Begegnung in der Moschee

Um im Rückblick auf die Terroranschläge in Paris einen Dialog der Kulturen und Religionen anzustoßen, hat die muslimische Gemeinde in Trier zu einem Informationsabend in die Moschee des islamischen Kulturzentrums in der Luxemburger Straße eingeladen.

Trier. "Die Menschen sollen sich nicht von Vorurteilen blenden lassen, sondern herkommen und mit uns sprechen", erklärt Ayyub Rhandell Mathieu, Vorstandsmitglied und Sprecher der Moschee des islamischen Kulturzentrums Trier.
15 Personen sind der Einladung gefolgt und sitzen ohne Schuhe, wie es in einem islamischen Gotteshaus üblich ist, dem Imam Ali Al Sharafi, seinem Übersetzer und Mitbegründer der Moschee Abou El Naga und Mathieu gegenüber.
Die Atmosphäre ist entspannt und friedlich. Kritische Fragen oder Anschuldigungen sind die Ausnahme und werden sachlich diskutiert. "Religion wurde schon immer instrumentalisiert. Aber der Islam und Gewalt gehören nicht zusammen. Gott wollte die Vielfalt der Menschen mit Absicht", fasst Al Sharafi den von ihm gepredigten liberalen Islam zusammen.
Diskutiert wird auch das Platzproblem in der provisorischen Moschee in einem Hinterhof der Luxemburger Straße, in der auf Grund des Flüchtlingszustroms in Trier zum Freitagsgebet mittlerweile 500 bis 600 Muslime erscheinen. Diese müssen teilweise draußen vor den Türen beten, da in der Moschee kein Platz mehr ist.
Bürgermeisterin Angelika Birk nannte für dieses Problem eine einfache Lösung: "Das einfachste wäre es, leerstehende Kirchen zur Verfügung zu stellen. Aber ich denke, so weit sind wir noch nicht."Extra

Olga Hermann, Ehrenamtsagentur Trier, 28: "Die Atmosphäre des Info-Abends habe ich als freundlich und einladend empfunden. Besonders authentisch war das Vorlesen von Suren aus dem Koran in arabischer Sprache zu Beginn der Veranstaltung. Insgesamt war es ein wertschätzendes Miteinander und und ein Gespräch auf Augenhöhe."
Maria Kronenberg, Trier, 64: "Ich fand es sehr schön, dass zu diesem Informationsabend eingeladen wurde. Mir ist es eher peinlich, dass sich die Muslime ständig wegen des Terrors rechtfertigen müssen. Als Katholikin werde ich es in Zukunft öfter laut ansprechen, dass man eine leerstehende Kirche bereitstellen könnte, um das Platzproblem in dieser Moschee zu lösen."
Herbert Kronenberg, Trier, 66: "Ich habe mich hier sehr gut aufgenommen gefühlt. Ich finde es wichtig, eine solche Einladung anzunehmen, denn Halbwissen ist schlimmer, als gar nichts zu wissen. Man sollte immer versuchen, den Menschen hinter der Religion zu suchen."
Angelika Birk, Bürgermeisterin Trier: "Es ist eine große und ernsthafte Arbeit, für Aufklärung zu sorgen und jungen Flüchtlingen Orientierung zu geben. Ich freue mich auf mehr interreligiöse Zusammenarbeit." stm/TV-Fotos: stm (3)/Archiv (1)