Bayerisches Betriebssystem

TRIER. Mit seinem aktuellen Programm "Der schärfste Gang" ist Georg Ringsgwandl – seit 20 Jahren eine der eigenwilligsten Figuren der deutschen Kleinkunstszene – derzeit unterwegs auf Tournee. Am Freitag gastierte der Kardiologe mit seiner Band in der Trierer Tufa.

Sänger, Liedermacher, Kabarettist - es ist nicht leicht, Georg Ringsgwandl in eine Schublade zu stecken. Sich selbst nennt der 58-Jährige gerne "Multidilettant". Vor allem aber ist er Bayer: "Mein Betriebssystem ist bayerisch. Hochdeutsch läuft bei mir nur ganz schlecht", sagt Ringsgwandl. Aufgewachsen ist er in Bad Reichenhall, der hohe Norden beginnt für ihn in München. Viele seiner Lieder und Anekdoten haben einen Bezug zu seiner Heimat. Zum Auftakt des Konzertes in Trier singt er von einem Leben als Kuh auf der Alm, deren größte Sorge es ist, als Landwirtschaftsminister wiedergeboren zu werden. Musikalisch bedient sich Ringsgwandl neben Rock und Blues bei der traditionellen Volksmusik, spielt nicht nur Gitarre und Keyboard, sondern auch Zither. "Gangsta-Rapping-Stubenmusi" nennt er es, zieht sich die Wollmütze dabei bis fast an die Sonnenbrille ins Gesicht.Der Kabarettist ist eigentlich Herzchirurg

"Der schärfste Gang" lautet der Titel des Programms. Den allerdings legt Ringsgwandl nicht immer ein, man hat ihn schon bissiger erlebt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er gelernt hat, "negative Emotionen in Poesie zu verwandeln". Den Ärger über ein Knöllchen wegen Falschparkens wandelt er in ein Liebeslied an die Politesse Vroni. Andere Texte handeln vom Politischen des Privaten. Als Konsumverweigerer macht Ringsgwandl "denen in Berlin" schon mal den Wirtschaftsaufschwung zunichte. Andererseits ruft er auf zum lustvollen Kampf gegen den Geburtenrückgang, der Liebesakt wird zur Bürgerpflicht. Erst seit 1993 ist der gelernte Herzchirurg und frühere Oberarzt hauptberuflich Künstler, damals war er schon längst mit Preisen wie dem Salzburger Stier (1987) und dem Deutschen Kleinkunstpreis (1988) ausgezeichnet worden. Den Mediziner lässt er durchblicken, wenn er mit dem Taschentuch in der Hand über die verschiedenen Arten des Katarrhs sinniert. Die Reaktionen des Publikums sind durchweg positiv. "Eine schöne Mischung aus guter Musik und anspruchsvollen Texten", sagt beispielsweise Jan Loewenguth. Eine andere Besucherin, die Ringsgwandl vorher noch gar nicht kannte, braucht nur drei Worte, um ihre Eindrücke zu beschreiben: "Schrill, schräg, klasse!" Bei so viel Zustimmung nützt es auch nichts, dass der Bayer sein "Pfüat euch!" hochdeutsch mit "Tschüss!" übersetzt - erst nach drei Zugaben darf er von der Bühne abtreten.