Infrastruktur: Baugebiet in Fastrau erhitzt die Gemüter

Infrastruktur : Baugebiet in Fastrau erhitzt die Gemüter

Die Gemeinde Fell will Bauland erschließen, doch mehrere Familien wehren sich. Sie wollen nicht, dass ihre Grundstücke einbezogen werden.

Die Nachfrage nach Bauland steigt, sagt die Gemeinde Fell. Deshalb plant sie, im Ortsteil Fastrau (rund 350 Einwohner) das Baugebiet Oberer Frieden auszuweisen. Etwa 30 Baustellen sollen in einem Hanggebiet entstehen, doch mehrere Anwohner der Moselstraße wehren sich vehement dagegen. Sie wollen ihre Gärten und Grünflächen hinter dem Haus nicht hergeben, obwohl ihr Land durch eine Umwandlung in bebaubare Flächen etwa das Doppelte an Wert gewinnen würde. Das behauptet zumindest die Gemeinde.

„Wir stimmen der willkürlichen Teilung unserer Parzellen nicht zu.” Das haben vier Familien der Gemeinde Fell schriftlich mitgeteilt. „Wir bestehen auf die Ausklammerung unserer Grundstücke aus dem Baulandvorhaben.” Den städtebaulichen Bedarf für das Baugebiet zweifeln sie an. Dadurch werde der Verfall von Häusern im Ortskern nur noch weiter begünstigt.

Der Konflikt zwischen Grundstücksbesitzern und Gemeinde schwelt seit Monaten; Anwälte wurden eingeschaltet, die Schreiben füllen mehrere Aktenordner. Die Betroffenen haben die Bürgerbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Barbara Schleicher-Rothmund, eingeschaltet. Diese hatte in einem Brief an die Gemeinde die Argumente der Anwohner aufgegriffen und um Stellungnahme gebeten.

Lediglich einer der opponierenden Grundstücksbesitzer habe während der Offenlage des Bebauungsplans eine Stellungnahme abgegeben, so die Antwort der Gemeinde. Am Bedarf für Bauland gebe es keinen Zweifel, die ersten Bürger zögen bereits in Nachbarorte. Und weiter: Ein Ausklammern der Grundstücke, wie es die Baugebietsgegner forderten, sei städtebaulich nicht vertretbar und gefährde eine wirtschaftliche Erschließung des Gebiets Oberer Frieden.

Ein vermeintlicher Trumpf im Ärmel der Anwohner hat bisher nicht gestochen: Im Jahr 1976 soll die damalige Bezirksregierung Trier im Zusammenhang mit der Flurbereinigung in Fastrau zugesagt haben, dass in dem betreffenden Bereich kein Baugebiet entstehen werde. Das Schreiben der Behörde sei ihr nicht bekannt, sagt die Gemeinde. Außerdem sei es nicht vorstellbar, dass die Bezirksregierung seinerzeit in die Planungshoheit der Gemeinde eingegriffen habe. Dies sei nicht zulässig.

 Wie Fells Ortsbürgermeister Alfons Rodens auf TV-Anfrage mitteilt, könnten die Betroffenen weiterhin ihre Gärten nutzen. Sie müssten ihre zugeteilten Bauparzellen nicht verkaufen oder selbst bauen. Allerdings müssten sie sich an den Erschließungskosten beteiligen. Ziel der Gemeinde sei es, günstiges Bauland zu schaffen. Der Quadratmeterpreis werde „weit unter 200 Euro” liegen. Man plane einen Zuteilungsschlüssel, der Interessenten aus Fell und Fastrau bevorzuge.

„Ich fühle mich belogen und gemolken. Mein ganzes Lebenswerk und meine Heimat gehen verloren”, klagt Anwohnerin Margaretha Neumann. Vor 24 Jahren verunglückte ihr Mann tödlich im Weinberg, danach führte sie den Winzerbetrieb weiter. Dieser ruht zwar derzeit, doch das Hofgelände mit dem großen, in den Hang gebauten Keller, und die Weinberge möchte die Fastrauerin an ihre Nachkommen weitergeben. Käme das Baugebiet, wäre der Fortbestand des Betriebs gefährdet. „Demnächst heimatlos”, so steht auf einem großen Transparent, das Margaretha Neumann und ihre Tochter Sylvia an ihrem Haus angebracht haben. Auch ein Nachbar äußert auf diese ungewöhnliche Weise seinen Protest.

Wie es aussieht, bleiben die Fronten in Fastrau verhärtet. Der Gemeinderat möchte das Baugebiet wie geplant realisieren. Das wurde kürzlich in einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme an die rheinland-pfälzische Bürgerbeauftragte deutlich.

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