Baustelle Schulbaukonzept

Die Zukunft der Egbert-Schule ist weiter offen, und auch, wie der Platzbedarf der Gymnasien gedeckt werden soll, weiß die Trierer Stadtverwaltung noch nicht. Der Themenblock Schule, der in der Stadtratssitzung am Dienstagabend breiten Raum einnahm, brachte wenig Konkretes.

Offenkundig wurde in der Schuldebatte des Trierer Stadtrats das altbekannte Dilemma: Die Stadt ist sowohl finanziell als auch personell überfordert, auch wenn es an gutem Willen nicht mangelt. Die Aussage, die Vorlage von konkreten Ergebnissen werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, zog sich wie ein roter Faden durch die Antworten, die Bürgermeisterin und Schuldezernentin Angelika Birk gab.

Zum Beispiel auf die Fragen des Elternbeirats der Egbert-Grundschule. Selbstverständlich habe die Sanierung des Gebäudes an der Olewiger Straße "höchste Dringlichkeit", versicherte die Grünen-Politikerin. Aber angesichts Kosten von mehreren Millionen Euro müssten zunächst Fragen der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit geklärt werden. Die preiswerteste Variante der reinen Instandsetzung (zwei Millionen Euro) könnte auch die am schnellsten zu realisierende sein. Allerdings wolle der noch unentschlossene Stadtvorstand sich auch mit dem Mainzer Bildungsministerium abstimmen, was den von der Dezernentin in Aussicht gestellten 9. Oktober als Termin für einen Stadtratsbeschluss als höchst unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Schulelternsprecherin Regina Bruhn (47) war ob dieser Antwort "sehr gespalten" und bekräftige gegenüber dem TV, es könne "auf Dauer keine Lösung" sein, die Egbert-Kinder am Ausweichstandort, der früheren Grundschule Kürenz, zu unterrichten. Lehrer, Eltern und Kinder seien ob der ungewissen Zukunft verunsichert und die Anmeldezahlen rückläufig. "Die Situation erfordert ein schnelles Handeln."

Alles wieder offen ist in Sachen Robert-Schuman-Realschulgebäude. Das wollte der Stadtrat angesichts eines geschätzten Sanierungsbedarfs von fünf Millionen Euro nach dem Auslaufen der Realschule Mitte 2015 gerne loswerden, doch nun ist erst einmal eine neu geschaffene "Arbeitsgruppe Schulbau" gefragt. Die soll unter anderem klären, ob das Schuman-Gebäude die Raumnöte des benachbarten Humboldt-Gymnasiums beheben könne. Überprüft worden ist laut Birk aber bisher nichts: "Es liegen noch keine Ergebnisse zu irgendeinem Gebäude vor."

Von einem Schulkonzept aus einem Guss ist keine Rede mehr. Angelika Birk stellte in ihren Antworten auf Anfragen von CDU, SPD und Alternative für Deutschland (AfD) eine "Abarbeitung nach Prioritäten" in Aussicht. Ergebnisse sollen "in Detailpaketen regelmäßig den politischen Gremien vorlegt werden".

Balduin: Grund- statt Realschule?

Einigermaßen spannend waren immerhin Aussagen, welche Punkte aus dem 2013 beschlossenen Entwicklungsplan für die Verwaltung zur Disposition stehen: darunter der Erhalt der Martin-Grundschule (2,3 Millionen Euro Sanierungsbedarf, während es in der Nachbarschule Ambrosius noch große Platzkapazitäten gibt), die integrative Kurfürst-Balduin-Realschule plus (Dreizügigkeit auf Dauer nicht gewährleistet) und der Neubau für die Grundschulen Reichertsberg und Pallien. Die könnten nämlich das Gebäude der Balduin-Schule nutzen.
Der Verlegung der Grundschule Ehrang aus dem Stadtteil heraus und der Erhalt des Friedrich-Spee-Gymnasium als G8-Gymnasium hält die Verwaltung nach den Worten von Dezernentin Birk ebenfalls für entbehrlich.