Urteil fällt bereits am 4. Juni Bandenmäßiger Metalldiebstahl: Zwei Männer vor dem Landgericht

Trier · Zwei Männer müssen sich vor dem Landgericht Trier verantworten. Der Vorwurf: Bandenmäßiger Metalldiebstahl. Gemeinsam mit acht Komplizen sollen sie Diebesgut im Gesamtwert von über 200.000 Euro erbeutet haben.

Am nächsten Prozesstag, dem 4. Juni, soll vor dem Landgericht Trier bereits das Urteil gesprochen werden über zwei Männer, die des bandenmäßigen Metalldiebstahls angeklagt sind.

Am nächsten Prozesstag, dem 4. Juni, soll vor dem Landgericht Trier bereits das Urteil gesprochen werden über zwei Männer, die des bandenmäßigen Metalldiebstahls angeklagt sind.

Foto: TV/Katharina de Mos

Seit Mittwoch sind zwei 36- und 38-jährige Männer vor dem Landgericht angeklagt: Sie sollen als Teil einer Bande zwischen März 2022 und Januar 2023 in Metallbaufirmen oder Schrotthandelsunternehmen eingedrungen sein und dort einiges haben mitgehen lassen: In der Anklage ist von Metall, Kupfer, Drähten, Messing aber auch von verschiedenen Werkzeugen die Rede. In einem Fall sollen sie sogar Diesel geklaut haben.

In die meisten der betroffenen Firmen brachen sie dabei mehr als einmal ein: In Völklingen, Zweibrücken, Malterdingen, Offenbach am Main, Michelstadt – und auch öfter in eine Firma in Trier. Der Gesamtschaden aller insgesamt 16 Einbrüche beläuft sich der Anklage zufolge auf rund 217.000 Euro. Aktuell sitzen beide Beschuldigten im Gefängnis: Ein Täter in Trier, der andere in Koblenz.

Einer der beiden sammelte bereits als Kind Schrott Die Lebensläufe von Vasile S., 36 Jahre alt, dem eine Tatbeteiligung in 15 Fällen vorgeworfen wird, und des 38-jährigen Gheorghe N., der bei fünf Taten mitgeholfen haben soll, lesen sich ziemlich ähnlich: Beide wuchsen in rumänischen Dörfern auf – in großen Familien mit vielen Geschwistern. Zugang zu Schulbildung hatten sie nicht, die beiden können deshalb nicht oder nur schwer lesen und schreiben, beim Prozess steht ihnen ein Dolmetscher zur Seite. S. lebte zuletzt in der Nähe von Thionville bei seiner Freundin und reiste für die Taten nach Deutschland ein. N. wohnte in Bretten in der Nähe von Frankfurt.

Gearbeitet hätten die beiden in ihrem Leben hauptsächlich als Tagelöhner, und das schon seit Kindertagen, erzählen beide. So schlugen sie sich auf dem Bau oder mit Erntejobs und Feldarbeit durch – sowohl in ihrer Heimat als auch in anderen europäischen Ländern wie Italien und Frankreich. Einer der beiden Angeklagten will bereits als Kind Schrott gesammelt und weiterverkauft haben – „dazu kommen wir doch später“, meint Richter Armin Hardt ironischerweise. In Rumänien waren beide auch schon einmal inhaftiert, einer der beiden ebenfalls wegen Diebstahls.

Den Prozess wollen insbesondere die Pflichtverteidiger der beiden Angeklagten, die aus Hessen kommen, abkürzen: Bei einem Geständnis können sich die Staatsanwaltschaft wie auch die Kammer eine Einigung vorstellen. Zunächst waren nämlich sechs Verhandlungstage angesetzt, nun soll bereits am zweiten Prozesstag das Urteil gesprochen werden.

Staatsanwalt Dr. Mathias Juchem möchte im Vorhinein eine Strafe von fünf Jahren und fünf Monaten für den ersten Angeklagten und rund vier Jahre für den zweiten Beschuldigten. Die Anwälte der beiden Rumänen plädieren wie gewöhnlich für eine etwas kürzere Strafe.

Richter Hardt sagt den beiden Rumänen, wenn sie ihre Taten zugeben, folgenden Strafrahmen zu: Für den ersten Angeklagten S. eine Spanne zwischen viereinhalb und fünf Jahren, für seinen Komplizen einen Rahmen von mindestens drei Jahren und drei Monaten und höchstens drei Jahren und neun Monaten.

Keine Anführer der Gruppierung Beim Geständnis steht schnell fest: Beide Angeklagten hatten keine Führungsposition in der Gruppe. Der Kopf der Bande habe die Taten geplant. Ein Komplize ist bereits verurteilt, sieben weitere warten noch auf ihren gesonderten Prozess und werden nicht in diesem Verfahren angeklagt. Die beiden nun Angeklagten hätten bei den Einbrüchen ihnen zugewiesene Aufgaben ausgeführt. Vor Ort habe die Gruppe dann arbeitsteilig gearbeitet: Es gab Späher, Fahrer und natürlich auch Personen, die in die Betriebe einbrachen – beispielsweise mit einem Bolzenschneider. Teilweise nutzte die Gruppe auch vor Ort vorhandene Hilfsmittel wie einen Gabelstapler. In einem Fall transportierte sie sogar mit einem auf dem Firmengelände stehenden Fahrzeug ihre Beute ab.

Die geklauten Metallteile seien dann nach Belgien verkauft worden, aber nicht von S. und N.: Maximal 499 Euro hätten sie vom Anführer der Gruppe erhalten pro Einbruch, immer in bar. Ab und an habe der Anführer der Bande ihm 200 oder 250 Euro zugesteckt, sagt der Beschuldigte S. Das Geld habe er in die Heimat geschickt, zudem Autos davon gekauft und diese wiederum weiterverkauft. Aus seinen 15 Tatbeteiligungen habe er rund 30.000 Euro erhalten, schätzt er.

Sein mitangeklagter Komplize N. ist da deutlich schlechter weggekommen: 2000 Euro seien ihm aus seinen Beteiligungen gegeben worden. Um den Rest der vereinbarten Summe sei er betrogen worden unter der Androhung – ihn sonst zu verraten. Aufgrund des Geständnisses verkürzt sich der Prozess, wie von der Verteidigung gewünscht, deutlich: So soll bereits beim nächsten Prozesstag am 4. Juni das Urteil gesprochen werden, der zweite Angeklagte wird zudem in die JVA Trier verlegt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort