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Baumkontrollen: Mehr Personal, mehr Sicherheit

Baumkontrollen: Mehr Personal, mehr Sicherheit

Nach dem tödlichen Baumunglück im November 2012 hat die Stadt sämtliche Baumkontrollen und –pflegearbeiten an private Firmen vergeben. Ein Gutachten empfiehlt nun, die Arbeiten in die Behörde zurückzuholen – und den Personalbestand aufzustocken.

Fast drei Jahre ist es her, dass im Trierer Rautenstrauchpark eine Kastanie umstürzte, eine Frau erschlug und einen Passanten schwer verletzte. Nicht nur dem zuständigen Baumkontrolleur, der die Untersuchung der Rosskastanie immer wieder aufgeschoben hatte, gab das Trie?rer Landgericht damals eine Mitschuld. Auch dem Grünflächenamt attestierte es "eklatante Organisationsmängel". Behoben sind diese bislang nicht: Der Ahorn, aus dem Ende August im Nells Park ein 200 bis 300 Kilo schwerer Ast auf eine Parkbank stürzte, war im städtischen Baumkataster seit langem für einen Rückschnitt vorgemerkt - aber auch diese Arbeiten waren über Monate aufgeschoben worden.
Dabei hatte die Stadt bereits Ende 2014 bei einem externen Fachbüro ein Gutachten in Auftrag gegeben, das analysieren sollte, wie die Arbeitsabläufe im Grünflächenamt verbessert werden können. Gestern stellte Dezernent Andreas Ludwig die Ergebnisse vor.

So soll künftig gearbeitet werden: Seit dem tödlichen Baumunglück vom November 2012 vergibt die Stadt sämtliche Baumkontrollen und auch alle Rückschnitt- und Fällarbeiten an private Firmen. Das soll sich ändern: "Diese Arbeiten werden wir in die Stadtverwaltung zurückholen", sagt Dezernent Andreas Ludwig. Dazu sollen vier Mitarbeiter neu eingestellt werden. Zwei städtische Baumkontrolleure sollen ab Frühjahr ausschließlich mit der Überwachung der Standsicherheit der rund 47?000 Bäume im Stadtgebiet beschäftigt sein. Die Kontrolleure analysieren bei Sichtkontrollen die Bäume nach den bundesweit von Kommunen und Gerichten anerkannten Richtlinien der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.). Dabei werden verschiedene Anhaltspunkte für eine mögliche Krankheit oder Altersschwäche des jeweiligen Baums systematisch begutachtet und in einem digitalen Baumkataster notiert. "Eine solche Sichtkontrolle dauert etwa fünf bis sechs Minuten", erklärte Gutachter Jakob Breer.
Gibt es Auffälligkeiten, erfolgt binnen einer bestimmten Frist eine Zweitkontrolle, bei der zum Beispiel mit einem Hebekorb die Baumkrone aus der Nähe untersucht oder der Stamm angestochen wird, um zu prüfen, ob er morsch ist. Zwei städtische Arbeiterkolonnen sollen anschließend Rückschnitt- oder Fällarbeiten vornehmen.
Auch bislang liefen die Baumkontrollen grundsätzlich nach diesem Schema ab - allerdings hatte die Stadt nur 1,5 statt zwei Baumkontrolleurstellen und nur eine statt künftig zwei Arbeiterkolonnen im Einsatz. "Mit zwei Kontrolleuren und zwei Kolonnen wollen wir nun größtmögliche Sicherheit für die Menschen in unserer Stadt gewähren", verspricht Dezernent Ludwig. Dadurch, dass die Arbeiten nicht mehr weiter an private Firmen vergeben werden, könnten Arbeiten flexibler - und vor allem ohne die Einhaltung langer Ausschreibungsfristen - erledigt werden.

Das kostet die Aufstockung: Eine Baumschnittkolonne, wie sie zusätzlich eingerichtet werden soll, besteht aus vier Mitarbeitern: Einer, der im Hochkorb die Bäume schneidet, einer der die Äste vor Ort häckselt, einer der die Arbeiten sichert und ein vierter, damit Urlaubs- und Krankheitszeiten im Team überbrückt werden können. Außerdem wird neues Gerät benötigt: Ein LKW mit Hebekorb, Sägen, Häcksler und so weiter. "Anfangs werden pro Jahr zusätzliche Ausgaben von 725.000 Euro auf uns zukommen, ab 2018 und den Folgejahren rechnen wir damit, dass wir rund 317.000 Euro mehr als bislang ausgeben müssen", erklärt Grünflächenamtsleiter Franz Kalck.
Der Stadtrat muss der Stellenaufstockung und den zusätzlichen Ausgaben noch zustimmen.
Extra


Nicht nur die Baumpflege sondern auch alle weiteren Angelegenheiten des städtischen Grünflächenamts hat das Gutachten unter die Lupe genommen. Um Arbeitsabläufe zu verbessern und Reibungsverluste zu verkleinern, sollen die bislang auf sieben Sachbereiche aufgeteilten Aufgaben zu vier Sachbereichen zusammengefasst werden: 1. Planung, Vergabe und Kataster-Angelegenheiten, 2. Unterhaltung (von Spielplätzen, Grünanlagen, Friedhöfen), 3. Baumpflege, 4. allgemeine Verwaltung. "Mit der Umorganisation wollen wir Prozesse optimieren und vereinfachen", sagt Amtsleiter Franz Kalck. Alle Arbeitsstellen sollen dabei erhalten bleiben.