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Bandwettbewerb in Trier: Vorurteile stoßen auf Widerstand

Musik : Bandwettbewerb Rockbuster in Trier: Vorurteile stoßen auf Widerstand

Vier Bands zeigen beim Rockbuster, wie vielseitig die Jugend musikalisch aufgestellt ist. Sieger des Abends: „Vielleicht Emma“.

Mit Vorurteilen wird an diesem Abend in der Trierer Tuchfabrik (Tufa) ordentlich aufgeräumt. Junge Leute haben heute nichts mehr zu sagen, Rock-Musik ist tot – von wegen. Der Nachwuchsband-Wettbewerb Rockbuster beweist das Gegenteil.

Ganz klare Kante gibt’s bei der Trierer Gruppe „Freidenkeralarm“. „Wir machen antifaschistischen Punkrock“, kündigt Sänger und Gitarrist Luca Schaan kurz an. Sogleich zeigen die drei Jungs, wie sich mit druckvollem Sound politische Botschaften verbinden lassen. Inspiriert vom Vortrag einer 93-jährigen Holocaust-Überlebenden im vergangenen Jahr im Mergener Hof ist der Song „Gegen das Vergessen“ entstanden. Die im Saal versammelten Fans der Punkrocker fallen immer wieder in die Lieder mit ein und skandieren: „Nazis raus!“. Ernste Inhalte verstehen „Freidenkeralarm“ durchaus mit Humor zu verpacken: Die Umtauschaktion „Bier gegen Nazis“ wird sich vermutlich trotzdem nicht ganz so schnell in den Supermärkten durchsetzen.

Stärke dieser Rockbuster-Vorrunde in der Tufa ist die musikalische Abwechslung. Das Trierer Trio von „Schatzi“ wählt beispielsweise einen völlig anderen Ansatz. Meditativ versunken wippt zunächst nur ein einzelner Schlagzeuger auf der Bühne und bedient den Saal mit minimalistischem Einsatz seiner Stöcke. Erst allmählich gesellen sich Bassist sowie Sänger hinzu und tauchen in die psychodelische Stimmung mit ein. Bei den Texten lohnt sich das genaue Hinhören, denn sie streifen auch dunklere Gefühlswelten. So möchte in „Vitamin“ ein junger Mann seiner Freundin beispringen, die mitten in der Nacht düstere Gedanken plagen.  „Mach dir keine Sorgen ich kann noch Autofahren. Ich fahr‘ durch die halbe Stadt für dich“, versichert er ihr am Telefon, dass das „eine Bier“ sicher kein Hindernis sei. Die absoluten Newcomer von Schatzi haben bisher erst vier Lieder im Repertoire. Wer mit Experimentellem und Nachdenklichem keine Berührungsängste hat, sollte ihr weiteres Wirken verfolgen.

Im Wettbewerb melden sich allerdings starke Konkurrenten. „Prejudged Youth“ tragen bereits im Namen das Vorurteil gegen die Jugend mit sich und halten mit einer bunten Mischung dagegen. Mal klingt’s mit englischem Text nach Punkrock – dann scheint die Neue Deutsche Welle aus den 1980ern durch. Im Spätsommer 2017 wurde die vierköpfige Formation in Trier gegründet, einige ihrer Stücke sind bereits auf EP-Tonträger veröffentlicht. Ihre Bühnenpräsenz bringt ihnen bei der Rockbuster-Jury den zweiten Platz ein. Damit haben sie in einer Zwischenrunde im August die Chance zum Einzug ins Finale.

Punktsieger und damit direkt für die Endrunde qualifiziert sind drei Jungs, die sich aus Kaiserslautern auf den Weg in die Moselstadt gemacht haben, da in ihrer Heimat keiner der Wettbewerbe stattfindet.  „Vielleicht Emma“ heißt ihre Band – die erste EP trägt den Titel „Vielleicht auch nicht“. In den ironischen Ansatz schließen sich die Musiker selbst mit ein und bekennen vor dem Trierer Publikum, dass sie sogar leise spielen können. „Unser Probenraum ist im Keller einer Kirche. Da müssen wir manchmal leise sein, um keinen Ärger mit denen obendrüber zu bekommen“, erklärt Sänger und Gitarrist Manuel Schalk. Laut geht’s aber auch. Die vielseitige Mischung lockt das sonst eher schüchtern agierende Saalpublikum nahe an die Bühne heran. „Bitte hört unsere Musik - hört euch an, was wir sagen. Ladet’s euch einfach runter – wir werden euch nicht verklagen“, lädt die „Emma“-Formation zum Schluss ihres Auftritts ein. Beim Rockbuster-Finale in Koblenz werden sie im Herbst Gelegenheit haben, noch mehr Menschen davon zu überzeugen.