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Bauern trotz Rekordstrecke unzufrieden

Bauern trotz Rekordstrecke unzufrieden

Die Jäger im Kreis Trier-Saarburg haben doppelt so viele Wildschweine wie im Vorjahr erlegt. Während die Jagdbehörde das als großen Erfolg feiert, melden Landwirte weiter große Schäden.

Welschbillig /Schweich/Hermeskeil. Viele Menschen haben sich über den nicht enden wollenden Winter aufgeregt. Kalt ist es sicher auch vielen Landwirten geworden. Doch sie werden sich auch gefreut haben. Denn lange währende Frostperioden haben den Tod von Wildschweinen zur Folge.
Die Tiere sind so etwas wie der natürliche Feind der Landwirte. In den Maisfeldern richten die Wildschweine große Schäden an. Doch es sind nicht nur die fast erntereifen Feldfrüchte, die den Speiseplan ergänzen. "Die Tiere kommen oft schon in der Nacht nach der Aussaat, um die Maissaat zu fressen", sagt Hans-Dieter Leinen aus Schweich. Teilweise liegt der Verlust bei 15 Prozent der Saat.
Doch nicht nur der Mais mundet den Wildschweinen. Winzer an Mosel, Saar und Ruwer verzeichnen nach eigenen Angaben Millionenverluste durch Wildfraß. Vor allem Wildschweine haben die Reben weggefressen, aber auch Rehe und Hirsche haben die Hänge heimgesucht.
Der Bauern- und Winzerverband trug das Thema deshalb an den Kreistag Trier-Saarburg heran. Dort forderte Winzer und Kreistagsmitglied Roman Niewodniczanski unter anderem zusätzliche revierübergreifende Jagden und die temporäre gesetzliche Erlaubnis von Nachtzielgeräten.
Seit diesem Appell ist fast ein halbes Jahr vergangen. Die Forderungen haben zwar nicht zu Gesetzesänderungen geführt, doch der Dialog zwischen Bauern, Winzern, Jägern und der Kreisverwaltung sei intensiviert worden, sagt Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, die sich als Aufsichtsbehörde um die Jagden kümmert. "Wir erwarten glänzende Abschusszahlen", sagt er auf TV-Anfrage (siehe Extra).
Abschussrekord hin, Spitzenjagdjahr her. Landwirt Ottmar Lichter aus Welschbillig-Ittel berichtet davon, dass Wildschweine sich inzwischen auch bei Tageslicht auf die Felder trauen, um die kurz zuvor ausgebrachte Maissaat wieder auszugraben. Ähnlich wie andere Kollegen auch hat er in diesem Spätwinter eine für Landwirte unangenehme Folge des Futtermangels für Wildtiere festgestellt. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß haben die Schweine mancherorts ganze Wiesen umgegraben.
Sein Berufskollege Gerhard Eiden aus Hermeskeil resümiert: Im Vergleich zum vergangenen Jahr mit Wildschäden im bisher noch nicht gekannten Ausmaß habe sich die Lage nicht entschärft. "Besonders im Wintergetreide hatten wir ganz erhebliche Schäden, die bis zum Totalumbruch und anschließender Neueinsaat führten." Die Schwarzwildpopulation sei nach wie vor wesentlich zu hoch und müsse dringend weiter reduziert werden.
Extra

Strecke: Nach Auskunft von Kreisjagdmeister Rolf Kautz sind von den Jägern innerhalb eines Jahres (April 2012 bis April 2013) rund 6000 Wildschweine im Landkreis Trier-Saarburg sowie in der Stadt Trier erlegt worden. Das sind nahezu doppelt so viele wie im Jagdjahr 2011/12 (3019) und viel mehr als 2010/11, als die Jäger insgesamt 4537 Wildschweine in den Wäldern des Landkreises und der Stadt erlegt hatten. har/cmk