Barrieren im Lokal

TRIER. (woc) Im TV vom Samstag informierte die Stadt per Pressemitteilung über barrierefreie Wahllokale in Trier, in denen behinderte Menschen problemlos wählen können. Der Bericht war jedoch missverständlich: "Die Situation ist ein bisschen dumm", sagt der Wahlleiter von Trier, Thomas Görgen.

"Wer einen Wahlschein für die Europa-Wahl hat, kann diesen zwar in einem Wahllokal seiner Wahl abgeben. Aber der Kommunalwahl-Zettel kann nur in dem Wahllokal in die Urne geworfen werden, in dessen Wählerverzeichnis man eingetragen ist." Behinderte Menschen können sich also nicht eins der in dem Bericht aufgeführten Wahllokale aussuchen, sondern müssen in ihrem Wahllokal wählen oder ihre Stimme per Briefwahl abgeben. "Für einen Sonderstimmbezirk wurde uns aus Altenheimen und Krankenhäusern auf Nachfrage kein Bedarf gemeldet", sagt Görgen. Blinde und Sehbehinderte können ihre Europa-Stimme übrigens per Wahlschablone, die den Wahlzettel in Blinden-Schrift übersetzt, völlig selbstständig und geheim abgeben. Daher ist der Europa-Wahlzettel auch oben rechts gelocht. "In dieses Loch hängen die Sehbehinderten ihre Wahlschablone ein und können dann über die Braille-Schrift lesen, für welche Partei sie wo ihr Kreuzchen machen müssen" Für die Kommunalwahl hat die Stadt jedoch solche Schablonen nicht herausgegeben. "Da hätten wir 39 verschiedene Schablonen anfertigen lassen müssen", sagt Görgen. Selbst der von der Stadt angeschriebene Blindenverband hatte diesen Aufwand als nicht angemessen beurteilt.

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