Bei „Trier liest“ hat die City-Initiative zu Lesestationen geladen. Einzelhändler haben sich beteiligt.

Literatur : Trier liest, lauscht und lacht

Trier wird zur Partyzone, zur Chormeile – oder zur Lesestube. Bei „Trier liest“ hat die City-Initiative zu verschiedenen Lesestationen geladen. Viele Einzelhändler haben sich beteiligt. Besucher erwartete Spannendes, Witziges und Nachdenkenswertes.

Bücher haben etwas Heimeliges. Umgeben von entzückenden Stapeln dicker neuerer und älterer Schmöker, entführt Theaterschauspieler Michael Hiller seine an diesem Morgen noch nicht allzu zahlreich erschienene Zuhörerschaft in eine einfache afrikanische Hütte, in der sich ein medizinisch bewanderter Missionar um einen Kranken bemüht. Mittels Bluttransfusion und Penicillin gelingt ihm das Werk: „Dein Zauber war gut!“

Es sind auch heute in Zeiten von Youtube, Netflix und Co. die guten alten Bücher, die am besten dazu geeignet sind, Jung und Alt in andere Welten, zu fernen Abenteuern und zu neuen Erkenntnissen zu geleiten – lassen sie doch der eigenen Fantasie immer viel Raum. Daher ist eine Veranstaltung wie „Trier liest“ schön und sinnvoll, um dem modernen Menschen den Wert des geschriebenen Wortes vor Augen zu führen. Dementsprechend hätte man sich noch mehr Zulauf zu den insgesamt 15 Lesestationen und -aktionen von Trierer Einrichtungen und Geschäften gewünscht. So sind in der Stadtbibliothek Palais Walderdorff ein halbes Dutzend Kinder dabei, konzentriert eigene Stofftaschen bunt zu bemalen. Zuvor konnten sie Geschichten der Erfolgsautorin Cornelia Funke erleben.

In der Buchhandlung Stephanus teilt der Trierer Autor und „Zeitgeistexperte“ Frank Jöricke mit seinen handverlesenen Zuhörern seine Gedanken über das heutige Gelangweiltsein und das Überleben in den 70er Jahren ohne Internet und Smartphone und mit nur drei popeligen Fernsehsendern; man gerät ins Diskutieren. Auch das ein Vorzug von Büchern.

Zufrieden mit dem Tag äußert sich Alexa Faber, Leiterin des Studienkreises Trier. Sie konnte einige Eltern über Lese-Rechtschreibschwäche informieren und hat Kinder entsprechend mittels eines kurzen Diktates getestet. „Sie sind weder faul noch dumm“, betont sie. Vor allem, wenn man früh mit geeigneten Materialien gegensteuere, lasse sich die Lernbeeinträchtigung völlig auflösen. „Die Kinder zu stärken ist schon die halbe Miete“, stellt sie fest. Im Stadtmuseum Simeonstift erkundet Mitarbeiterin Caroline Bermes mit Kindern und ihren Eltern das mittelalterliche Trier. Nach der kurzen Führung taucht die Gruppe in Trierer Geschichten und Märchen ein, etwa vom kleinen Geist der Porta Nigra oder dem Kind vom Krahnen. Gespannt lauschen die Kinder den Erzählungen; die teilweise etwas antiquierten Formulierungen der Autorin Annette Craemer scheinen sie nicht weiter zu stören.

„Wir lesen sehr gerne Märchen“, sagt dann auch Helene Szabo-Blum, die mit ihrer Tochter Sophia (8) gekommen ist. „Die ‚Schule der magischen Tiere‘!“, sagt Theo (9) sofort auf die Frage, was er gerne liest. Auch Klassiker wie Michel aus Lönneberga oder Max und Moritz gefielen ihm sehr, ergänzt seine Mutter Nadine Ziewers.

Hannah (8) liebt ebenfalls Astrid Lindgrens Klassiker wie etwa Pippi Langstrumpf. „Ich lese sehr gerne Pferdebücher“, ergänzt sie. „Den Flyer zu ‚Trier liest‘ habe ich nur zufällig gesehen, sagt ihre Mutter Silke Scheuer.

Alle drei Trierer Mütter sind sich einig: Mehr Werbung würde so einem tollen Trierer Lesetag sicherlich nicht schaden.