1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Begegnung von Mensch zu Mensch

Begegnung von Mensch zu Mensch

ZEMMER. (ae) Im Rahmen der alljährlichen Bolivien-Partnerschaftswoche des Bistums Trier war Magdalena Sandoval, die Partnerschaftsbeauftragte aus dem bolivianischen Bistum Beni, zu Gast auf dem Schönfelderhof bei Zemmer. Beim Rundgang durch die Einrichtung entstand ein lebhafter Erfahrungsaustausch.

"Magdalena" stellt sich die zierliche Frau mit den wachen braunen Augen vor, und in ihrem Händedruck liegt etwas Energisches und Entschlossenes. Magdalena Sandoval ist als Abgesandte des Bistums Beni in Bolivien auf Einladung von Werner Schmitz, dem Hausoberen, auf dem Schönfelderhof zu Gast. Dort, in der Einrichtung der Barmherzigen Brüder, wo psychisch kranke Menschen leben und arbeiten, soll sie Einblick in die deutsche Wirklichkeit gewinnen, "Begegnungen von Mensch zu Mensch erleben, die der Partnerschaft einen besonderen Ausdruck geben", wie Werner Schmitz es in seiner Begrüßung formuliert. Magdalena strahlt und baut Brücken zu ihrer Wirklichkeit, in der ebenfalls durch Menschlichkeit Verbindungen geschaffen werden. Denn die engagierte Frau, nach eigenem Bekunden rechte Hand ihres Bischofs, widmet jedes ihrer Wochenenden seelsorgerischen Besuchen bei Armen und Kranken. Bei diesem Thema bieten sich Vergleiche an. Werner Schmitz erzählt seinem Gast vom Selbstverständnis des Schönfelderhofes, chronisch kranken Menschen einen festen Platz in der Gesellschaft geben zu wollen. Die Bolivianerin schildert hingegen, dass es in ihrem Land nur eine einzige Einrichtung für psychisch Kranke gibt, in der die Menschen in Zwangsjacken gesteckt würden. "Der Trend ist, dass Kranke in ihren Familien bleiben. Geld zu ihrer Betreuung und Unterstützung ist nicht da." Mehr Frauen als Männer seien in der Einrichtung, sie litten an Depressionen wegen der Kälte in den Familien, wegen Misshandlung oder als Folge von Drogensucht. Beim Rundgang durch die Ergotherapie-Abteilung des Schönfelderhofes staunt die Besucherin, welche Mittel dort zur Förderung im motorischen, kognitiven, künstlerischen und kommunikativen Bereich zur Verfügung stehen, und wie man sie einsetzt: "Wir begegnen dem Klienten, wo er steht, und stellen einen auf ihn abgestimmten individuellen Therapieplan zusammen", erklärt Rainer Czech, Leiter der Abteilung. "Ein bisschen wie in meiner Arbeit", sagt Magdalena, "nur - wir tanzen erst und sprechen dann über Gott." An diesem Punkt treffen sich die Grundauffassungen der Schönfelderhof-Mitarbeiter und des Gastes aus Bolivien: "Wir verstehen uns als Seelsorger. Im täglichen Miteinander lebt Gott", sagt Werner Schmitz.Auf der Suche nach Mitstreitern

Während er das aus einer vergleichsweise komfortablen Situation heraus sagen kann, verbindet Magdalena damit bittere Notwendigkeit. Denn für sie als Bürgerin des ärmsten südamerikanischen Landes ist das christlich motivierte Engagement für den Nächsten die einzige Möglichkeit, wenigstens hier und da Elend zu lindern. Deshalb nutzt die gebildete Frau energisch alle ihre Möglichkeiten. Die Sprachwissenschaftlerin, die Grundschullehrerinnen ausbildet, hat unter anderem für Boliviens wichtigstes Kommunikationsmedium, das Radio, gearbeitet. Nun will sie als Abgesandte ihres Bistums die Partnerschaft mit Trier als Brücke nutzen. Sie kämpfe für den fairen Handel mit der heimischen Paranuss, erklärt Magdalena. Die Nuss wachse wild, also biologisch, und werde in Handarbeit gepflückt, verlesen und weiterverarbeitet - vor allem von allein erziehenden oder unausgebildeten Frauen, die so von einem Leben im Elend verschont blieben. Während ihres Besuchs in Deutschland will Magdalena die Möglichkeit eines anerkannten Zertifikats und Exports nach Europa ausloten und Mitstreiter für ihre Idee werben. Ein Grundstein dafür ist die Begegnung von Mensch zu Mensch, wie sie auf dem Schönfelderhof stattgefunden hat.