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Baumunglück in Trier: Stadt gibt Informationspanne zu

Baumunglück in Trier: Stadt gibt Informationspanne zu

Oberbürgermeister Klaus Jensen räumt ein, dass die Stadtverwaltung nicht ausführlich genug über die Zusammenhänge und Folgen des Baumunglücks informiert hat. Ursache dafür sei allerdings lediglich eine Kommunikationspanne, die Stadt habe nichts zu verschleiern. Am Donnerstag war eine Passantin in der City von einer plötzlich umstürzenden Kastanie erschlagen worden.

Die Aufregung ist derzeit groß im Rathaus: Permanent klingeln die Telefone in der Zentrale und beim Grünflächenamt. Etliche Bürger wollen die Verwaltung auf ihrer Meinung nach morsche Bäume im Stadtgebiet hinweisen. Die Vertreter der Trierer Staatsanwaltschaft sind gestern gleich persönlich bei der Verwaltung vorbeigekommen, um mit Oberbürgermeister Klaus Jensen, der zuständigen Dezernentin Simone Kaes-Torchiani und mit dem Leiter des Grünflächenamtes, Franz Kalck, über die am Donnerstag im Wilhelm-Rautenstrauch-Park umgestürzte Kastanie zu sprechen. Um den Todesfall - der Baum hat beim Fallen eine 70-jährige Triererin erschlagen - aufzuklären, hat die Staatsanwaltschaft auch Akten mitgenommen. Die Verwaltung ist dazu verpflichtet, jährlich sämtliche Bäume auf öffentlichem Gelände auf ihre Standfestigkeit hin zu kontrollieren und dies auch zu dokumentieren. "Wir sind froh, dass die Staatsanwaltschaft und auch ein externer Gutachter die Angelegenheit aufklären, wir wollen Transparenz und schnellstmöglich die Ursache für das schreckliche Unglück aufklären", sagt Oberbürgermeister Jensen. In der ganzen Aufregung sind im Rathaus allerdings gleich mehrere dicke Kommunikationspannen passiert, wie Jensen am Dienstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz eingeräumt hat. Denn darüber, dass das Grünflächenamt am Montagmorgen plötzlich den Nachbarbaum der umgestürzten Kastanie gefällt hat, waren Oberbürgermeister, Dezernentin Kaes-Torchiani und auch das städtische Presseamt bis zum Montagnachmittag nicht informiert. Presseanfragen zur Fällaktion, die in der Stadt für Aufsehen und Spekulationen sorgten, beantwortete die Stadtverwaltung gar erst am frühen Montagabend. "Meine Mitarbeiter haben den Nachbarbaum am Montagmorgen wie vorgesehen noch einmal kontrolliert und dabei festgestellt, dass die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war. Nach Rücksprache mit mir haben sie den Baum dann sofort gefällt", erklärte Grünflächenamtsleiter Kalck gestern. "Es war mein Fehler, nicht direkt den Oberbürgermeister und die Dezernentin über die Fällung zu informieren, dafür entschuldige ich mich", sagte Kalck weiter. Die erste Kommunikationspanne war schon am Freitag passiert: Beim Pressegespräch am Tag nach dem Unglück hatte Dezernentin Kaes-Torchiani nicht deutlich gemacht, dass geplant war, den Unglücksbaum näher auf seine Stabilität hin zu untersuchen. Dabei war das bei der Sichtkontrolle des Baums am 1. Oktober festgelegt worden. "Und dass eine zweite, eingehendere Untersuchung vorgesehen war, ist auch am 1. Oktober so in den Akten vermerkt worden", sagte Amtsleiter Kalck. Von einer solchen Zweitkontrolle war beim Pressegespräch am Freitag allerdings keine Rede. "Bedauerlicherweise ist es bei der Pressekonferenz offenbar nicht deutlich geworden, dass eine solche eingehendere Untersuchung des Baums geplant war", sagte Oberbürgermeister Jensen. "Fest steht allerdings: Wir wollten mit unserer Kommunikationspolitik auf keinen Fall etwas verschleiern, und es gibt auch gar nichts zu verschleiern!"
Extra

Bei den noch bis Mitte Dezember laufenden Sichtkontrollen der 30.000 Bäume auf städtischem Gelände sind bislang 117 Bäume für weitere, eingehendere Untersuchungen vorgemerkt worden. Für 34 der Zweit8untersuchungen ist die Dringlichkeitsstufe "mittel" angesetzt worden. Diese dritthöchste Dringlichkeitsstufe galt auch für die umgestürzte Kastanie und ihren am Montag gefällten Nachbarbaum. Laut Richtlinien bedeutet "mittel", dass die Bäume innerhalb der nächsten sechs Monate einer gründlicheren Prüfung hätten unterzogen werden müssen. Die Stadt will die übrigen 32 mit Dringlichkeit "mittel" angesetzten Zweitkontrollen allerdings schon innerhalb der nächsten vier Wochen vornehmen. Mit der nächsthöheren Dringlichkeitsstufe "dringend", bei der Bäume innerhalb von zwei Wochen noch einmal kontrolliert werden müssen, ist in diesem Jahr noch kein Baum bewertet worden. Bei der Dringlichkeitsstufe "akut" werden Bäume sofort gefällt. Solche Akutfällungen gibt es laut Grünflächenamtsleiter Kalck regelmäßig. wocMeinung

 Obwohl die Stadtverwaltung am Freitag noch erklärt hatte, dass keine außerordentlichen Fällarbeiten geplant seien, sind Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamtes am Montagmorgen im Wilhelm-Rautenstrauch-Park kräftig zugange. Ein Baum wurde gefällt, weitere Kronen ausgelichtet.
Obwohl die Stadtverwaltung am Freitag noch erklärt hatte, dass keine außerordentlichen Fällarbeiten geplant seien, sind Mitarbeiter des städtischen Grünflächenamtes am Montagmorgen im Wilhelm-Rautenstrauch-Park kräftig zugange. Ein Baum wurde gefällt, weitere Kronen ausgelichtet. Foto: Christiane Wolff

Unnötige ZweifelEntweder hatte sich Simone Kaes-Torchiani am Tag nach dem Unglück selbst schlecht über die Fakten des Unglücks informiert - oder die Dezernentin ist vom Grünflächenamt unzureichend aufgeklärt worden. Für die zweite Kommunikationspanne ist allerdings definitiv das Grünflächenamt verantwortlich: Dass am Montagmorgen der Nachbarbaum der umgestürzten Kastanie plötzlich gefällt wurde, ohne dass Stadtvorstand, das städtische Presseamt oder die Öffentlichkeit informiert sind, hat nicht nur Irritationen, sondern auch unnötige Zweifel an der Qualität und Zuverlässigkeit der städtischen Baumkontrollen ausgelöst.Bei aller Aufregung, die das Unglück verständlicherweise im Rathaus verursacht: Solche Kommunikationspannen dürfen nicht passieren.
c.wolff@volksfreund.de