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Bei Wind und Wetter auf dem Wasser

Bei Wind und Wetter auf dem Wasser

TRIER. Generationen der Medarder Familie Busert waren Moselfischer. Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Tradition zurück. Der Beruf wurde stets vom Vater an den Sohn vererbt. Jörg Busert (65), Diplom-Ingenieur, ist der letzte der Familie, der bis heute – allerdings in der Freizeit – das Handwerk seiner Ahnen fortführt.

"Das Wasser ist sein Element", sagt Karin Busert. Seit sie ihren Mann Ende der 50er-Jahre kennen lernte, seien das Leben der Familie und die Moselfischerei untrennbar verbunden gewesen. Jörg Busert erinnert sich, als Fünfjähriger zum ersten Mal, danach regelmäßig, mit seinem Großvater Franz (Jahrgang 1876) und später mit seinem Vater Franz (Jahrgang 1909) morgens in aller Frühe mit dem Boot aufs Wasser gefahren zu sein, um die Netze auszulegen. "Danach sind wir zurück ans Ufer, ich habe mich gewaschen, den Ranzen aufgesetzt und bin in die Schule gegangen." Die Großmutter Anna verkaufte den Fang jeden Freitag auf dem Wochenmarkt. Dass alle Generationen eingespannt wurden, war bei den Buserts selbstverständlich. Sämtliche Familienmitglieder, ob verwandt oder angeheiratet, halfen bei der Verarbeitung der Fische, wenn Großvater und Vater mit vollen Netzen heimkehrten.Bau der Staustufen war ein Rückschlag

Franz Busert, gelernter Kaufmann, legte nach dem Zweiten Weltkrieg die Fischermeisterprüfung ab und trat hauptberuflich in die Fußstapfen des Großvaters. Sieben Kinder mussten ernährt werden. "Das hätte mein Vater nicht geschafft, wenn er alleine gewesen wäre." Zunächst gründete der gewiefte Kaufmann ein Seefischgeschäft: Es gab Meeresfrüchte gegen Lebensmittelmarken. Die Kinder fuhren mit dem Fahrrad durch Trier, nahmen Bestellungen an und lieferten die Ware aus. Dann versprach der Aalfang lukrative Fischzüge. Großräuchereien aus Düsseldorf kauften den Fang auf. Am Zusammenhalt der Familie änderte sich indes nichts. "Während andere Kinder spielten, mussten wir helfen. Aber ich habe das als schöne Zeit empfunden", sagt Busert. Romantisch und idyllisch sei das Leben am Fluss vor der Kanalisierung gewesen, trotz harter Arbeit und der Risiken, die die Fischerei mit sich brachte. "Die Mosel hat nicht nur gegeben, sondern auch genommen. Es gab auch Unglücksfälle am Wasser. Buserts Vater behielt die Fischerei auch im Alter bei und verdiente sich damit ein Zubrot zur Rente. Er sei auch im Alter immer noch mit dem Boot zu "Mimi Käth" gefahren, der Wirtin der Gaststätte "Zum Hafen" in Oberkirch, wo er seinen Viez getrunken und mit Freunden Skat gespielt habe. Die enge Verbundenheit zum Fluss erbte Sohn Jörg. "Ich habe mehr Moselwasser als Blut in den Adern." Immer war das Leben der Buserts von Witterung und Wasserstand abhängig. Schlechte Jahre folgten nach dem Bau der Staustufen. "Die Strömung war zu schwach, um weiter mit den Stellnetzen zu arbeiten. Die einzige Möglichkeit zu fischen war, auf Kiemennetze umzustellen." Außerdem kaufte Franz Busert Fische, hauptsächlich Rotaugen, von Kollegen zu und bereitete sie küchenfertig für die luxemburgischen Abnehmer vor. Erst Jörg Busert und seine Geschwister brachen mit der Tradition, erlernten andere Berufe. "Ich wollte kein Berufsfischer werden. Man muss bei jedem Wetter raus aufs Wasser, und der Beruf war zu unsicher, um eine Familie zu ernähren." Busert bewahrte aber seine Liebe zum Wasser und zur Fischerei. "35 Jahre hatten mein Mann und ich die Samstage nie für uns", sagt Ehefrau Karin. Ihr Gatte erbte nämlich auch den Pachtvertrag seines 1993 verstorbenen Vaters. Seit 2001 fährt er als Unterpächter eines Haupterwerbsfischers mit seiner Schaluppe zum Fischen. Bei den Pfarrfesten in St. Maternus sind Buserts Moselfische heiß begehrt. Dann brät und verkauft er bis zu 70 Portionen Fisch am Tag, der - regelmäßig untersucht - immer noch bedenkenlos verzehrt werden kann. "Eine Delikatesse", versichert Busert. Doch Ende des Jahres will er die Fischerei an den Nagel hängen, weil er die Räume, die er für seine "Fischküche" gemietet hat, aufgeben muss. "Ich werde das sicher vermissen", sagt er wehmütig. Aber vom Wasser lassen, das kann und will der 65-Jährige nicht. "Eine Kreuzfahrt - das ist mein Traum."