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"Bei uns herrscht der Ausnahmezustand"

"Bei uns herrscht der Ausnahmezustand"

Vorderer Hochwald am Freitag und Sauertal am Sonntag sind in diesem Jahr "mittendrin" in der ADAC-Rallye Deutschland. Für alle Beteiligten bedeutet das einen riesigen Aufwand. Was aber, wenn im nächsten Jahr alles vorbei sein sollte? Der TV hat sich umgehört.

Lampaden/Ollmuth/Trierweiler. "Wir wissen nicht, wie viele kommen, aber es wird auf jeden Fall das Vielfache unserer Einwohnerzahl." Martin Marx, der Ortsbürgermeister von Lampaden, gibt angesichts der Dimensionen, die am Freitag auf ihn und die Bewohner der umliegenden Dörfer beim abschließenden Rundkurs zukommen, zu, dass "wir sehr überrascht waren, als es hieß, bei uns vor der Tür fährt die Rallye-Weltmeisterschaft." Aufgrund der jährlichen Osterrallye des Motorsportclubs Zerf, die die Gemarkung regelmäßig tangiert, sind Lampaden, Ollmuth oder Niedersehr zwar keine Unbekannte in Sachen Rallyesport, "aber das hier ist doch alles ein paar Nummern größer."
In den Gemeinden, auf den Zufahrtswegen, auf privaten Grundstücken, die als Parkflächen zur Verfügung stünden, herrsche, so wörtlich, "der Ausnahmezustand." In vielen Gesprächen mit dem ausrichtenden Motorsportclub Zerf, die in Ollmuth stattfanden, habe er einen Einblick gewinnen können, "was da für eine Arbeit bei der Vorbereitung dahintersteckt." Viele im Dorf sehen in dem "Menschenauftrieb" am Freitag aber auch eine Chance: "Der Sportverein baut einen Getränkestand und einen Imbissstand auf. Die Feuerwehr hilft bei Absperrungen. Jeder Verein kriegt was aus dem großen, gemeinsamen Topf." Daher, so Marx, "sagen die meisten bei uns, dass es sehr schade wäre, wenn der ganze Aufwand nur für ein einziges Jahr wäre und die Rallye im nächsten Jahr weiterzöge."Werbung für die Gemeinden


Von einer "kostenlosen Werbung für die Gemeinde, die wir sehr gerne annehmen", spricht Matthias Daleiden, Ortsbürgermeister von Trierweiler: Hintergrund: Die letzte Prüfung, die sogenannte "Power Stage", wird am Sonntag um die Mittagszeit live im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. "Aufgrunddessen und auch, weil bei uns die endgültige Entscheidung fallen wird, dürften wir noch mehr Gäste haben als sonst." Obwohl einige Bewohner aus Trierweiler anfangs sehr skeptisch waren ("Das mit den Passierscheinen war schon komisch), sei die Rallye gut angenommen worden. "Feuerwehr und andere Vereine legen sich stark ins Zeug und profitieren davon."
Er, wie die meisten Trierweilerer, fände es sehr schade, wenn die Rallye nicht mehr käme. "Ein einmaliges Spektakel im Jahr. Inzwischen sind wir bei der Bewältigung aber an der Belastungsgrenze angelangt. Einige Fans schlagen sich schon vorher in die Büsche, kommen ganz früh auf verbotenen Schleichwegen. Aber der ADAC tut alles dafür, dass das im Rahmen bleibt."
Andreas Barzen, der Vorsitzende des Karnevalsvereins Trierweiler, hat wie alle Vereinsmenschen "das Ohr bei den Leuten." "Wir betreiben zwar keinen eigenen Stand, helfen aber der Feuerwehr personell". Die Stimmung bei den Bewohnern sei jedoch gespalten. "Einige sagen, das ist ein tolles Ereignis. Andere meinen, so was brauchen wir hier nicht." Aber finanziell seit der mögliche Wegfall der Rallye ab dem nächsten Jahr für seinen Verein kein Verlust. "Unser Kerngeschäft ist die Karnevalszeit."
Das Fazit: Ob Rallyebefürworter oder Rallyegegner: Kalt lässt das kommende Wochenende - auch im übertragenen Sinne - niemanden. Fest steht nur: Unheimlich viele Menschen aus beiden Regionen helfen, packen an, verdienen vielleicht etwas. Aber sie engagieren sich auf jeden Fall. Und nächstes Jahr, was dann? "Darauf haben wir keinen Einfluss. Diese Entscheidung wird nicht hier getroffen. Aber jeder hier wird sein Bestes geben."