Balduin in der Bibliothek

An das 700. Jubiläum der Bischofsweihe des Kurfürsten Balduin von Luxemburg erinnern Stadtbibliothek und Stadtarchiv Trier mit einer Ausstellung mittelalterlicher Handschriften. Ein wissenschaftliches Kolloquium versuchte am Wochenende eine Bilanz des bedeutenden Trierers zu ziehen.

Trier. (daj) "Kurfürst Balduin gehört ohne Zweifel zu den großen Gestalten der Trierer Geschichte", betont Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, auf dessen Initiative am Wochenende ein historisches Kolloquium mit mehr als dreißig Teilnehmern in der Trierer Stadtbibliothek stattfand.Auf Balduin geht das Prinzip der Wahl des Königs durch die Kurfürsten zurück, das 1356, zwei Jahre nach Balduins Tod, Gesetzeskraft erlangte. "Diese Goldenen Bulle ist die Grundlage unseres deutschen Föderalismus", sagt der Historiker Franz Josef Heyen, der in seinem Festvortrag eine Bilanz anlässlich des 700. Jahrestages der Amtseinführung zu ziehen versuchte und damit die bis heute anhaltende Bedeutung des Kurfürsten und Erzbischofs unterstreicht. Aus kirchlicher Sicht nennt Dompropst Werner Rössel die im "Liber ordinarius" fixierte Liturgieordnung und die Reform der Pfarrstruktur als weitere prägende Leistungen Balduins, der von 1308 bis 1354 so lange wie kein Trierer Bischof nach ihm amtierte.Eine kleine Ausstellung im Lesesaal der Stadtbibliothek präsentiert Handschriften aus der Zeit Balduins. Darunter finden sich beispielsweise Urkunden für die Juden von Trier oder zum Prümer Landfrieden von 1348, die auch in einem begleitenden Katalog abgedruckt sind. "Diese Ausstellung soll vermitteln, welche geistigen und kulturellen Hintergründe die Ära Balduins von Luxemburg geprägt haben", erklärt Bibliotheksdirektor Michael Embach.Eine abschließende Bilanz und Bewertung Kurfürst Balduins freilich wird es auch nach 700 Jahren nicht geben können. So sieht Michael Embach noch ein weiteres Ziel der Gedenkveranstaltungen: "Das Jubiläum ist auch ein Anstoß, sich neu mit Balduin zu beschäftigen."