - zum Beispiel in Spielstraßen - tatsächlich so schnell gefahren werden kann. In den kleinen Gassen der City - Eulenpfütz, Dominikanerstraße, Deworastraße - sei das laut Thomas Albrecht etwa kaum möglich: "Eng, zugeparkt, Kopfsteinpflaster - da kann man eh nur Zehn fahren", sagt der CDU-Vize im Stadtrat. "Deswegen können wir meinerwegen dort auch ruhig Tempo-30-Schilder aufstellen, das würde keinem wehtun." An anderen Stellen müsste man allerdings genauer hinschauen, welche Voraussetzungen und Auswirkungen für zusätzliche Geschwindigkeitsbeschränkungen relevant seien.Grüne wollen großes Ganzes


Ole Seidel, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, hat eine andere Perspektive auf die Sache: "Wir wollen gar nicht überall Schilder aufstellen, sondern werben für eine grundsätzlich andere Einstellung: In der gesamten City soll Tempo 30 gelten, um den Verkehr für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen und für mehr Aufenthaltsqualität insgesamt." Bis auf Ausnahmen müssten dafür nur an den Zufahrtsstraßen ins Innere des Alleenrings 30er-Schilder installiert werden.
Nun hat der Stadtrat ohnehin bereits mit dem im Februar 2012 einstimmig verabschiedeten Mobilitätskonzept (Moko) festgelegt, dass innerhalb des Alleenrings abzüglich Hauptverkehrsstraßen wie der Hindenburgstraße Tempo 30 eingerichtet werden soll. Für Rainer Lehnart, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, ist der aktuelle Antrag der Grünen daher unnötig.
"Wir haben die Sache längst beschlossen - dass die Grünen das jetzt erneut auf den Tisch bringen, ist unnötig." Statt wieder ein Konzept zur Diskussion vorzulegen, müsse es vielmehr darum gehen, das Moko zügig umzusetzen, fordert Lehnart. Dem stimmt Ole Seidel von den Grünen zu: "Genau das wollen wir ja mit unserem konkreten Antrag erreichen: Das große, umfangreiche Moko soll endlich Realität werden - angefangen in der östlichen City, und dort möglichst bis Ende des Jahres." Schließlich lägen alleine in der östlichen City drei Kindergärten, eine Grundschule, drei Gymnasien, die Touristen-Anziehungspunkte Kaiserthermen und Basilika, die Stadtbibliothek und die Tufa.Weberbach ist Ausnahme


In seiner Sitzung am Mittwoch, 21. September, will der Bauausschuss in öffentlicher Sitzung das Konzept der Grünen diskutieren. "Grundsätzlich hege ich für den Vorschlag große Sympathien", sagt Bau- und Verkehrsdezernent Andreas Ludwig. "Fachlich geklärt werden muss allerdings, wie die Sache im Detail umgesetzt werden kann", sagt der CDU-Mann. Zum Beispiel könne die Weberbach gar nicht ohne weiteres in eine allumfassende Tempo-30-Zone aufgenommen werden. "Das schließt das Verkehrsrecht aus, unter anderem, weil dort Stadtbuslinien verlaufen", erklärt Ludwig. Lediglich abschnittsweise, gekennzeichnet durch zusätzliche Tempo-30-Schilder, könnte in der Weberbach die zulässige Geschwindigkeit gesenkt werden. Im Konzept der Grünen ist diese Ausnahme bereits berücksichtigt.
Dass weitere verkehrsrechtlichen Fragen noch geklärt werden müssen, räumt Ole Seidel ein. "Uns geht es aber um das große Ganze: Die Weberbach schneidet zum Beispiel die Fußgängerzone vom Touristen-Anziehungspunkt Basilika ab. Wir können uns gut vorstellen, dass der Kreuzungsbereich am Konstantinplatz dazu wird, was man als Shared Space bezeichnet - zu einem Bereich also, den Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Busse und alle anderen gleichberechtigt nutzen."
Für eine entsprechende zusätzliche Verkehrsberuhigung und dafür, dass die Zu-Fuß-Route vom Kornmarkt zur Basilika nicht nur für Touristen attraktiver wird, könnte zum Beispiel eine Art Wasserfontäne mitten auf der Kreuzung Weberbach/Mustorstraße/Konstantinstraße sorgen.
"Da gibt es unglaublich tolle, moderne Möglichkeiten, die diesen Knotenpunkt definitiv für alle schöner machen würden!", schwärmt Seidel.Meinung

Uns' noch schöner Trier
Was? Ein Brunnen mitten auf der Weberbach? Wo doch da so viele Autos fahren? Eben genau deswegen! Denn Autos haben dort - und auch in der Konstantinstraße - nur was zu suchen, wenn ihre Fahrer im direkten Umfeld tatsächlich etwas erledigen wollen. Ein großer Teil der täglich Tausenden lauten und stinkenden Gefährte nutzt die Weberbach allerdings als vermeintliche Abkürzung: Wenn man an den Kaiserthermen schon sehen kann, dass es sich im unteren Teil der Kaiserstraße mal wieder staut - schwupp! - ab in die Weberbach, um so auf der Ostroute sein Glück zu versuchen. Und die Fußgänger, Radfahrer, Senioren mit Rollatoren, Eltern mit Kinderwagen und Touristen müssen sehen, wie sie rüberkommen über die unübersichtliche und breite Kreuzung direkt vorm Weltkulturerbe Konstantin Basilika. Wie schön wäre es, wenn der Kreuzungsverkehr sich entspannen würde! Immer noch Autos, aber im Schritttempo. Immer noch Fußgänger, aber nicht mehr beschränkt auf zwei Zebrastreifen. Ein schöner Platz, den alle gleichberechtigt nutzen können, zudem der Basilika würdig, vielleicht tatsächlich mit hübschem Wasserspiel in der Mitte oder einem anderen auflockernden, die Verkehrsströme ordnenden Element. Was für eine Verbesserung für Trierer und Touristen, die bislang auf ihrem Weg von der City zu Basilika und Palastgarten unvermittelt auf eine Autostraße gespuckt werden! c.wolff@volksfreund.de

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