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Bauboom auf dem Bobinet-Areal in Trier-West

Stadtentwicklung : Bauboom auf dem Bobinet-Areal

Seit sechs Jahren verwandelt sich die ehemalige Industrie-Brache in Trier-West in einen gefragten Wohn- und Gewerbestandort. Ein Rundgang über das Gelände offenbart eine erstaunliche Entwicklung.

Das riesige alte Lokschuppen des ehemaligen Bahnausbesserungswerks in Trier-West gilt seit Jahren als Symbol des Verfalls. Doch während auf den denkmalgeschützten Mauern mittlerweile Bäume wachsen und sich daneben der Schutt türmt, tut sich nur einen Steinwurf entfernt viel: Seit 2012 entwickelt dort, auf dem 3,7 Hektar großen Areal der ehemaligen Textilfabrik Eybl-Bobinet, die EGP GmbH (Gesellschaft für urbane Projektentwicklung) ein neues Stadtquartier.

Der Stolz über den beständigen Fortschritt auf dem Gelände ist EGP-Geschäftsführer David Becker beim gemeinsamen Spaziergang über das Gelände anzumerken. Er war von Beginn an Koordinator für das Bobinet-Quartier. „Am Anfang sind wir gefragt worden, warum wir ausgerechnet in Trier-West investieren“, erinnert er sich an die erste, schwierige Phase. „Aber uns hat die Architektur damals einfach begeistert und wir waren überzeugt, das funktioniert auch als Insellösung.“ David Becker und sein Vorgänger Jan Eitel sollten recht behalten: Als das Theater Trier in der größten der alten Industriehallen mit dem Musical „West-Side-Story“ Tausende Zuschauer begeisterte und alle Besucher auf dem Weg dorthin einen Blick auf die im Dornröschenschlaf schlummernde Brache warfen, kam tatsächlich der Wendepunkt.

32,7 Millionen Euro wird die EGP Ende 2019 in das im Bebauungsplan als Mischgebiet ausgewiesene Areal investiert haben, 19,4 Millionen davon in den Hochbau. Realisiert wird eine Mischung aus Wohnungsbau, Gewerbenutzung, Kurzzeitwohnen und Gastronomie. So dient die Alte Färberei derzeit zwar vornehmlich als Event- und Cateringstandort. Die Optionen für eine Dauergastronomie mit Außenterrasse sind aber deutlich sichtbar.

„Gewerbe funktioniert oft erst, wenn auch das Wohnen funktioniert“, weiß Becker aus Erfahrung. Da alle 68 der in drei ehemaligen Industriehallen gebauten Loft- und Neubauwohnungen verkauft sind, steht der Weiterentwicklung gemäß dieser Logik nichts im Wege. So entsteht derzeit – Gerüste und Bagger künden davon – auf der vor drei Jahren zugekauften Fläche neben der Bahnunterführung unter dem Schlagwort „Bobinet Business“ ein Gewerbepark. Das ehemalige Verwaltungsgebäude im Süden und ein Teil der Hallen im Westen beherbergen bereits zehn Unternehmen, darunter Architekturbüros, Software-Entwickler, IT-Unternehmen und ein Elektronik-Fachhändler, der auf Smart Home setzt. „Unsere neu entstehenden Gewerbelofts sind bereits alle verkauft“, freut sich Becker. Für den geplanten Neubau am Bahndamm sei der Bauantrag bei der Stadt eingereicht.

Die Bahn sei durchaus ein Thema bei den neuen Bobinet-Bewohnern. „Güterzüge sind natürlich wegen des Lärms ein Problem. Aber wir haben mit passivem Schallschutz und zentralen Belüftungsanlagen die Sache erträglich gemacht. Grundsätzlich bedeutet die Aktivierung der Weststrecke eine deutliche Aufwertung für unser Gebiet.“ Von fast null auf 300 Euro pro Quadratmeter sei der Bodenrichtwert seit 2010 gestiegen, bemerkt der EGP-Geschäftsführer. Davon habe auch die Firma von Erland Knaaf profitiert, der das alte Bahnausbesserungswerk und das riesige Areal daneben gehören. „Wir arbeiten von Beginn an gut mit Herrn Knaaf zusammen“, sagt Becker. Wirklich begeistert ist er von dem Anblick des seit Jahrzehnten verfallenden Industriedenkmals gegenüber dennoch nicht.

Auch die neuen Bewohner im „Bobinet Duo“ werden das nicht mit Freude sehen. Die DBA Deutsche Bauwert AG mit Sitz in Wiesbaden und Baden-Baden baut derzeit die beiden Wohnkomplexe an der neuen Peter-Molz-Straße, die das Bobinet-Quartier im Nord-Westen begrenzt. Ab April 2019 werden die neuen Eigentümer und Mieter einziehen.

Nach Angaben von Frank Hirdt, Leiter DBA-Qualitätsmanagement, kalkuliert das Unternehmen, das auch im Baugebiet Castelnau in Trier-Feyen engagiert ist, mit einem Verkaufsvolumen von 21 Millionen Euro. „Unser Unternehmen hält Trier für einen Standort mit Zukunft und Potential“, begründet Hirdt. Die Einwohnerzahl steige stetig an und ein Ende der Tendenz sei aktuell noch nicht in Sicht.

Die 90 Wohnungen in den beiden Mehrfamilienhäusern, deren Architektur die Besonderheit abgerundeter Ecken bietet, werden einzeln als Eigentumswohnungen vermarktet. Die DBA geht davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Käufer selbst einziehen werden. Mehr als 90 Prozent der Wohnungen werden demnach vermietet.

Die Stadtverwaltung Trier sieht die Aktivitäten auf dem alten Bobinet-Gelände mit Wohlwollen. Baudezernent Andreas Ludwig: „Wenn ich Gäste durchs Bobinet-Quartier führe, finde ich es jedes Mal beeindruckend, was die EGP dort in wenigen Jahren aus einer Industriebrache entwickelt hat. Das Bobinet-Quartier ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Konversionsprojekt.“

 Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Hier entstehen auch zwei Gebäude mit 90 neuen Wohnungen.
Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Hier entstehen auch zwei Gebäude mit 90 neuen Wohnungen. Foto: Rainer Neubert
 Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Wohnen und Gewerbe haben hier ihren Platz. Aktuelles Projekt ist der Business-Park.
Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Wohnen und Gewerbe haben hier ihren Platz. Aktuelles Projekt ist der Business-Park. Foto: Rainer Neubert
 Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Wohnen und Gewerbe haben hier ihren Platz. In dieser ehemaligen Halle entstehen 2000 Quadratmeter neue Gewerbefläche.
Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. Wohnen und Gewerbe haben hier ihren Platz. In dieser ehemaligen Halle entstehen 2000 Quadratmeter neue Gewerbefläche. Foto: Rainer Neubert
 Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. EGP-Geschäftsführer David Becker betreut das Projekt von Beginn an.
Auf dem Bobinet-Gelände in Trier-West geht die Entwicklung voran. EGP-Geschäftsführer David Becker betreut das Projekt von Beginn an. Foto: Rainer Neubert

David Becker hört solches Lob gerne. „Für uns bleibt noch die Halle 4, die wir für eine Mischnutzung umbauen wollen.“ Zwei bis zweieinhalb Jahre werde das dauern, sagt der Geschäftsführer, hält ein und schmunzelt. „Mit Überraschungen muss man bei solchen Umbauprojekten natürlich immer rechnen.“