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"Bauern sind immer die Verlierer"

"Bauern sind immer die Verlierer"

Die Ausstellung "Mensch Macht Milch" vom 15. bis 28. September in der Volkshochschule Trier porträtiert Milchbauern aus vier Ländern. Thema ist die Situation landwirtschaftlicher Betriebe und die Problematik von Überproduktion und Preiskämpfen.

Trier. "Landwirtschaft geht alle etwas an", sagt Roland Röder. Der Geschäftsführer der Aktion Dritte Welt Saar hat die Bilder noch gut in Erinnerung, als Bauern aus Protest bundesweit Tausende Liter Milch auf ihren Feldern ausschütteten. "Ein Akt der Verzweiflung wegen niedriger Milchpreise", meint Röder.
Die Wanderausstellung "Mensch Macht Milch" setzt sich mit diesem Thema auseinander. Der Fotograf Fred Dott hat Bilder von Bauern aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Burkina Faso (Westafrika) mit seiner Kamera festgehalten.
"Mensch Macht Milch" erzählt ihre Geschichten und zeigt Alternativen zur industriellen Landwirtschaft auf. Die Veranstalter wollen außerdem die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf bäuerliche Betriebe dokumentieren.
Interessierte können sich die Ausstellung vom 15. bis 28. September in der Volkshochschule (VHS) Trier, Domfreihof 1, ansehen. "Bauern sind weltweit immer die Verlierer", klagt Röder. Trotz der Überproduktion von Milch in Europa bleibe den Bauern kaum genug Geld, um ihre Kosten zu decken. In manchen Regionen sei Milch mittlerweile schon billiger als Wasser. Kleine bäuerliche Betriebe seien abhängig von den Molkereien, die ihr Produkt verkaufen. "Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir uns zusammenschließen", erklärt Milchbauer Jürgen Baustert.
Die Kontrolle über die Milchwirtschaft müsse wieder zurück zu den Rohstofflieferanten und weg von der Industrie. "Ob im Senegal oder in Deutschland - das Problem bleibt immer dasselbe", sagt Röder. Der europäische Milchüberschuss werde zu Dumpingpreisen als Milchpulver oder Kondensmilch nach Afrika verkauft. Die Bauern dort hätten deshalb keine Möglichkeit mehr, ihre Milch zu angemessenen Preisen zu verkaufen.
Die weltweiten Konsequenzen der Massenproduktion von Lebensmitteln seien den meisten Verbrauchern nicht klar. "Mensch Macht Milch" soll ein Bewusstsein für diese Problematik schaffen.
Die Aktion Dritte Welt Saar koordiniert die Veranstaltung, die von der Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gefördert wird. cha
Extra

Die Ausstellung am Domfreihof ist montags bis donnerstags von 9 bis 20 Uhr, freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Sonntag, 15. September, 11 Uhr, VHS Trier, Raum 5 und Atrium, Eröffnung der Ausstellung mit Milchfrühstück. Freitag, 20. September, 20 Uhr, Stadtbibliothek im Palais Walderdorff, Domfreihof 1b, Schubkarrenrennen und Lesung mit Matthias Stührwoldt. Samstag, 21. September, 13 Uhr, Parkplatz in der Weberbach am Palastgarten, Besichtigung eines regionalen Bauernhofes, Anmeldung bei der Aktion Dritte Welt Saar, Telefon 06872/993056. Dienstag, 24. September, 20 Uhr, VHS Trier, Raum 5, Vortrag "Hunger und Überfluss. Was läuft schief?" Donnerstag, 26. September, 20 Uhr, VHS Trier, Raum 5, Vortrag "Die große Entwertung des Kapitalismus? Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind". cha